Review: Formex Essence Chronometer

Hands-On mit einem Prototypen

Es ist was los mit Uhren auf Kickstarter – ich habe längst den Überblick verloren, welche Marken mit welchen Werken und kunstvollen Gehäusen hier um die „Backer“ genannten Käufer ringen. In diesem Fall mache ich eine Ausnahme – zumal ich einen Prototypen testen darf, bevor am 25. September die Kampagne auf der Crowdfunding-Plattform startet. Die Formex Essence legt auch wieder – wie die schon von mir untersuchte Formex Element („Die bezahlbarste High-End Uhr der Welt“) mit einem klaren Statement los: „die beste mechanische Uhr, die jemals über eine Crowdfunding-Plattform eingeführt wurde“.

Sieht so „die beste mechanische Uhr, die jemals über eine Crowdfunding-Plattform eingeführt wurde“ aus? Tatsächlich, an dem selbstbewußten Statement ist mehr als nur ein Körnchen Wahrheit! © Thomas Gronenthal

Nachdem die Element allerdings damals von mir schon sehr gut bewertet wurde, könnte an dem Spruch doch was dran sein. Zunächst: Die Essence ist ein Chronometer, das Werk durchläuft die Chronometerprüfung bei der Schweizer C.O.S.C., der offiziellen Chronometerprüfstelle.

Und hier wird die Kickstarter-Luft dann deutlich dünner: Das bietet so kaum einer, vor allem nicht zu einem Preis von 680 US-Dollar für Frühbucher. Der Prototyp kommt wertig daher, sofort fallen einige Details ins Auge, die bei anderen Microbrands nicht zu finden sind. Neben dem hochwertigen Gehäuse mit angenehmer Größe wurde auch in die Essence der Formex-typische Federungseffekt des Gehäuses eingebaut. Wir erinnern uns an die Element: Das Gehäuse ist ein Rahmen aus Edelstahl, Werk, Zifferblatt und Lünette sind in einem geschlossenen Container aus Titan beweglich in dem Stahlrahmen gelagert. Tatsächlich nimmt die Technik den Druck vom Gelenk, wenn die Hand abgewinkelt wird. So kann der Uhrenträger den unschönen Abdruck der Krone vermeiden.

Das wunderschön dekorierte Swiss Made-Kaliber Selitta SW200-1 wurde neben den Zierschliffen und blauen Schrauben noch mit einem komplett individuellem Rotor mit verschraubtem Gewichstssegment versehen. © Thomas Gronenthal

Auch der Blick durch den Boden zeigt verführerische Details. Das Gehäuse ist verschraubt, und das Uhrwerk liegt neben den Chronometerwerten auch optisch deutlich über dem Standard. Dazu gehört der individuelle Rotor, bei dem das äußere Schwunggewicht verschraubt und nicht vernietet wurde. Hinzu kommt die restliche Verzierung – das verbaute Selitta SW200-1 ist komplett mit Schliffen und blauen Schrauben versehen. Das Werk ist baugleich zum ETA 2824-2 und wird komplett in der Schweiz hergestellt.

Die Qualität von Zifferblatt und Zeigern liegt deutlich über dem Standard. © Thomas Gronenthal

War bei der Element noch die schiere Größe von 46 Millimetern ein wahrlich schweres Thema, kommt die Essence mit angenehmen 43 Millimetern Durchmesser und einer Höhe von nur 10 Millimetern daher. Mit Lederband beträgt das Gewicht 95 Gramm. Formex arbeitet noch an einem zusätzlichen Kautschuk- und Stahlband, die für je ca. 100 bzw. ca. 165 Dollar zu haben sein werden – besonders auf das Edelstahlband bin ich gespannt, könnte es doch diese Uhr zu einem perfekten Daily Rocker machen.

Das Gehäuse ist wasserdicht bis 100 Meter, sollte es dunkel werden, hilft die Leuchtausstattung mit Superluminova, die blau eingefärbt ist. Anders als beim Prototyp wird in der Serie das Zifferblatt noch anders aussehen: Das „Formex“ und „Essence“-Logo sind eine Linie weiter unten angesetzt, berühren damit die Indexe von der 11 und 1 nicht mehr und machen das Zifferblatt ruhiger.

Das letzte Bonbon: In Kürze stehen die Variationen der Essence auch virtuell zur Anprobe zur Verfügung: in der „Formex TryOn App“ auf jedem Smartphone mit Apple iOS oder Android OS.

Ebenso genial wie das Gehäuse ist die Schließe aus Karbonfaser und Edelstahl. Eingebaut ist eine Feinjustierung für die Bandlänge – ein Extra, das sonst keine Faltschließe für Lederbänder bietet. © Thomas Gronenthal

Wer übrigens auf den Chronometer verzichten kann, erhält für weniger Geld eine Variante mit einem weniger verzierten ETA 2824-2 zum Schnapperpreis von 385 Dollar. In dieser Variante ist das Zifferblatt mit Sonnenschliff versehen und nicht minder schön. Beide Editionen – Chronometer und Standard – sind zum besonders günstigen Early-Bird-Preis auf 250 Stück begrenzt, danach wird der Preis höher ausfallen. Auf der Formex-Webseite können sich die glücklichen zukünftigen Essence-Besitzer schon jetzt registrieren und die Uhr anzahlen – auch bereits vor dem Start der Kickstarter-Kampagne. Die ersten je 250 Uhren werden noch 2018 ausgeliefert werden, die zweite Produktionscharge folgt dann im Frühjahr 2019.

Watchthusiast-Fazit: Ob Chronometer oder nicht Chronometer, diese Uhr ist nicht nur sehr hochwertig, sondern auch noch unverschämt günstig. Formex hat das Versprechen, im direkten Vertrieb beste Preise zu machen, absolut eingehalten. Und hinzu kommen die zahlreichen Details, mit denen die Essence auftrumpft. Wie auch schon bei der Formex Element liegen Einzelheiten wie die Gehäusefederung, die hochwertige Schließe, die Details rund um Zifferblatt und Zeiger deutlich über dem Branchenstandard in einer Preisklasse bis zu 1.000 Euro und selbst darüber hinaus. Beide Modelle – Chronometer oder die nicht zertifzierte Uhr – sind zu dem Early Bird-Preis und auch später ein Schnäppchen. Das Herz entscheidet sich für die Uhr, der Verstand für oder gegen das Chronometerzeugnis.

Hier der direkte Link zur Formex Essence.

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