Racing Rolex: Daytona

Von Null auf Hundert – so heißt es nicht nur im Rennsport, sondern auch für die Rolex Cosmograph Daytona. Zu Beginn konnte sich das Modell schwer etablieren, mittlerweile ist sie ein Kult-Klassiker. Zu Beginn heißt die Uhr jedoch weder „Cosmograph“ noch „Daytona“. Der Begriff Cosmograph ist allerdings seit 1953 für Rolex registriert. Schlicht „Chronograph“ heißen die Uhren zunächst laut Zifferblatt, für wenig mehr als 200 Dollar werden sie zu Beginn der 1960er Jahre verkauft. Die Referenz 6234 wurde zwischen 1955 und 1961 gebaut, pro Jahr verlassen etwa 500 Uhren dieses Typs die Fabrikation von Rolex. Ein besonderer Erfolg ist der Uhr nicht vergönnt – bei den Händlern entwickeln sich die Uhren zu wahren Standuhren. Heute sind die Pre-Daytona genannten Modelle gesucht und rar – 20.000 Euro sind nur ein Einstiegspreis in eines der raren Modelle mit silbernem oder schwarzem Zifferblatt im Edelstahlgehäuse.

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Eine Pre-Daytona mit gefaltetem Armband im Nietdesign – Anfang der 1960er Jahre. ©Antiquorum

Le Mans statt Daytona

Zeitmessung und Rennsport liegen in den 1960er Jahren nahe zusammen. Rolex bewirbt sich also um die Zeitnahme für verschiedene Rennen, allen voran die prestigeträchtigen 24-Stunden-Rennen. 1964 scheint man sich sicher zu sein, Le Mans mit Uhren und Zeitnahme-Technik ausstatten zu dürfen und gestaltet daher einen Chronograph mit dem Namen Le Mans. Aus dem Deal wird jedoch nichts. Erst 1965 wird die Uhr als Cosmograph bezeichnet, im selben Jahr tritt auch Daytona offiziell als Bezeichnung auf. Dort wird die Uhr als Siegprämie vergeben. Der Chronograph misst Zeiträume bis zu 12 Stunden, übersichtlich ablesbar ist die Stahluhr. Die Tachymeterskala auf der gravierten Edelstahllünette macht die Ermittlung der Durchschnittsgeschwindigkeit auf einer Referenzstrecke möglich. Mit der Referenz 6239 findet dann auch der prominenteste Träger zu seiner Rolex Daytona: Paul Newman. Der amerikanische Schauspieler mit den stahlblauen Augen ist auch Rennfahrer – erfolgreich und schnell. In seinen Spitzenzeiten besitzt er seinen eigenen Rennstall, am Arm begleitet ihn dabei seit Ende der 60er Jahre eine Rolex Daytona. Für Sammler ist eine echte Newman Daytona ein Sechser im Lotto: Bis zu 100.000 Euro kann eine solche Uhr auf Auktionen erzielen. Dabei gibt es eklatante Unterschiede – nicht jede Daytona ist eine Paul Newman.

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Paul Newman mit seiner ursprünglichen Daytona. Weißes Zifferblatt, rote Sekundenskalierung und schwarze Totalisatoren sowie die gravierte Stahllünette markieren die „echte“ Newman-Daytona.

Die originale Newman-Uhr trägt ein weißes Zifferblatt mit schwarzen Chronographen-Totalisatoren, roter Stoppsekundeneinteilung sowie eine gravierte Tachymeterlünette in Stahl. Die Wertsteigerung ist bei diesem speziellen Modell enorm. Ende der 80er Jahre wurden Exemplare bereits für 3 bis 4.000 Euro versteigert, eine Verzehnfachung des ursprünglichen Kaufpreises. In den 1990er Jahren stiegen die Preise für authentische Paul Newman-Modelle bereits auf 20.000 bis 30.000 Dollar: eine bessere Rendite bietet nicht einmal ein Anlagebetrüger.

Augen auf vor Fälschungen

Als hoch bewertetes Modell sind viele gefälschte Uhren in Umlauf. Schnell wird aus einer Standard-Daytona mit einem neuen Zifferblatt eine Paul Newman, es ist davon auszugehen, dass mehr Teilfälschungen als Originale im Umlauf sind. Ganze Uhren sind ebenfalls oft nicht original, sondern aus verschiedenen Einzelteilen als Marriage gebaut. Die damals verwendeten Valjoux-Werke erleichtern die Fälschung und sind in namenlosen Chronographen für wenige 100 Euro zu haben. Einzelteile wie das Gehäuse werden in nahezu gleichwertiger Ausführung reproduziert, ebenso wie Bänder und weitere Einzelteile.

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Handaufzug-Daytona Ref. 6239 aus dem Jahr 1968 – je nach Zustand sind 50.000 Euro und mehr anzulegen. ©Antiquorum

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Das weiße Zifferblatt ist hier altersbedingt einem Elfenbein-Ton gewichen, wunderschön anzusehen und wertsteigernd. ©Antiquorum

Als Antrieb bei allen klassischen Daytona-Modellen mit Handaufzug kommt das Valjoux Kaliber 72 in verschiedenen Ausbaustufen zum Einsatz. 1988 lässt Rolex den Cosmograph Daytona zur automatischen Uhr werden. Die Entwickler greifen bei der Uhrwerkwahl in ein fremdes Regal und wählen das El Primero von Zenith. Das Werk ist hochpräzise und funktional, für Zenith ist es bis heute ein Meilenstein. Mit 36.000 A/h ist es temperamentvoll – bei Rolex wird es entsprechend überarbeitet und Kaliber 4030 genannt. Eine Reduktion der Frequenz auf 28.800 A/h sorgt für längere Gangdauer und auch längere Serviceintervalle – Einbußen für die Genauigkeit sind keine zu verbuchen. Auf dem Gebrauchtmarkt liegen dabei die Bicolor-Modelle ab den späten 80er Jahren am günstigsten: Ab ca. 6.000 Euro wechseln die Uhren den Besitzer. Teurer werden die Stahl-Modelle, sie sind in gutem Zustand ab 7.000 Euro zu kaufen. Auch hier gilt: mit offenen Augen kaufen, am besten beim renommierten Juwelier oder Auktionshaus. Papiere und Box sind zwar wertsteigern, allerdings kein Kriterium für die Echtheit einer Uhr. Auch dieses Zubehör wird meisterlich gefälscht.

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Daytona in Gelbgold aus den 1990er Jahren, mit umgebautem El Premiro-Kaliber von Zenith. Im Unterschied zu den aktuellen Modellen liegt die kleine Sekunde auf neun statt sechs Uhr, und die Zeigerachsen der Totalisatoren auf drei und neun Uhr liegen auf selber Höhe wie Stunden-, Minuten- und Stoppsekundenzeiger. ©Antiquorum

Manufakturwerk

Mit dem neuen Jahrtausend setzt Rolex neue Maßstäbe und präsentiert den Cosmograph Daytona erstmals mit einem hauseigenen Uhrwerk, dem Kaliber 4130. 44 Lagersteine, 72 Stunden Gangautonomie und die Rolex-typische Kif-Stoßsicherungen für Unruh und das Ankerrad zeichnen das Werk aus. Äußerlich fällt der Wechsel kaum auf: Das Gehäuse gleicht dem Vorgänger, lediglich das Zifferblatt hat sich verändert – auf den zweiten Blick. Hatte die Daytona mit Zenith-Werk die kleine Sekunde noch auf der Neun, verfügt das Rolex-eigene Kaliber über die laufende Sekunde bei sechs Uhr. Zudem liegen die Zeigerachsen von Minuten- und Stundenstopper außerhalb der Mittelachse im oberen Bereich des Zifferblatts. Eine vertikale Kupplung ermöglicht ein ruckfreies Anlaufen des Sekundenzeigers des ewigen Klassikers.

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Rolex Daytona von 2008: Gut zu erkennen sind die unterschiedlichen Achsenhöhen, und die laufende Sekunde auf sechs Uhr. Das hier gezeigte Modell besteht aus 18 Karat Weißgold. ©Antiquorum

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