Review: Uhren – Handwerkskunst + Unternehmergeist

Impulse-Herausgeber Nikolaus Förster stellt Buch über Uhrenmanufakturen vor

Eine Review der besonderen Art: Keine Uhr steht hier im Vordergrund, sondern ein Buch für Uhren-Afficionados. Nikolaus Förster schreibt in „Uhren Handwerkskunst + Unternehmergeist“ über ausgewählte Uhrenhersteller und ihre besonderen Geschichten. „16 der weltbesten Uhrmacher öffnen sich“ – dieses Versprechen des Herausgebers hält das Buch auch. Förster selbst ist derweil kein unbeschriebenes Blatt – weder journalistisch noch uhrentechnisch. Mit monatlich mehr als 70.000 verkauften Heften ist „impulse“ Deutschlands führendes Magazin für Selbstständige und Mittelständler und wurde von Förster 2013 in einem Management-Buy-out übernommen. Uhren sind sein Thema, mit regelmäßigen Unternehmerreisen in die Manufakturen dieser Welt bietet Nikolaus Förster großes Kino für Liebhaber schöner Zeitmesser.

Nikolaus Förster mit dem fertigen Werk. © Impulse Medien

Die Auswahl in seinem Buch umfasst die Hersteller Armin Strom, Audemars Piguet, Bólido, Chopard, DuBois et fils, H. Moser & Cie., Hublot, HYT Watches, IWC Schaffhausen, Louis Moinet, MB&F, ochs und junior, Parmigiani Fleurier, TAG Heuer, Victorinox und Werenbach. Auf den ersten Blick mag die Zusammenstellung willkürlich erscheinen – auf den zweiten Blick aber zeichnet jedes der Unternehmen eine besondere Geschichte oder Eigenschaft aus. Dabei hielt sich Nikolaus Förster nicht an Vorgaben wie Größe, Alter des Unternehmens oder sonstige Maßstäbe, mit denen Bücher über Uhren normal aufwarten. Neben technologischer Führerschaft zählen für Ihn auch die persönlichen Geschichten hinter den Marken oder besondere Vertriebswege und Zukunftsaussichten der Firmen und Menschen hinter den Fabriken.

Mit #MakeSwissMadeGreatAgain machte Edouard Meylan, CEO von H. Moser & Cie., auf seine Marke aufmerksam. Erst 2013 übernahm er das Ruder des kleinen, aber feinen Uhrenherstellers. Mit Modellen aus Käse oder der Hashtag-Variante als Persiflage auf Donald Trump zeigte Meylan, wieviel Aufmerksamkeit ein kleines Unternehmen aus einer übersichtlichen Branche generieren kann.

Pierre Nobs indes zählt zu den etablierten Designern der Uhrenwelt. Gemeinsam mit Simon Husslein, Industrial Designer, der lange im Studio Hannes Wettstein in Zürich arbeitete, setzte Nobs die Uhrenmarke Bólido auf. Nobs, der bereits zu seligen Ventura-Zeiten mit Husslein arbeitete, setzte in der Zusammenarbeit auf einen heute beliebten Weg der Finanzierung: Kickstarter. 287 Unterstützer trugen insgesamt 146.949 CHF bei, um dieses Projekt zu verwirklichen.

Einen anderen Weg geht Thomas Steinemann, der die älteste Uhrenfabrik der Schweiz übernommen hat. DuBois et fils zählt zu den Vorreitern des digitalen Verkaufserlebnisses. Anders als andere Marken setzte das Unternehmen bereits vor Jahren auf einen aufwendigen Webshop und degradiert damit die heute folgenden Marken zu Copycats.

Besonders spannend: Das Unternehmen hat jüngst einen immensen Schatz aufgetan – mehr als 200.000 historische Uhrwerke der besten Schweizer Hersteller, die nie benutzt wurden. Damit werden die generel streng limitierten Modelle noch ein wenig exklusiver – denn einen Großteil der Werke aus dem Schatz kann man an keiner anderen Stelle bekommen. Für das Projekt sucht Steinemann noch weitere Investoren. Bekannte Basler Persönlichkeiten wie die Erfolgs-Unternehmer Rolf Soiron und Rolf Gerber haben sich bereits beteiligt.

DuBois et fils Modell DBF 001-07. © DuBois et fils

Aber auch etablierte Marken wie Audemars Piguet und IWC kommen auf dem Weg in die Zukunft zu Wort, ebenso wie Chopard. Der familiengeführte Betrieb durchlief in den vergangenen Jahrzehnten eine immense Wandlung hin zu einer vollumfänglichen Manufaktur.

„Wer sich die Mühe macht, hinter die Fassaden zu schauen, die Macher hinter den Marken zu treffen und zu erfahren, was sie antreibt, der lernt einen wahren Schatz unternehmerischer Ideen kennen. Genau diese Kombination aus Unternehmergeist und Handwerkskunst steht im Mittelpunkt dieses Buches, das vom jahrhundertealten Familienunternehmen über Luxuskonzerne bis zu aktuellen Gründern reicht – ein einzigartiger Querschnitt.“ Diesen Worten des Autors, Nikolaus Förster, ist kaum etwas hinzuzufügen.

Ähnlich wie bei einer Uhr zählt auch bei einem Buch die handwerkliche Ausführung. Und tatsächlich hat „UHREN Handwerkskunst + Unternehmergeist“ hier einiges zu bieten. Der Einband aus starkem Karton ist skelletiert – mit Blick auf Seite 1 – und der Buchrücken ist in Leinen gehalten. Damit ist nicht nur der Inhalt und die Abbildungen wertig, sondern auch die Verpackung. Für 89,90 Euro kann das Buch online bezogen werden – in Anbetracht der anstehenden Weihnachtsfeiertage ein ideales Geschenk für Uhrenliebhaber. Als „Schmöker“ bietet sich dieses Werk zumindest besser an als jedes Standard-Uhrenbuch, in dem zum x-ten Mal die schönsten Stahl-Sportmodelle berühmter Genfer Hersteller beschrieben werden.

 

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