Eine Uhr aus Zement: GIULIANO MAZZUOLI

Bronze, Stahl, Gold in allen Schattierungen, und Holz: Diese Materialien sind längst keine Überraschung mehr im Uhrenbau. Zement – daran hat noch niemand gedacht. Diesen Gedanken muss auch Giuliano Mazzuoli gehabt haben, der in seiner Heimat, den Bergen um Florenz, auch als Architekt bekannt ist. Als Designer hat er sich längst einen Namen gemacht, wenngleich nach seiner Meinung alle Designs bereits in der Natur vorkommen und nur von Menschen entdeckt werden, um zu einer Reproduktion zu kommen.

Während einer Englisch-Stunde entwarf er ein Schreibgerät, das er „Moka“ nennt. Der Erfolg ist immens. Der Wunsch nach einer Uhr beschäftigt ihn lange, ruht jedoch auch mindestens ebenso lange. Seine Hauptfurcht: Einfach ein Kopist sein dessen, was es bereits gibt.

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Der Moka-Pen: Eine gewisse Ähnlichkeit zu italienischen Espressomaschinen ist unverkennbar. ©Mazzuoli

Letztlich gab ein Kompressor den Ausschlag. Der dort angebrachte Druckmesser verfügt über ein Zifferblatt und Zeiger, aber folgt keinerlei Design, sondern nur einem praktischen Nutzen: Schnell erfassen, welcher Druck anliegt. Knapp 24 Stunden später gab es den ersten Prototypen einer Uhr, die im Design des Zifferblattes diesem Konzept folgte. Folgerichtig wurde die Uhr „Manometro“ genannt – das Manometer zur Druckmessung.

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Giuliano Mazzuoli und seine neueste Kreation: Eine Armbanduhr aus Zement. ©Mazzuoli

Die nächste Inspiration bezog Mazzuoli aus dem Drehzahlmesser eines Autos – ebenso ein Nutzinstrument, aber mit sportlichem Antrieb und Ehrgeiz verbunden. Die Uhr „Contagiri“ bezog also die Inspiration aus dem Tourenzähler des Motors.

Mit der „Carrara“ verband Mazzuoli das schlichte Design der Manomatro mit einem äußeren Gehäuse aus dem Stein, der in Italien eine besondere Rolle spielt: Der berühmte Carrara-Marmor. In Florenz bestehen zahlreiche Bauwerke aus dem Material, das bereits bei den großen Künstlern längst vergangener Zeiten beliebt war.

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Die GIULIANO MAZZUOLI CEMENTO – das Gehäuse besteht aus sorgfältig poliertem Zement, hergestellt in Italien. Das Uhrwerk ist Swiss Made – das verlässliche ETA 2824-2. ©Mazzuoli

Die Inspiration zum Zement zog Giuliano Mazzuoli aus Arbeiten in seinem Garten – die Bauarbeiter rührten Zement vor seinen Augen an. Die Idee eines Gehäuses aus diesem Material war geboren, und die Cemento nahm vor seinem geistigen Auge bereits Form an. Ein besonderer Prozess von Politur und Oberflächenveredelung erhält die Farbe des Zementes, die sonst oft bei der Trocknung einem schnöden Grau weicht. Das Ergebnis ist spannend – und für den Erschaffer sogar besser als die Idee. Eines kann gesagt werden: Bei den Neuheiten 2016 gehört diese Uhr zu einer seltenen Spezies, die kein Vintage-Thema belebt oder einen berühmten Sportwagen zitiert. Der Preis von 3.600 Euro ist in Anbetracht der Besonderheit nicht extrem hoch – das fragt sich manch anderer Hersteller mit einer Konfiguration, die weniger Finessen bietet.

 

Die technischen Fakten:

  • Uhrwerk: ETA 2824-2 (Allerdings ohne die Anzeige des Datums)
  • Durchmesser: 45 Millimeter
  • Höhe: 13,5 Millimeter
  • Wasserdicht: 50 Meter
  • Krone: Edelstahl mit Gummring, verschraubt
  • Glas: Saphir, entspiegelt
  • Armband: Leder aus der Toskana
  • Schließe: Edelstahl
  • Preis: 3.600 Euro

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