Review: MQT Horlogère Suisse

Neuer Swiss Made-Microbrand mit exzellenter Qualität

Das Statement der Gründer von MQT Horlogère Suisse ist selbstbewusst und zeigt sofort, mit welchen Wettbewerbern es das junge Unternehmen aufnehmen will: Kein geringerer als Daniel Wellington und die zahlreichen Nachahmer sind das Ziel. Die Gründer stammen aus Bern, wo das Unternehmen sitzt und einen hart umkämpften Markt aufmischen will. Es sei „höchste Zeit, dass in diesem Segment auch qualitativ hochwertige Swiss-Made-Uhren mit einem ansprechenden und zeitgemäßen Design angeboten werden“, so das Statement von MQT-Gründer Thomas Heer. Tatsächlich sind alle Uhren der Marke mit Swiss Made-Uhrwerken von ETA ausgestattet und tragen generell den Vermerk für eine zweifelsfrei eidgenössische Herkunft.

MQT mit Zifferblatt aus Marmor. © Thomas Gronenthal

Erhältlich sind die Uhren seit Ende 2017 im Webshop unter www.mqtsuisse.com, zwei Modelle zeigen in der Review, was hinter der Mission „More Swiss for Less Money“ steckt. Aktuell sind zwei Produktlinien das Fundemant von MQT, die „Essential Collection“ sowie die „Marble Collection“. Die schlichten Essentials kommen ohne Sekundenzeiger, wahlweise mit oder ohne Datum, die Marble Collection hat namensgemäß ein Zifferblatt aus Marmor und verfügt über einen Sekundenzeiger. Gemeinsam sind den Uhren das Gehäuse aus Edelstahl sowie ein Deckglas aus Saphir.

Echter Marmor in einer hauchdünnen Schicht. © Thomas Gronenthal

Kein Wunder, das mein erster sehr neugieriger Blick dem Modell mit Marmorzifferblatt gilt. Beim Öffnen des Gehäuses fällt der geschmeidige Schraubboden auf, der für eine hochwertige Verarbeitung des Edelstahls spricht. Tatsächlich kommt unter dem massiven Stahlboden ein ETA-Quarzwerk zum Vorschein: Das hochwertige Kaliber ETA E64.101 stammt aus der Precidrive-Serie und ist nur 1,95 Millimeter hoch. Precidrive steht für höchste Präzision, mit einer Gangabweichung von +/-10 Sekunden sind die Werke etwa 8 bis 10mal präziser als herkömmliche Batteriewerke. Auch Hersteller wie Sinn, Certina und andere nutzen das Quarzwerk in ihren – wesentlich teureren Uhren. Der Stückpreis pro Werk ist wesentlich höher als sonst bei Microbrands üblich.

Eines der besten Schweizer Quartzwerke: Das ETA F06.101 in der Marmoruhr. © Thomas Gronenthal

© Thomas Gronenthal

Das spannendste ist aber das Zifferblatt. Der Marmor wurde hauchdünn auf einer Messingscheibe verklebt. Die Verarbeitung ist aufwendig, die applizierten Indexe sind durch Marmor und Metall verstiftet und nicht einfach nur aufgeklebt. Dieses Zifferblatt ist keine Arbeit von der Stange, dafür sorgen bereits die fragilen Eigenschaften des kristallinen Werkstoffes Marmor.

Die Uhr mit Marmorzifferblatt ist nicht nur ein Hingucker, sondern vor allem von außergewöhnlicher guter Qualität. Das Edelstahlgehäuse mit einem Durchmesser von 43 Millimetern ist einwandfrei verarbeitet und bis 50 Meter wasserdicht. Besonders positiv fällt das Wechselspiel zwischen gebürsteten und polierten Flächen auf. Das Armband besteht ebenfalls aus Edelstahl im Milanaise-Design, schwarz beschichtet. Auch hier ist die Verarbeitung ohne Tadel. Statt der Klappschließe würde ich mir eine Faltschließe wünschen – was aber in Anbetracht eines Uhrenpreises von 232 Euro wohl die Kalkulation sprengen würde. Schon jetzt sticht die Uhr zu diesem Preis deutlich aus den Microbrand-Modellen heraus. Das Preis-Leistungs-Verhältnis der Schweizer Uhren von MQT ist exzellent.

© Thomas Gronenthal

Eleganz in Roségold. © Thomas Gronenthal

Das gilt auch für die weniger sportliche, aber dafür umso elegantere Essential Four Gent. Die rosévergoldete Uhr ist nur 7,2 Millimeter flach, der Verzicht auf den Sekundenzeiger bringt Ruhe auf das Zifferblatt. Eine Datumsanzeige findet sich auf drei Uhr. Zur edlen Erscheinung trägt das schwarze Lederband mit Krokoprägung bei, das mit Schnellwechselstegen an dem rosévergoldeten Gehäuse aus Edelstahl befestigt ist. Die heruntergezogenen Bandanstöße lassen die Uhr noch flacher am Handgelenk wirken, der Durchmesser beträgt 41 Millimeter und kollidiert so mit keiner Hemdmanschette.  Als Uhrwerk kommt ein ETA 955.412 aus der Normflatline-Kaliberlinie zum Einsatz. Auch dieser Antrieb kommt häufig in eher hochpreisigen Quarzuhren zum Einsatz, nur sehr selten im Einsteigersegment unter 200 Euro. Der verschraubte Boden besteht aus Edelstahl und ist massiv, die Wasserdichte beträgt ebenfalls 4 Atmosphären.

Das Zifferblatt ist edel und elegant, tiefschwarz lackiert mit aufgesetzten vergoldeten Indexen. Ein nobler Anblick für eine Uhr, die weder in der Oper noch bei einer Vernissage als underdressed wahrgenommen werden würde.

© Thomas Gronenthal

198 Euro stehen auf dem virtuellen Preisschild im Internet. Ein extrem günstiger Preis für eine solide und hochqualitative Uhr aus der Schweiz, ausgestattet mit einem hochwertigen ETA-Werk.

Das ETA 955.412 in der flachen Dresswatch in rosévergoldetem Stahlgehäuse. © Thomas Gronenthal

Watchthusiast-Fazit: Zugegeben, die Zahl der Microbrands nimmt eklatant zu, damit der Anteil uniformer Uhren aus den Katalogen der großen OEM-Hersteller auch. Die Uhren von MQT haben mich daher positiv überrascht, die verwendeten Werke und die Ausführung sprechen für eine wesentlich höhere Preisklasse als der Betrag, der tatsächlich auf dem Preisschild steht. Dem selbst auferlegten Credo der „qualitativ hochwertige Swiss-Made-Uhren mit einem ansprechenden und zeitgemäßen Design“ werden diese Uhren definitiv gerecht. Und ganz „off the record“: An ein Zifferblatt aus Marmor kann man sich gewöhnen. Was auf den ersten Blick unruhig erscheiht, ist auf den zweiten Blick ein echter Eyecatcher und wird auch nicht langweilig.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*