Review: Fiyta Photographer

Mega- statt Microbrand: Fiyta ist (k)ein Newcomer

Wer meinen kleinen Bericht zur Baselworld gelesen hat, ist sicher schon über Fiyta gestolpert, die dort bereits seit Jahren ausstellen. Das Unternehmen kommt aus China und verhehlt das auch nicht – im Gegenteil, als einer der Top 20-Uhrenhersteller der Welt muss sich Fiyta – gesprochen Fiyata – auch nicht verstecken. 2010 und 2014 konnte Fiyta sogar den begehrten Red Dot Design Award einheimsen – Zeichen für die Eigenständigkeit der Marke aus dem Land, wo normalerweise westliche Vorbilder mehr oder weniger dreist kopiert werden.

Mit einem Distributor aus Deutschland und einem eigenen Webshop geht die Marke nun auch den Schritt nach Mitteleuropa. Fiyta selber ist als Uhrenhersteller bereits seit 1987 aktiv – allerdings so gut wie nur auf dem riesigen asiatischen Markt präsent. In Asien allerdings gibt es sogar eigene Boutiquen. Das Modell Photographer GA8486.BBB gehört derweil zum Programm für Mechanikfreunde, ausgestattet mit einem japanischen Miyota 8N24. Apropos: Eine klare Fokussierung gibt es in den Kollektionen von Fiyta nicht. Gehört das Unternehmen zwar zu einem staatlichen Flugzeugkonzern, lassen nur wenige Uhren diese Herkunft auch erkennen. Tatsächlich gehört Fiyta aber mit einem mechanischen Chronographen zu den Ausstattern der chinesischen Weltraummissionen – ein wenig die Peking-Variante der Speedmaster.

Mehrlagiges Zifferblatt, polierte und mattierte Gehäuselemente in Schwarz: Die Fiyta Photographer. © Thomas Gronenthal

Miyota-Traktor

Das Automatikwerk in der Photographer ist ein Traktor und basiert auf der 82XX-Serie, die ich schon mehrfach getestet habe. Anders als bei vielen dieser Werke fallen mir hier aber sofort die guten Gangwerte auf. Nach einer Woche Tragetest ist die Abweichung geringer als 40 Sekunden – 5 Sekunden pro Tag sind für ein Miyota auffällig wenig. Auf der Zeitwaage läuft das Uhrwerk ebenso mit geringsten einstelligen Abweichungen (+ 8 s/Tag), bei für diese Werkfamilie hohen Amplituden von 290 Grad in liegender Lage. Der Lagenmix am Arm sorgt dann offenbar für weitere Präzisierung. Das Miyota 8N24 arbeitet derweil mit einer Frequenz von 21.600 A/h, bietet 42 Stunden Gangreserve und verfügt über 21 Steine sowie einer Handaufzugsmöglichkeit über die Krone. Auf einen Sekundenstopp bei gezogener Krone muss man bei dem Uhrwerk aber leider verzichten.

Sauber gravierter Boden und der Antrieb der Uhr: Das Miyota 8N24. © Thomas Gronenthal

Das Gehäuse besteht aus Edelstahl und ist schwarz ionenplattiert, mattierte und polierte Flächen sorgen für optische Effekte. Die Beschichtung gilt zudem als abriebfest und stabil. Der Boden ist stahlfarbig, wie auch die Schließe des Stahlbandes, und gedrückt – allerdings mit einem roten Sanfil-Ring. Diese Dichtungstechnik ist konstruktiv wesentlich besser, jedoch auch aufwendiger umzusetzen. Die 5 bar Wasserdichte genügen für alle feuchten Herausforderungen des Alltags. Der Durchmesser des sauber verarbeiteten Gehäuses beträgt 42 Millimeter, mit allen Bandgliedern beträgt das Gewicht satte 160 Gramm. Das Tragegefühl ist entsprechend solide und wertig.

© Thomas Gronenthal

Zifferblatt & Zeiger

Das Zifferblatt ist mehrlagig, auf dem oberen Teil sind die Indexe appliziert, während der untere Teil einen Carbonlook hat. Das Muster des skelettierten Zifferblattes erinnert zudem an die Verschlussblende einer Kamera – daher auch der Name: Photographer. Das Deckglas besteht aus Saphirkristall und ist sauber mit einem schwarzen Dichtring in das Gehäuse eingepasst.

Die verchromten Blattzeiger sind ebenso wie das Zifferblatt sauber gearbeitet und entsprechen einem guten Qualitätsstandard. Die Sicht auf das Uhrwerk ist frei, dank der Skelettierung ist viel des Mechanismus zu sehen. Das sich schnell drehende Hemmungsrad liegt ebenso frei wie der Aufzug, dessen rotierende Schwungmasse durch das Uhrwerk sogar von oben zu sehen ist. Die Ablesbarkeit der Uhrzeit ist skelett-typisch nicht perfekt – aber wer will das bei dem Ausblick schon…. Die Oberflächen des Uhrwerks sind optisch bodenständig – sägerauh, könnte man sagen. Nicht einmal der Rotor wurde verziert oder graviert, gebläute Schrauben oder Schliffe sucht man vergebens. Dennoch versprüht das Uhrwerk einen technischen Charme, der zu dem gesamten Modell passt.

© Thomas Gronenthal

Das Edelstahlband wurde ebenso schwarz beschichtet, die Doppelfaltschließe ist mit Drückern ausgerüstet. Der Komfort ist hoch, die Verarbeitung gut. Jedes Glied besteht aus zwei Teilen, die fest verstiftet sind. Zur Längenanpassung verfügt das Band über Splinte, keine Schrauben.

Die Doppelfaltschließe mit Entriegelungsdrückern. © Thomas Gronenthal

Watchthusiast-Fazit:

Die Fiyta Photographer kostet aktuell im deutschen Webshop 329 Euro. Der Gegenwert dafür ist sehr solide. Der Exotenstatus der Marke zumindest in Deutschland und Europa ist allerdings auch nicht zu leugnen – wenn ich mir jedoch die wachsende Zahl von völlig unbekannten Microbrands ansehe, dann kann ein großer Hersteller mit einem unbekannten Namen wohl kaum weniger Chancen auf Marktanteile in diesem umkämpften Segment haben. Ich werde ein aufmerksames Auge auf die Marke haben, zumal das Einsteigersegment unter 200 ebenfalls mit interessanten mechanischen Uhren abgedeckt wird. Aktuell werden neben dem Webshop auch noch Juweliere gesucht, die Fiyta vertreiben wollen. Von der Qualität und dem Preis-Leistungs-Verhältnis spricht nichts dagegen!

Dank des Absatzes lässt sich die Krone perfekt bedienen und greifen. © Thomas Gronenthal

 

1 Comments

  1. Eine interessante Uhr, ob der Name aber so glücklich ist… Ob Fiyta oder Fiyata oder Flatter – damit tut sich der Verbraucher hier doch etwas schwerer…

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