Lens-On: Aaron Vinley Bronze Kollektion

Microbrand bringt klassische Segelschiffe und Armbanduhren zusammen

Nein, das ist kein Projekt der Marine, um die Restaurierung der Gorch Fock zu finanzieren! Aber zwei Uhrenmodelle des Microbrands Aaron Vinley, die sich jeweils historische Segelschiffe zum Thema nehmen und auf gekonnte Weise Seefahrt und Zeitmesstechnik verbinden.

Bei einem Lens-On können wir Fotos der ersten Prototypen machen. In Kürze startet die Kickstarter-Kampagne dazu, Interessenten können sich bereits jetzt auf der Homepage für den Newsletter eintragen. Das haben bereits über 1.000 Interessenten getan! Mit Kickstarter hat der Gründer, Andreas Klinkenberg,  bereits Erfahrung. Sein erstes Modell, das erfolgreich bei Kickstarter finanziert wurde, war eine schlichte Dreizeigeruhr im minimalistischen Stil.  Die neue Kollektion geht aber einen mächtigen Schritt nach vorne.

Die Earl of Abergavenny mit Zifferblatt in Lapislazuli, Marmor oder Schneeflocken-Obsidian. © Thomas Gronenthal

Die Gehäuse: Eine eigene Bronzemischung kommt hier zum Einsatz, gepaart mit einem Gehäuseboden aus Edelstahl. Das Material wird am Ende noch etwas anders als bei den Prototypen aussehen, gefällt mir aber bereits jetzt sehr gut. Es ist weniger rot als andere Bronzeuhren, und erhält durch die besondere Mischung eine wesentlich edlere Patina. Bronze und Schifffahrt hat natürlich Tradition, denn Beschläge, Schiffsschrauben und viele andere Details auch historischer Schiffe sind aus diesem Werkstoff.

Die HMS Victory mit Vollkalender und zahlreichen maritimen Details. © Thomas Gronenthal

Mit einem Vollkalender geht die „HMS Victory“ an den Start. Der Namensgeber ist das älteste im britischen Marinedienst befindliche Schiff. Der Stapellauf fand am 7. Mai 1765 am Chatham Dockyard in Chatham statt. Besondere Bekanntheit erlangte die Victory als Flaggschiff von Vizeadmiral Nelson in der Seeschlacht von Trafalgar. Das 69 Meter lange Schiff wurde aus Ulmenstämmen von bis zu 50,8 cm Durchmesser gefertigt, am 30. Oktober 1760 wurde das Schiff als Victory in die Schiffsliste der britischen Royal Navy eingetragen. Heute ist die Victory ein Museumsschiff in Portsmouth, dient aber auch nach wie vor dem Ersten Seelord für offizielle Empfänge und Veranstaltungen und ist damit noch Teil der englischen Flotte. Mit vielen Details geht auch die Uhr auf das Schiff und die Seefahrt ein – Backbord und Steuerbord sind auf dem Zifferblatt auf drei und neun Uhr vermerkt, und die gesamte Formsprache entspricht maritimen Motiven. Die Zifferblätter sind in Silber, Blau und Schwarz zu haben, Zeiger und Indexe tragen Leuchtmasse. Mit dem Vollkalender, der Tagesdatum, Monat, Wochentag und 24 Stunden anzeigt, kann bedenkenlos durch den Alltag navigiert werden. Die Armbänder sind ebenso hochwertig und tragen eine individuelle Bronzeschließe.

Die Böden sind lebevoll und hochwertig mit einem Abbild des Schiffes versehen. © Thomas Gronenthal

Als Antrieb kommt bewährte Technik von Miyota zum Einsatz, das Kaliber 9120. Es ist ein Schnellschwingerwerk mit einseitigem Aufzug und arbeiten präzise und lange, das Kalendermodul wird direkt von Miyota bereitgestellt. Auf einen Glasboden wurde zugunsten einer wirklich hochwertigen Darstellung des Seglers verzichtet. Das ist kein Verlust, sondern eher ein Gewinn.

Das zweite Modell, die „Earl of Abergavenny“, widmet sich der Handelsschifffahrt. Sie war ein britisches Handelsschiff, das zu der besonderen Klasse der East Indiaman gehörte und neben Fracht auch Passagiere befördern durfte. Die Earl of Abergavenny wurde 1796 in Northfleet, Kent, gebaut und nach Henry Nevill, dem zweiten Earl of Abergavenny benannt.

Der Schneeflocken-Obsidian ist kraftvoll leuchtend und macht die Uhr sehr elegant. © Thomas Gronenthal

Sie stand zunächst unter dem Kommando von John Wordsworth senior, dem Onkel des Dichters William Wordsworth. Am 5. Februar, kurz nach dem Aufbruch zu einer Fahrt über Indien nach China, wurde das Schiff auf eine Untiefe in der Nähe der Stadt Weymouth gedrückt und sank. Von den 402 Menschen an Bord starben 263, das Wrack liegt heute in 60 Meter Tiefe drei Kilometer vor dem Strand von Weymouth.

Der Vollkalender HMS Victory im Profil. Neben der Krone ist der Korrekturdrücker für den Monat. © Thomas Gronenthal

Als Handelsschiff transportierte die Earl of Abergavenny neben Gewürzen und Tuch auch Edelsteine und ähnliche Materialien. Da verwundert es nicht, dass die gleichnamige Uhr ein extrem hochwertiges Zifferblatt mit einer Einlage aus Stein zu haben ist. Neben Lapislazuli kommt weißer Marmor und Schneeflocken-Obsidian zum Einsatz. Damit ist auch das Farbthema der drei Uhrenmodelle festgelegt: Weiß, Blau und Schwarz. Die Zifferblätter sind wirklich eine Schau, und unterscheiden sich in der edlen Gestaltung von anderen Marken, die bereits auf Marmor und ähnliches als Werkstoff gekommen sind. Als Uhrwerk kommt hier das automatische Seiko NH35 zum Einsatz – ein ebenso verlässliches wie robustes Uhrwerk. Beide Modelle erhalten natürlich auch ein Saphirglas.

© Thomas Gronenthal

Im Juli wird voraussichtlich die Kickstarter-Kampagne beginnen. Die Preise: 649 Euro wird die Dreizeigeruhr kosten, als Kickstarter-Earlybird jedoch nur 399 Euro.

Die Victory mit dem Vollkalender wird später für 769 Euro verkauft, als Earlybird hat man auch hier bereits für 499 Euro den Deal gemacht.

Das Zifferblatt aus Lapis macht sicher auch an einem Damenarm eine gute Figur! © Thomas Gronenthal

Mein Fazit, nachdem ich die Uhren in der Hand und vor der Linse hatte: Hier hat ein Microbrand ein Thema konsequent zu einem Ende gedacht und eine außergewöhnliche Uhr auf die Beine gestellt, die nun wirklich nichts mit den Produkten der großen OEM-Hersteller in Asien zu tun hat, wie es bei gefühlt 99 Prozent der Microbrands der Fall ist. Davor meinen Respekt, und in Anbetracht der humanen Preise für das Gebotene kann ich der Kampagne nur Glück wünschen. Zudem werden die Uhren in Deutschland endgefertigt, ein weiterer Vorteil. Diese Kampagne werde ich aufmerksam verfolgen!

Prototypen-Stapel: Die Kanten des Gehäuses werden per Hand bearbeitet. © Thomas Gronenthal

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