Baselworld: Spione am Werk

Die Fälscherindustrie steht in den Startlöchern

Im Rahmen der anstehenden Baselworld, der Weltmesse für die Uhren- und Schmuckbranche, sind auch die Fabriken für Uhrenfälschungen in China in Alarmbereitschaft. Wenn die aktuellen Neuheiten in Basel präsentiert werden, gilt es auch bei den Kopisten, schnell zu sein. Im vergangenen Jahr lagen die ersten Uhren bereits wenige Wochen nach dem Messeende als Plagiat vor. Besonders erstaunlich: Die Tudor Black Bay in Bronze, die erst zur Messe als Original in neuem Gehäusematerial vorgestellt wurde.

© Thomas Gronenthal

Der Hersteller aus der Schweiz nutzt eine Aluminiumbronze für das Gehäuse, das zusätzlich mit einem Boden aus PVD-beschichtetem Edelstahl versehen ist. So werden Irritationen der Haut vermieden.

© Thomas Gronenthal

Innerhalb kürzester Zeit in den wenigen Wochen nach der Messe kamen die ersten Bilder von Prototypen aus den Fälscherfabriken. Zwar hatten die ersten Modelle noch nicht das richtige Mischungsverhältnis der Legierung, doch auch dieser Fehler wurde schnell behoben. Seit dem Sommer letzten Jahres gibt es die Tudor Black Bay Bronze als Nachbau, der es selbst Experten schwer macht, die Fälschung von außen zu erkennen. Erst beim Öffnen des Bodens fällt auf, das statt dem neuen Tudor-Manufakturwerk lediglich ein Nachbau des ETA 2824-2 zum Einsatz kommt.

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Auch die Omega Seamaster 300 wurde innerhalb kürzester Zeit nach Ihrer Präsentation als Fälschung vorgestellt. Das Manufaktur-Werk mit Coaxialhemmung ist ebenfalls an Bord – so scheint es zumindest. Tatsächlich haben die chinesischen Fälscher eine komplette Werkansicht als Kalotte gestaltet, mit Schraubenköpfen, Rubinen und Schliffdekor. Diese Kalotte wird über ein einfaches Basiswerk – das Miyota 8215 – gestülpt und von der Zifferblattseite mit Briden verschraubt. Der Rotor verfügt über ein tiefes Lager, um den Höhenunterschied zwischen dem 8215 und der Dekoration auszugleichen. Die originale Unruh des Miyota-Werks scheint noch durch, um einen realistischen Eindruck zu erzeugen. Und tatsächlich, auf den ersten Blick sieht das Uhrwerk – bzw. dessen Fassade – gut aus. Allerdings ist weder die Ganggenauigkeit, noch das Verhalten des Uhrwerkes auf dem Niveau einer echten Omega. Neben der unterschiedlichen Frequenz des Werkes fällt ein Merkmal des Miyota-Werkes ins Auge: Der Sekundenzeiger macht aufgrund der indirekt angetriebenen Sekunde unregelmäßige Sprünge bzw. stottert.

Unter dieser Verzierung versteckt sich ein Allerweltswerk: Das Miyota 8215. © Thomas Gronenthal

Und so sieht das Uhrwerk unter der Verzierung aus….

Zum 80. Geburtstag der Jaeger-LeCoultre Reverso stellte die Schweizer Manufaktur im Jahr 2011 die Grand Reverso Ultra Thin Tribute to 1931 vor. Die nur 7,2 Millimeter hohe Uhr wurde nach kürzester Zeit ebenso nachgebaut – im Unterschied zum Original allerdings mit einem Quarzwerk.

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Während die Uhr also äußerlich sehr präzise dem Original entspricht, liegen die inneren Werte weit dahinter. Dennoch interessant ist die gute Ausführung des komplexen Gehäuses der Reverso. Auch die Perlierung auf der inneren Seite des Unterbodens wurde gut getroffen. Am Ende scheitert es aber manchmal an den richtigen Sprachen: Während das Original auf dem Boden die Gravur „3bar“ für die Wasserdichte trägt, ist die Fälschung „3bsr“ dicht. Manchmal ist der Unterschied so klein – und dann zum Glück so eindeutig.

© Thomas Gronenthal

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