107: Der Watchthusiast-Jahresrückblick

Wenn der Journalist zum Blogger wird: 14 Monate verbloggt

Im September 2015 dachte ich mir im stillen Kämmerlein, ob ich neben meiner Redaktionstätigkeit für verschiedene Uhrenmagazine wohl auch unter die Blogger gehen sollte. Ein bisschen Test, ein bisschen Story, einiges rund um die Uhr sozusagen.

Mittlerweile ist das genau 14 Monate und 70 Beiträge her. Und ich muss sagen: Es macht mir Spaß, und ich bekomme einiges an Feedback. Nicht immer angenehm – aber frei nach Marcel Reich-Ranicki: Null Kritik ist wesentlich vernichtender als lediglich eine schlechte Kritik. Und die Zahl 107 hat eine besondere Bedeutung: Denn genau diese Menge Leser konnte ich im ersten Monat anlocken. Mittlerweile liegt die monatliche Besucherzahl stets bei mehr als 10.000 Usern. Meinen Lesern sei damit gedankt!

Da ist sie, die Siegerin im Traffic: Die PortaS Görlitz!

Gleich im November 2015 veröffentlichte ich meinen bisher meistgelesenen Uhrentest. Die PortaS Görlitz, eine Uhr des Teleshopping-Senders 1-2-3.tv. Bis heute treibt diese Marke ihr Unwesen, aber immerhin haben 14.000 potentielle PortaS-Kunden meinen Beitrag über die in China gefertigte Teleshopping-Uhr gelesen. Darunter auch der Sender selber – Google Analytics macht den Einblick leicht – und tatsächlich auch die Lichtfigur dahinter. Dr. Manfred S. aus M. an der Isar, der normal höchstselbst nur die Uhren von Raoul U. Braun „on air“ anpreist, scheute sich nicht, mich anzurufen. Tatsächlich nahm ich die Einladung nach München an, um zu erfahren, das manche seiner dankbaren Kunden sogar an die 100 Uhren besitzen und ihm Dankesschreiben senden. Den folgenden Hinweis auf die ebenfalls meinen Blog studierende Rechtsabteilung ließ mich dann erschauern – die längst zum Test vorliegende Raoul U. Braun wird aber dennoch demnächst auch hier erscheinen. Und das Ergebnis wird nicht so schlecht ausfallen wie bei der PortaS – zumal Dr. Manfred S. mit einem neuen Experiment sogar in die Schweiz vordringt.

Val Du Temps“ – es ist nicht das Tal des Todes, sondern der Zeit. Gemeint ist das Schweizer Jura, die Gegend, in der tatsächlich die Uhrmacherei der Eidgenossen zu Hause ist. Die offizielle Adresse in Genf macht allerdings misstrauisch: Fast 30 Unternehmen sind in dem Gebäude zuhause, unter anderem auch das Regus Office Center. Dort kann man gewisse Bürodienste gegen Geld erhalten, und nebenbei auch die passende Adresse.

Positive Rückmeldungen erhielt ich vor allem von den zahlreichen Microbrands, über die ich berichtet habe. Einige haben es auch in die Print-Ausgabe des UHREN-MAGAZIN geschafft sowie auf die gemeinsame Uhren-Plattform www.watchtime.net.

LeBois & Co: Ein Microbrand aus den Niederlanden mit interessantem Zifferblatt und einem engagierten Gründer.

Zu meinen persönlichen Lieblingsbeiträgen gehören die Geschichten um die Uhr herum – wie der Bericht mit Interview zur Mille Miglia 2015 und den sehr persönlichen Aktivitäten von Karl-Friedrich Scheufele dort. Das zur Baselworld dank Chopard folgende Gespräch mit Jacky Ickx hat für zusätzlichen Spaß gesorgt.

Fortis auf MiG 21!

Schwer ist die Herausforderung, auf eigene Faust brauchbares Bildmaterial zu erschaffen. Ich bin froh, das sich meine Künste in dem Bereich entwickeln – und dass ich auf besondere Requisiten zurückgreifen kann. In diesem Fall auf eine Tragfläche einer Lockheed aus den 60er Jahren und Rumpfbauteile einer MiG 21 aus derselben Epoche.

 

Wahre Traffictreiber waren auch die Beiträge über gefälschte Markenuhren und ihre Hersteller. Auch in 2017 wird es zu diesem Thema noch Updates geben!

Bei diesem Leuchtzifferblatt steht der Kunde im Dunklen: Denn diese Omega Seamaster 300 ist eine Fälschung.

Meine Lieblingsuhr 2016 ist definitiv die Tudor Black Bay Bronze. Allerdings – wie der Selbstversuch ergab – mochte ich die Uhr vor alle im puren Neuzustand. Ich werde auch nie verstehen, warum sich Menschen eine Jeans mit Löchern neu kaufen. Bei mir kommen die Löcher von ganz alleine, und ebenso die leider nicht so schöne Patina der Bronze.

Im Neuzustand ein Traum. Mit Edel-Patina weniger – zumindest für mich ganz persönlich….

Das Uhrenjahr 2017 steht mehr als nur in den Startlöchern: SIHH – der berühmte Genfer Salon – und die Baselworld stehen praktisch vor der Tür. Und die Uhrenkrise, die steht auch noch da: Wie bestellt und nicht abgeholt mehren sich die Meldungen der Hersteller über Exporteinbrüche und Rückkäufe der eigenen Uhren, um einen Presiverfall zu vermeiden.

Hersteller wie Pequignet und Vulcain haben bereits ins Gras gebissen, Breitling steht zum Verkauf, etliche andere ebenso. Und auch das Personalroulette schlägt wieder zu: Aldo Magada, CEO von Zenith, wird seines Amtes enthoben und durch die Wunderwaffe Jean-Claude Biver ersetzt. Das ist erstmal keine üble Wahl, hat dieser doch nach Blancpain auch Hublot und TAG Heuer wieder zu Marken gemacht. Ob allerdings die geballte Ladung von Prominenz als Markenbotschafter auch in diesem Fall für Wirbel und Umsatz sorgen wird, steht in den Sternen.

Insofern wird das Jahr 2017 noch für einige Bereinigung des Marktes sorgen. Eines zumindest kann man sich abschminken: Die Smartwatch als Verdränger der klassischen Armbanduhr. Die rückläufigen Verkaufszahlen haben die klugen Wecker sogar von der weltweit größten Consumer-Messe CES in Las Vegas an den Rand gedrängt. Es gibt wieder wichtigeres als den mit der Apple Watch als größten Wurf gefeierten elektronisch-digitalen Wundermaschine am Handgelenk.

Rund um die Uhr kreisen meine Gedanken rund um die Uhr – mein Dank geht an jeden Leser, jeden Kommentator, Kritiker, meine treue Lektorin, und an meine Frau und Tochter, die solche Eskapaden in Wort und Bild tragen und fördern.

Wir werden sehen, was 2017 an Neuheiten hervorbringen wird!

1 Comments

  1. Sehr geehrter Herr Gronenthal,

    Sie schreiben über interessante Themen und die Diktion Ihrer Beiträge gefällt mir. Das Lesen bereitet mir ein kurzweiliges Vergnügen. Ich werde Ihren Blog fortan des Öfteren besuchen. Viele Grüße

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