Review: Nimbus Spektra

Nimbus: Substantiv, maskulin, bildungssprachlich für besonderes Ansehen

Es müssen mittlerweile mehr Microbrands als etablierte Uhrenmarken sein, die im Markt um die Gunst der Kunden werben. Die Argumente sind stets ähnlich: Bessere Preise durch Umgehung des Zwischen- und Einzelhandels – Microbrand-Uhren gibt es meist nur im Direktvertrieb – und viel Liebe, die in das Produkt geht. Das dies nicht für alle kleine Marken gilt, hat manche meiner Reviews bereits gezeigt. Die Nimbus Spektra aber wirkt nicht nur gefällig, sondern hat auch viele kleine Details, die für den im Hintergrund getriebenen Aufwand stehen.

© Thomas Gronenthal

Design: Klassisch und sportlich

Nordrhein-Westfalen ist weniger für Uhren bekannt, dennoch sitzt das Team von Nimbus Watches in der Landeshauptstadt Düsseldorf. Die Spektra ist der neueste Wurf der kleinen Uhrenschmiede, deren Name für besonderes Ansehen steht. Laut Hersteller ist die Spektra „unsere Interpretation von Vintage-Design angepasst an den modernen Zeitgeist und die Präzision heutiger Fertigungsschritte“. Das Design soll dabei an die 1960er Jahre erinnern, die Uhr ist zeitlos und klassisch. Das Design hat leichte Anleihen an die Rolex Explorer oder Modelle von TAG Heuer. Das äußert sich in perfekter Ablesbarkeit und klarer Optik. Das Zifferblatt ist in mattem Grau gehalten, die aufgesetzten Indexe und die schlanken Zeiger sind mit Superluminova-Leuchtmasse ausgestattet. Bei den Zeigern hätte sich ein Millimeter mehr Länge gut gemacht. Das weiße Rehaut erzeugt einen schönen Kontrast und Übergang zur Lünette. Die ist nicht wie üblich kreisförmig gebürstet oder poliert, sondern mit einem Sonnenschliff versehen. Die Kante zum Gehäusekorpus ist poliert, während das Mittelteil wieder mattiert ist. Das Gehäuse ist CNC-gefräst und besteht aus gängigem 316L Edelstahl, der auch in chirurgischen Anwendungen genutzt wird. Die Verarbeitung des Gehäuses ist gut – Bandwechslern allerdings sei gesagt, das die Bandanstöße verschraubt sind. Was zwar sicher ist, bietet aber auch ein Risiko: Wer mit dem Schraubendreher beim Bandwechsel abrutscht, produziert Kratzer. Als Deckglas kommt ein entspiegeltes Saphirglas zum Einsatz. Es ist nach oben gewölbt, unten jedoch flach, was einen leichten Lupeneffekt bei seitlicher Draufsicht erzeugt.

© Thomas Gronenthal

Die Uhr ist bis 5 Atmosphären wasserdicht, verfügt trotzdem über eine verschraubte Krone. Bei der gewählten Wasserdichte wäre eine gewöhnliche Krone auch absolut ausreichend gewesen.Das Bauteil ist hochwertig und mit dem Nimbus-Logo verziert – eines der zahlreichen kleinen Details an der Spektra, die ein angenehmes Qualitätsgefühl erzeugen.

© Thomas Gronenthal

Uhrwerk: von Hand reguliert

Der Boden hingegen ist zurecht verschraubt, und ohne Glasfenster. In Anbetracht des eher schmucklosen Uhrwerkes ist das ein Segen, zumal die Gravur des Bodes außergewöhnlich schön und gelungen ist. Als Uhrwerk kommt ein NH35A von Seiko Instruments zum Einsatz. Das Uhrwerk verfügt über beidseitigen Aufzug mit dem Magic Lever von Seiko, die Gangreserve beträgt 41 Stunden. Es kann per Hand aufgezogen werden und verfügt über einen Sekundenstopp bei gezogener Krone. Üblicherweise gehört es zu den typischen Antrieben für Microbrands und fällt nicht durch übertriebene Ganggenauigkeit auf. In diesem Fall sieht das anders aus: Beim Einschalen nimmt sich ein Uhrmacher des Werkes an und reguliert es in vier Positionen. Ein Schweizer Chronometer wird nur in zwei Lagen mehr reguliert. Darüber wird ein Protokoll erstellt und der Uhr beigelegt, und der regulierende Uhrmacher verewigt sich mit seinen Initialen innen im Gehäuseboden. Das ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal und lohnt sich: Die Gangwerte sind ausgezeichnet und liegen in allen Lagen unter + 5 Sekunden pro Tag. Erfreulich ist auch, das ein massiver Werkhaltering aus Messing dafür sorgt, das der Antrieb von Seiko satt und sicher im Gehäuse liegt.

© Thomas Gronenthal

Die Uhr kommt am Vintage-Lederband aus deutscher Fertigung, für NATO-Strap-Liebhaber ist eines in dem schönen und praktischen Leinenetui beigelegt. Beide Bänder sind hochqualitativ und tragen sich sehr angenehm.

Die Uhrmacher-Gravur im Gehäuseboden. © Thomas Gronenthal

Watchthusiast-Fazit:

Regulär trägt die Spektra von Nimbus ein Preisschild von 399 Euro, aktuell kann man sich für eine weitere Kickstarter-Runde anmelden und erhält dann die Uhr zu einem deutlich reduzierten Preis. Ein Stahlband wurde ebenfalls bereits gezeigt, das im klassischen Oysterstil sehr gut zur Uhr passt. Insgesamt ist die Nimbus Spektra eine unafgeregte, präzise und zuverlässige Uhr – ein Instrument, das die Zeit genau darstellt und dabei keine Designkapriolen vollführt. Der Preis von 399 Euro geht dabei voll in Ordnung, denn die aufwendige Regulierung muss sich im Preis niederschlagen. Und bei der Zeitwaagenprüfung ergab sich klar, wie sehr dieser Eingriff durch einen Uhrmacher aus einem millionenfach gebauten Uhrwerkstraktor einen sehr präzisen Zeitmesser machen kann. Interessant ist übrigens, das die Macher von Nimbus recht frühzeitig bereits den Schritt in das deutsche Uhr-Forum machten, um das Produkt zu zeigen und mit der kritischen Community zu diskutieren. Und dabei kam die Spektra gut weg – ein Urteil, dem ich mich nur anschließen kann: Wenn das Design gefällt – die zum Kauf nötige Qualität hat die Uhr ganz sicher.

© Thomas Gronenthal

1 Comments

  1. Hartmut Schröder 21. August 2019 um 12:22

    Gelungene Uhr! Ein schöner Kompromiss zwischen klassischen Designs. Die Gangergebnisse können sich sehen lassen!

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