Review: Lebois & Co Avantgarde Date

Wer möchte Teilhaber einer Uhrenmarke werden?

Lebois & Co, gegründet 1934, eingeschlafen 1972, wurde als Uhrenmarke im Jahr 2015 durch den Niederländer Tom van Wijlick wiederbelebt. Für den Neustart gab Kickstarter den passenden Rahmen, und die Avantgarde genannte neue Uhr wurde ein Erfolg und erzielte in drei Kampagnen mehr fast 200.000 Euro Einlage der Kickstarter-Gemeinde.

© Thomas Gronenthal

Seit kurzem bietet Lebois & Co eine weitere Möglichkeit der Teilhabe: Uhrenfreunde können fünf verschiedene Aktienpakete kaufen, erhalten die Uhren damit günstiger und besitzen zukünftig einen Teil des Aktienkapitals des Unternehmens. Das Modell hat eindeutig mehr Reiz als Kickstarter, geht es doch deutlich über eine reine Vorfinanzierung eines Produktes hinaus. Wer sich also für die Aktienpakete zwischen 600 und 50.000 Euro interessiert, kann sich hier weiter informieren. Geplant sind einige spannende Projekte – unter anderem ein Vintage-Chronograph auf den Spuren der Lebois-Historie.

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Die dritte Variante der Avantgarde ist erwachsen geworden – und das bezieht sich nicht auf die Größe! An der hat sich zum Glück nichts verändert, das Edelstahlgehäuse hat immer noch einen Durchmesser von überaus angenehmen 40 Millimetern bei einer Bauhöhe von 10,5 Millimetern. Das ist ein Idealmaß für eine Dresswatch, eine elegante, dennoch sportliche Uhr, die eigentlich nie ausgezogen werden muss. Mit einer Wasserdichte von 100 Metern erfüllt die Uhr alle Anforderungen, die der Alltag stellen kann. Die Krone ist nicht verschraubt, aber durch einen Flankenschutz vor Stößen geschützt und zusätzlich mit dem Wappen von Lebois & Co versehen. Der Boden ist verschraubt und mit einer sehr ansprechenden, tiefen Gravur versehen. Ebenfalls eine schöne Weiterentwicklung zum Urmodell der Avantgarde!

Erwachsen geworden ist also nicht die Größe, aber die Ausstattung. Verbarg sich unter einem geschlossenen Stahldeckel bei den ersten beiden Editionen noch ein nacktes ETA 2824-2, zeigt nun ein Glasboden ein hochwertig verziertes Selitta SW 200. Das Uhrwerk ist baugleich zu dem ETA-Werk, natürlich Swiss Made, und sehr ganggenau. Die elektronische Zeitwaage ermittelt Gangwerte im Chronometerbereich – die maximale Abweichung liegt bei plus drei Sekunden bei einer Amplitude von 290 Grad. Das sind ideale Werte. Anders als das ETA-Werk der ersten neuen Modelle ist auch die technische Ausstattung höherwertig: Die verbaute Unruh entspricht dem Chronometerstandard, und für Auge und Sinne sind die Brücken und Kloben mit einem Zierschliff versehen. Gebläute Schrauben und der gravierte sowie mit Genfer Streifen versehene Rotor runden das Bild ab.

© Thomas Gronenthal

Das Sahnestück der Uhr ist das Zifferblatt mit dem außergewöhnlichen Zeigersatz. Statt hier auf Katalogware zurückzugreifen, ist das Gesicht der Uhr ein individueller Entwurf. Es ist nicht nur gut ablesbar, sondern fällt optisch aus dem Rahmen – und das positiv. Die farbigen Akzente durch den Sekundenzeiger sowie die rot gedruckte „60“-Markierung wirken sportlich, die Minuterie ist hervorragend ablesbar. Auch die Zeiger sind gelungen: Die Länge ist perfekt, das Auge am kurzen Ende der Sekunde ist ebenso ungewöhnlich und ein optischer Reiz. Die Indexe sind aufgesetzt, ein Kranz mit einem vertieften Schliff erinnert an eine Schallplatte. Die Fertigung ist sauber und hochwertig, Stunden- und Minutenzeiger tragen Leuchtmasse. Leider aber nur die Zeiger: In der Dunkelheit ist die Ablesbarkeit dadurch erschwert. Leuchtende Bezugsmarkierungen auf dem Zifferblatt würden helfen. Die Datumsscheibe ist werksseitig weiß mit schwarzem Druck – ich persönlich würde eine schwarze Scheibe mit weißer Schrift verbauen.

© Thomas Gronenthal

Das Armband kommt von einem deutschen Zulieferer und ist von hoher Qualität, verschlossen wird es mit einer Butterfly-Faltschließe mit Drückern. Beide Bandenden sind verschraubt. Das ist zwar aufwendiger im Fall eines Bandwechsels, gibt aber auch mehr Sicherheit. Apropos Bandtausch: Lebois & Co liefert zwei Bänder mit – in schwarzem sowie braunem Büffelleder.

 

Watchthusiast-Fazit: Die auf 100 Exemplare limitierte Uhr schlägt mit 1.800 Euro zu Buche. Dafür gibt es eine Uhr, die hervorragende Trageeigenschaft hat, sehr genau arbeitet und wertig verarbeitet ist. Vor allem das aufwendige und ungewöhnliche Zifferblatt- und Zeigerdesign zeigen, welcher Aufwand in die Uhr geflossen ist – das lässt dieses Produkt positiv aus der uniformen Masse der Microbrands hervortreten. Hinzu kommt eine spannende Geschichte der Marke und ein engagierter Neugründer, der Uhren aus Leidenschaft baut. Neben den aktuellen Modellen sind die Pläne für weitere Modelle vielversprechend – Lebois & Co geht seinen Weg und fällt hoffentlich nie wieder in einen Dornröschenschlaf!

© Thomas Gronenthal

1 Comments

  1. Eine wirklich außergewöhnliche Uhr. Ist das Gehäuse noch schlicht-normal, macht das Zifferblatt hier die Musik. Top!

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