Baselworld 2017: And the winner is

Auf der Messe ist es wie im Einkaufszentrum: Die richtige Tüte gewinnt. So scheint die Tragetasche von Rolex das beliebteste Produkt der Baselworld 2017 zu sein. Gefühlte 70 % der Besucher trugen diese elegante weiße Tasche mit dem markanten Schriftzug, um darin Prospekte zu sammeln und zu zeigen: Ich war dabei. Apropos Prospekte, es ist erstaunlich, dass dem interessierten Besucher von vielen Häusern nur Broschüren als Informationsmaterial ausgehändigt werden. Elektronische Medien sind eher Mangelware, schade für die Umwelt.

So sah das Statussymbol 2016 aus: Die Rolex-Bag. © Thomas Gronenthal

Die Umwelt  wird allerdings trotzdem immer mehr zum Thema. Bei Chopard wird bei der Auswahl der Materialien konsequent auf „Fairmined“-Gold aus Südamerika gesetzt. Auch bei der Auswahl der Edelsteine versucht das Unternehmen Ware zu verwenden, die nachweislich unter fairen Arbeitsbedingungen abgebaut wurde. Ein Highlight der neuen Modellpalette von Chopard ist die Jubiläumsuhr zum 90. Geburtstag der Mille Miglia, ein Chronometer in Roségold mit manufaktureigenem Uhrwerk. Eine gelungene, wunderschöne Uhr, die der Tradition des Hauses folgt.

Definitiv ein Meisterwerk: Die Chopard Mille Miglia zum 90. Geburtstag des Rennens in Norditalien. © Thomas Gronenthal

Eine Vielzahl neuer Marken macht zudem auf sich aufmerksam – trotz kleinerer Messe mit 1.200 statt 1.500 Ausstellern und einer handfesten Uhrenkrise in der Schweiz trauen sich immer noch neue Hersteller auf das schlüpfrige Parkett des Luxus. Das Logo der Firma Monta aus  Saint Louis, USA, erinnert leicht an das von Patekt Philippe, während die Uhren das Taucheruhren-Thema aufgreifen. Das Design der Oceanking erinnert an einen Hersteller aus Genf und soll die ursprünglichen Werte der klassischen Diver wiederbeleben: Zuverlässigkeit in allen Situationen. Ein weiteres Modell von Monta ist flach. Die Uhren überzeugen durch Haptik, und auch durch überlegte Qualität in den Details. Hinter dem Unternehmen steht ein Armbandhersteller, der seit Jahren mit seinen Bändern hochwertige Uhren wie Rolex versieht: Everest. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob die x-te Variante der „klassischen Taucheruhr“ der Firma Monta zum Durchbruch verhilft.

Die Monta Oceanking – Produkt der Evolution vom Bandhersteller zum Uhrenhersteller und nur einer der zahlreichen neuen Brands in Basel. © Hersteller

Ein bisschen war die Baselworld 2017 Business as usual, wie es scheint. Einige Trends sind ungebrochen, andere werden gebrochen.

Die Baselworld-Toptrends:

Size matters: Was in den Klatschspalten immer heiß diskutiert wird, findet eine Umkehr. Die Uhren werden wieder kleiner, und manch Hersteller traut sich zu sagen, das die praktische Nutzbarkeit von Uhren jenseits der 40 Millimeter deutlich zu wünschen übrig lässt. 40 bis 41 Millimeter setzen sich scheinbar als ideale Herrengröße durch, während die Damenwelt nur wenig darunter liegt. Das ist erfreulich.

Sinn geht mutig voran mit einem Modell für Männlein und Weiblein mit weniger als 40 Millimetern Durchmesser, als Antrieb kommt ein ETA 2892-2 zum Einsatz. Ohne Datum, und ohne Sekundenzeiger! © Thomas Gronenthal

Gerüchte: Plötzlich verbaut Tudor Uhrwerke von Breitling, während Breitling Dreizeigerwerke von Tudor bezieht. Ein Schelm, wer sich dabei was denkt. Bereits letztes Jahr glühten die Gerüchte um einen Verkauf von Breitling, der bis heute aber stets dementiert wird. Man wird sehen. Erst die Werke, dann die ganze Firma?

Im Tudor-Chrono tickt ab sofort ein Werk von Breitling, das Kaliber B01. © Thomas Gronenthal

Vintage: Alter Wein in neuen Schläuchen ist immer noch in. Omega zeigt mit der Vintage 1957 eine Kollektion aus drei Uhren, die allesamt eine hauseigene Kopie der eigenen Modelle sind. Schön, aber einfallslos, wenn die maßgeblichen Neuheiten der eigenen Mottenkiste entstammen. Daher sind auch bei anderen Herstellern vanillig getönte Leuchtmasse und angejahrt wirkende Uhren zu finden, die sich nur durch den Durchmesser verraten. In den 1950er Jahren galten nämlich 35 Millimeter bereits als Gardemaß für eine Herrenuhr….

Omega Seamaster – damals und heute. © Thomas Gronenthal

Omega Railmaster. © Thomas Gronenthal

Innovation: Der größte Tourbillon, die kleinsten Mikrorotoren, und vieles mehr. Der Innovationsdruck scheint ungebrochen, um Uhren in den Markt zu pushen. Ob das alles immer nötig ist, sei dahingestellt….

Depeche Mode spielt bei Hublot auf. © Gisbert L. Brunner

Fliegeruhren-Hersteller oder doch eher Modefabrikant? Die Breitling-Party. © Gisbert L. Brunner

Money, money, money: Die Stände, die Prospekte, die Partys, die Hostessen und die Deko. Es scheint kein morgen zu geben in der Industrie mit Luxusgütern. Der eine fliegt Depeche Mode zum Privatkonzert ein, andere bieten eine Stripshow vor Lamborghini-Kulisse, um die versammelten Gäste zu bespaßen. Es wirkt nicht nur gigantisch, es ist gigantisch. Es müssen aber einige Uhren verkauft werden, ehe alleine solche Eventformate wieder eingespielt sind.

 

 

TAG Heuer Connected 45 – die Smartwatch, die sich wie ein Chamäleon anpassen kann. © TAG Heuer

Smart: Eine Revolution sind Aussteller wie Intel und Samsung, die auf der Basler Messe präsentieren, was für die Konzerne die smarte Zukunft ist. Vor allem in der Preisklasse unter 1.000 Euro sind die Smartwatches eine ernste Konkurrenz zu einer normalen Quarzuhr geworden. Die in Basel präsentierte Samsung Gear S3 zeigt das eindrucksvoll: Der Schweizer Uhrendesigner Ivan Arpa ist der eigentliche Gestalter der Gear S3. Neben der schon erwähnten Gear S 3 von Samsung ist TAG Heuer mit der Connected Modular 45 dabei, Hersteller wie Michel Herbelin, Guess und die Fossil-Group zeigen mit ihren zahlreichen Lizenzmarken smarte Modelle. Daneben auch Casio, deren Modelle mit Smartphone-Anbindung schon Kultstatus genießen. Natürlich sind auch Frédérique Constant und Alpina mit von der Partie und zeigen smartes „Swiss Made“. In den höheren Ligen dominiert aber scheinbar weiterhin die Mechanik, was auch nachhaltig ist. Denn ob smart oder Quarz – diese Modeartikel sind nur auf der Durchreise. Mechanik überdauert derweil Generationen.

Abschlusspressekonferenz: Die nächste Baselworld wird kürzer. Und kleiner? Man wird sehen… © Baselworld

Derweil die Meldung, das im Februar ein neuer Exportverlust in Höhe von zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr festgestellt wurde. Es bleibt spannend, wohin sich die Uhrenbranche bewegt!

Ulkig am Rande: Der Titel der Liveticker-Seite bei TAG Heuer:

1 Comments

  1. Vielen Dank für diese kurze Zusammenfassung der Beselworld ;-), die ich in ähnlicher Art nur von einem guten Bekannten aus Wien gewohnt war, der aber leider verstorben ist und dessen Internetpräsenz aufgelöst wurde.
    Was die Exportverluste angeht bin ich als Endverbraucher mal gespannt, wie sich das auf die Modell- und Preispolitik auswirken wird.
    Beste Grüße!

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