Review: STOIC The Pilots Watch

Zwischen Haute Horlogerie und gelassener Ruhe: Die neue Marke von Peter Speake-Marin

Es ist reichlich frisch am Genfer See, selbst in dem Cafe, in dem ich sitze, sind die Temperaturen noch nicht auf dem Tagesmaximum angekommen. Verabredet bin ich hier mit Peter Speake-Marin und seiner Frau. Neben einigen anderen Themen aus der Uhrenwelt wird es im Gespräch um STOIC gehen.

Die STOIC The Pilots Watch. © Thomas Gronenthal

Gemeinsam mit zwei Partnern hat der Meisteruhrmacher, der eines der handverlesenen Mitglieder der AHCI ist, die Marke aus der Taufe gehoben. Es ist mehr als eine Uhr, das verrät schon der Name, und auch der Glasboden: „Nothing is ours, except time“. Dieses Zitat von Seneca, dem römischen Philosophen, Dramatiker, Forscher und Stoiker, zeigt, welche Philosophie Speake-Marin hinter Uhren sieht: Die verrinnende Zeit ist unser Eigentum, und nur das Individuum verfügt darüber. Das Grundprinzip des Stoizismus ist daher die Einübung emotionaler Selbstbeherrschung, um Hilfe von Gelassenheit und Seelenruhe nach Weisheit und Zufriedenheit zu streben.

© Thomas Gronenthal

© Speake-Marin SA (Guy Lucas de Peslouan)

Die Gelassenheit brauchte auch Peter Speake-Marin selber, denn nach seinem Abschied von der 2002 gegründeten High-End-Marke unter seinem Namen erwarteten die Uhrenkenner und Liebhaber mindestens einen weiteren Schritt in den Luxusmarkt, nicht aber eine Uhrenkollektion, die mit nur drei Modellen zu Preisen zwischen 290 und 490 US-Dollar daherkommt. Dementsprechend musste er einige Kritik einstecken, die teilweise sehr harsche Töne anschlug.

Nicht umsonst ist meine erste Frage an ihn dann auch: „Warum?“ Und die Antwort ist so einfach wie sie nur sein kann: Die Möglichkeit tat sich auf, das Preissegment gilt als Herausforderung, und vor allem: Weil er es kann.

Und die The Pilots Watch spricht für sich. Wer sich mit Herstellern und ihrer markanten Architektur auskennt, sieht auch schnell die bekannten Details eines der größten Uhrenhersteller der Welt: Seiko. Der Gehäuseaufbau entspricht dem von Seiko, und das Uhrwerk ist ein Seiko NH35. Tatsächlich baut ein Unternehmen der Seiko Instruments-Gruppe die Uhren für STOIC, und das mit respektablen Ergebnissen. Das Gehäuse mit einem Durchmesser von 38 Millimetern ist aus Edelstahl 316L und einwandfrei und hochwertig verarbeitet, vorne und hinten kommt jeweils ein entspiegeltes Saphirglas zum Einsatz. Die Wasserdichte beträgt 100 Meter, das ist ein alltagstauglicher Wert, mit dem man auch mal in den Pool springen kann. Beeindruckend in dieser Preisklasse ist das Zifferblatt: Es verfügt über mehrere Ebenen, einen sauberen Sonnenschliff, hochwertige Appliken des Logos und Schriftzuges, und sauber aufgebrachte Leuchtmasse, die im Dunklen auch einwandfrei ihrer Arbeit nachkommt. Das STOIC-„S“ findet sich auch auf der Krone, die sich einwandfrei verwenden lässt und sowohl den manuellen Aufzug wie auch das einstellen von Zeit und Datum einfach macht.

© Thomas Gronenthal

© Thomas Gronenthal

Der Antrieb der Uhr geht zurück in die 1970er Jahre und beruht auf Seikos erprobter Technik des Magic Levers zum automatischen Aufzug des Uhrwerks in beide Richtungen. Die Werke sind bekannt für lange Laufzeiten, hohe Aufzugseffizienz und nicht unbedingt chronometertaugliche Gangwerte bei meist geringeren Amplituden als die üblichen Schweizer Wettbewerber. Ein Zeitwaagetest zeigt allerdings respektable Werte zwischen hängenden plus fünf Sekunden und liegenden plus einer Sekunde bei Amplituden von liegend 260 Grad, jeweils bei nahezu Vollaufzug. Für das Seiko NH35 sind das ausgezeichnete Werte. Die Optik ist hingegen technisch-schlicht – lediglich der Rotor mit einem Zierschliff, Genfer Streifen, verziert.

Der Werkhaltering aus Plastik ist leider typisch Seiko – aus Metall würde es wertiger sein…. © Thomas Gronenthal

Getragen wird die Uhr an einem Lederband im Fliegerstil mit Nieten, es ist gut verarbeitet und legt sich optimal an den Arm. Manch Kritiker würde sich vielleicht etwas mehr Materialstärke wünschen – für mich ist das Band aber genau richtig. Die Faltschließe ist komplett mattiert und etwas scharfkantig. Hier könnte STOIC noch etwas nachlegen und auf eine besser verarbeitete Faltschließe mit Drückern ausweichen. Wiederum positiv: Das Band hat Standardmaße, und problemlos lassen sich auch andere, markenfremde Armbänder anbringen.

© Thomas Gronenthal

Watchthusiast-Fazit: Ein wesentlicher Aspekt der Uhr ist das Preis-Leistungsverhältnis. Tatsächlich ist die Uhr zu einem Preis von 390 US-Dollar inkl. Shipping zu haben. Beim Versand nach Europa ist noch die Einfuhrumsatzsteuer zu beachten, im Falle Deutschlands kommen also noch 19 Prozent hinzu. Dennoch: Doppeltes Saphirglas, je dreifach entspiegelt, ein kugelsicheres Automatikwerk, Lederband und dazu die gelassene Philosophie der Stoa: Das ist ein guter Deal für den Uhrenkäufer.

© Thomas Gronenthal

Und tatsächlich sollte man die Zeit an sich und auch die Haute Horlogerie mit all ihrer Strenge ein wenig mit Gelassenheit betrachten. Und dann macht STOIC als Marke Sinn. Neben der Pilots Watch gibt es noch zwei weitere Modelle, The Chronograph als Quartz-Stoppuhr und The Sports Watch in Bicolor mit einen Automatikwerk und zusätzlicher 24-Stunden-Indikation.

Über die weiteren Projekte von Peter Speake-Marin – wie „The Naked Watchmaker“ werde ich in den kommenden Wochen noch berichten!

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