Rolex Oyster Datejust: Die mit der Lupe

Zu Beginn fehlt der Datejust die heute so charakteristische Lupe über dem Datum. Sie wird erst 1954, nach neun Jahren Bauzeit, eingeführt und heißt bis heute Zyklop-Linse. Zunächst ist die Datejust in Gelbgold erhältlich, später sind auch Modelle in Roségold, Stahl oder Stahl-Gold zu kaufen. Die Lünette ist im Münzrand-Design, die stärkere Riffelung kommt erst später auf den Markt. Die Uhr ist ein spontaner Erfolg – automatischer Aufzug, die hohe Ganggenauigkeit und das Datum komplettieren die Oyster zu einer hervorragenden Uhr. Die hohe Wasserdichte, die per Schraubkrone und –boden des auch Bubble-Back genannten Gehäuses erreicht wird, sorgt für anhaltenden Schutz für das Uhrwerk. Der bauchige Boden ist nötig, um das Automatikwerk mit seiner Bauhöhe aufzunehmen. Ebenfalls neu im Jahr 1945 ist das Armband – mit dem Jubilee-Goldband nimmt Rolex ein weiteres Design vorweg, welches bis heute Bestand hat. Als Weiterentwicklung das Rolex Kalibers 710 kommt das Kaliber 730 mit 17 Steinen in der Basisversion zum Einsatz. Wer eine dieser Erstzeit-Modelle der Datejust sein eigen nennt oder kaufen möchte, sollte auf einen regelmäßigen Werterhaltungsservice des Uhrwerks achten. Denn Ersatzteile sind kaum zu bekommen – auch Rolex selber kann die historischen Modelle nicht mehr reparieren. Die Preise für solche Uhren können astronomische Werte annehmen – auf Auktionen werden teilweise über 10.000 Euro aufgerufen, ein mittlerer Marktpreis kann für die 4467 nicht ermittelt werden. Ab 1957 ändert die Datejust die Silhouette – sie wird flacher und bekommt ein das neue Kaliber 1065.

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Datejust von 1953 – ohne Lupe, rotes Roulette-Datum und mit der Rolex-Krone in der älteren Form. Das Lederband dieser bei Antiquorum versteigerten Uhr ist nicht original. ©Antiquorum

Gemeinsam mit der Lupe zum Ablesen des Datums werden ab 1954 auch die ersten Damenversionen angeboten. Die Lady Datejust ist ebenfalls bis heute eines der erfolgreichsten Modelle aus dem Genfer Haus. Der Preis ist in den 50er Jahren auch heiß: Eine Datejust in Stahl mit Gelbgold und Jubilee-Band kostet 360 US-Dollar.

Im Jahr 1965 ändert sich das Kaliber ein weiteres Mal – 1570 ist nun der Code des im Detail verbesserten Uhrwerks. Ab 1972 kann die Chronometer-Zeit auch dank des Sekundenstopps präzise eingestellt werden, zwei Jahre später führt Rolex als einer der ersten Hersteller Saphirgläser ein. Damit sind die kratzempfindlichen Kunststoff-Gläser kein Problem mehr. Hier gibt es allerdings für Vintage-Freunde gute Nachrichten: Ersatzgläser sind auf dem Markt und zu bezahlbaren Preisen zu haben. Im Jahr 1977 gewinnt die Uhr noch eine wertvolle Funktion: Die Schnellschaltung für die Datumsanzeige, von Rolex marketingtauglich „Quickset“ genannt, die das manuelle verstellen der Zeitanzeige zur Datumskorrektur ersetzt.

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Ein Modell aus den 1960er Jahren, in massivem Gelbgold mit Goldband. Die Riffelünette und das Jubilee-Band zeigen deutlich, das dies eine Rolex ist. ©Antiquorum

Anders sieht das bei den Serienmodellen gemäß dem originalen Baumuster aus: Die Oyster Perpetual Datejust in Stahl oder Stahl mit Weißgoldlünette, dem eigens für die Uhr entworfenen Jubilee- oder dem ebenfalls erhältlichen Oysterband zählt zu den wertstabilen Klassikern. Uhren aus den 70er/80er Jahren, mit Gebrauchsspuren und meist mindestens einer erfolgten optischen Überarbeitung, sind mit Glück unter 1.500 Euro zu haben. Bei gebrauchten Uhren ist darauf zu achten, wie schlank die Gehäuseflanken bereits sind. Durch Schliff und nachfolgende Polituren aufgrund von Kratzern büßen die Gehäuse an Taille ein – ein Mangel, der den Preis drücken sollte. Für die Uhrwerke der späteren Modelle ist auch die Versorgung mit Ersatzteilen gesichert, ebenso wie die Möglichkeit, Zeiger, Zifferblätter und Armband oder sogar Gehäuseteile zu tauschen. Auch ein Klassiker ist die Datejust in Bicolor – Stahl mit Gelbgold. Hier leiden vor allem die Mittelglieder der Jubilee-Bänder, der von Rolex bekannte Stretch entsteht. Ersatz ist sehr teuer, Reparaturen sind jedoch möglich. Der Umstieg auf ein Lederband ist ebenso möglich – die Metallbänder leiden meist mehr als die Gehäuse selber. Deutlich teurer und weniger beliebt sind Datejust-Modelle in Gold, die auf Wunsch auch mit dem Präsident-Band der deutlich teureren Day-Date zu haben waren. Hier liegen die Preise ab 3.000 bis knapp an die 10.000 Euro, allerdings sollte der Zustand von Uhr und Band genau betrachtet werden. Ein günstiger Einkauf kann sich teuer rächen, wenn die erste Revision ansteht. Auch hier sollte auf Steinbesatz geachtet werden, der nicht original von Rolex angebracht wurde. Diese Uhren werden von Rolex nicht zum Service angenommen.

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Ein wunderschönes Model aus den 1980er Jahren. Weißgoldlünette, Jubilee-Armband und silbernes Zifferblatt. Eine Rolex zum Verlieben! ©Antiquorum

Kosmetik für die Datejust

Eine Datejust hat, wie nahezu alle Rolex-Modelle, einen hohen Wiedererkennungswert. Das Gehäuse wurde flacher, doch die Lünette und die charakteristischen Armbänder Jubilee, Oyster oder Präsident unterstreichen das. Nur wenige Sonderformen sind je erhältlich gewesen – eine davon in den 1980er Jahren mit Mondphasenindikation, oder die Thunderbird mit drehbarer Lünette. Mit der Jahrtausendwende ist auch die leicht gewölbte glatte Lünette als Alternative erhältlich. Auch die Gehäusegröße bleibt über Jahrzehnte konstant – bis zur Einführung der aktuellen Datejust II. Die Uhr wächst von 36 auf 41 Millimeter Durchmesser, zeitgemäß und immer noch elegant. Das alte Gehäuse ist weiterhin für Damen erhältlich – als Mediumgröße neben dem reinen Damenmodell mit 26 Millimetern Durchmesser. Auch das Werk ist in den letzten Jahrzehnten nur verbessert, aber nicht grundlegend erneuert worden. Mit dem Kaliber 3135 geht die Uhr in die Zukunft, ergänzt durch das 3136 mit Parachrome Bleu-Spirale mit Einführung der Datejust II. Stete Verbesserungen perfektionieren die Uhr zu dem, was sie als Kernwert ist: Ein zuverlässiger Begleiter, hochpräzise und langlebig.

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