Rolex Submariner: Die Mutter aller Taucheruhren

Ihr Design: das wohl bekannteste seiner Art. Ihr Zweck: Unglaubliche Tiefen. Ihre Funktion: Die Zeit ablesen – funktionell und verlässlich. Sie ist ein Klassiker, das Design setzte Zeichen und findet sich seitdem bei vielen Herstellern wieder. Sie ist die Mutter aller Taucheruhren – die Rolex Submariner. Nicht zuletzt die weltweit an touristischen Brennpunkten verkauften Nachbauten der Submariner adeln die Uhr zu einem Vorbild – noch nicht eingerechnet die zahlreichen Hommagen, die sich ein wenig Design entleihen und sich so im Abglanz sonnen. Zu Recht hat sie das Design einer professionellen Taucheruhr vorgegeben.

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Die Ur-Submariner von 1953, heute ein gesuchtes Sammlerstück mit dem Wert eines Einfamilienhauses. Bild: Antiquorum

1953 ist ein besonderes Jahr. In Russland stirbt Josef Stalin, in Großbritannien wird mit Elisabeth II. eine neue Königin gekrönt. Volkswagen senkt den Preis für einen VW Käfer von 4.400 auf 4.200 Deutsche Mark, und der Schweizer Uhrenhersteller Rolex stellt noch unter Gründer Hans Wilsdorf eine Uhr für den praktischen Taucheinsatz vor. Deutlich unter 1.000 Deutschen Mark liegt der Preis damals für die Uhr mit schwarzem Zifferblatt, Edelstahlgehäuse und erstmals einer drehbaren Lünette mit Leuchtmarkierung. Diese Merkmale zeichnen die Funktionalität der Uhr aus, ebenso die seit damals charakteristischen Mercedes-Zeiger. Zifferblatt wie Zeiger tragen starke Leuchtmasse und erleichtern so die Ablesbarkeit auch unter Wasser und in der Dunkelheit des Schlafzimmers. Das bereits in seiner Grundform wasserdichte Oystergehäuse wurde anfänglich auf eine Druckfestigkeit für den Taucheinsatz von bis zu 100 Metern ausgelegt (Referenzen 6200 und 6204). Später wurde eine Wasserdichte von bis zu 180 Meter und kurz darauf bis zu 200 Metern gewährleistet. In der Folge erlangt das Serienmodell sogar eine Druckdichte von 300 Metern. Allerdings schiebt sich die Tiefengrenze vor allem durch erfolgreiche Taucheinsätze weiter nach oben – die Technologie zur Dichteprüfung war in den 50er Jahren noch nicht sehr ausgeprägt. So lässt Rolex selber die Dichte-Vorprüfungen für die späteren Tauchexperimente mit Auguste Piccard bei der ETH in Zürich prüfen – der Eidgenössischen Technischen Hochschule.

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Die Referenz 5513 zählt zu den Klassikern, ihr Spitzname: Die Bond-Submariner. In einigen Filmen des berühmten Agenten spielt die Uhr eine wichtige Rolle. Bild: Antiquorum

Bereits im Februar 1952 wandte sich Rolex an Piccard, den damaligen bekannten Schweizer Professor für Physik. Eine Uhr sollte den Professor auf seinen weltberühmten Tauchgängen begleiten, jedoch nicht an seinem Handgelenk, sondern an der Außenhülle des Bathyscaphen bei den Tauchfahrten mit der „Trieste“.

Im September 1953 wird es wahr, und erstmals ging die Rolex Deep-Sea Special mit kugelförmigen Glas und massivstem Gehäuse auf Tauchgang. 3.150 Meter wurden damals erreicht – ein Rekord. Die Oyster blieb dicht, und trotzdem das Serienmodell wesentlich schlanker ausfiel, verfehlte die Aktion ihre Wirkung nicht.

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Referenz 16800 „Comex“: Der Aufdruck der französischen Spezialfirma für Taucheinsätze macht eine Rolex Submariner noch wertvoller. Bild: Antiquorum

Wer sich dennoch in höchste Tiefen wagen wollte, für den bot Rolex ab 1967 eine weitere Variante der Submariner: Die Sea-Dweller stellt ein besonderes Modell dar, entwickelt für das Tauchunternehmen Comex. Die französischen Spezialisten für Unterwassergerät und –operationen sind angewiesen auf professionelle Arbeitsmittel. Heute stellen die Comex-gemarkten Modelle eine Besonderheit dar – bis zu 60.000 Euro und teils deutlich mehr sind die ehemaligen Arbeitsmittel heute wert. Mit zunächst 610 Metern stellt die Sea-Dweller als Sonderform der Submariner einen Tiefenrekord für die Rolex-Serienmodelle auf, ab 1980 ist die Uhr sogar bis zu 1.220 Meter wasserdicht. Die Modelle der aktuellen Sea-Dweller Deep Sea, präsentiert im Jahr 2008, kommen erst in knapp vier Kilometern Tiefe in die Gefahrenzone des Wassereinbruchs. Getestet auf 3.900 Meter Tiefe ist die Uhr mit eine der wenigen mechanischen Uhren, die diesem Druck standhalten können. Seit der Präsentation der ersten Sea-Dweller gehört ein automatisches Heliumventil zum Kapseltauchen zur Ausstattung der Uhr. Die Atemluft in Taucherglocken wird mit Helium angereichert, was in Gasform auch in Uhren eintreten kann. Beim Druckausgleich während des Auftauchprozesses kann das Helium jedoch nicht wieder entweichen – ein Absprengen des Uhrglases wäre die wahrscheinlichste Folge. Durch das automatische Ventil kann das Helium entweichen, ohne einen Schaden anzurichten.

Zur Präsentation der Submariner 1953 zeigt sich die Uhr reduziert um manches spätere Charakteristikum: Keine Datumsanzeige unterbricht die Indexe des Zifferblattes, auch kennt die Uhr noch keinen Flankenschutz für die verschraubte Krone. 1957 wird eine umfangreiche Modellpflege vorgenommen, bei der Gehäuse und Lünette verstärkt werden. Im Jahr 1959 wird der charakteristische Flankenschutz für die Krone mit zwei Nocken ergänzt – die neue Spitzenreferenz 5512 erhält dieses Detail. Vor allem bei Sammlern sind die Vintage-Modelle bis in die 80er Jahre geschätzt und begehrt. Charismatische Merkmale wie die sanft gelblich gefärbte Leuchtmasse, verblichene Lünetteninlays und manch andere Spur eines langen Lebens verleihen diesen Uhren einen ganz eigenen Reiz und Charme. Dazu zählt auch das Plexiglas, das durch seine hochgewölbte Form mehr Wärme ausstrahlt. Erst im Jahr 1988 erfolgte die endgültige Ablösung durch Saphirglas.

1960 erreicht die Deep-Sea Special, die bereits sieben Jahre vorher erfolgreich auf 3.150 Meter getaucht war, eine neue Rekordtiefe. Auf dem Grund des Marianengrabens erreicht das Tauchboot Trieste mit dem Bathyscaphe, gesteuert von Jacques Piccard und Don Walsh, während eines Projektes der US-Navy eine Tiefe von 10.916 Metern. Auch dieses Mal ist die Rolex an der Außenhaut des Schiffes befestigt.

Die heute charakteristische Datumslupe erhält die Submariner erst Im Jahr 1966 gemeinsam mit dem Datum. Trotz des technischen Hintergrunds ist die Submariner heute zwar noch immer eine Uhr mit immensem Wiedererkennungswert – doch im harten Taucheinsatz werden die wenigsten der Uhren sein. Swimming- oder Whirlpools dürften deutlich häufiger zu den Herausforderungen zählen – dennoch ist die Submariner auch heute noch ein professionell angelegtes Instrument. Für reine Boulevard-Tiger offeriert Rolex auch Modelle in Geldgold oder Bicolor – bei Puristen meist verpönt und auf dem Gebrauchtmarkt berüchtigt für Uhrbänder mit dem besonderen Rolex-Stretch durch Verschleiss, für den vor allem die Bicolor-Modelle anfällig sind.

Das stellen auch andere Anwendungen unter Beweis, denn die Submariner findet ihren Weg auch in den Einsatz Ihrer Majestät. Der berühmteste Geheimagent der Welt trägt lange Jahre Rolex, beginnend mit Sean Connery in der Rolle des James Bond. In „James Bond jagt Dr. No“ trägt der britische Secret Service-Agent erstmals eine Rolex, natürlich eine Submariner. Zunächst trägt Bond die Uhr am Textilband, ehe in späteren Filmen das klassische Oysterband mit Tauchverlängerung in der Schließe den Weg an die Uhr findet. Später nimmt sich auch der berühmte 007-Ausstatter „Q“ den Uhren an. 1973 rettet sich James Bond gemeinsam mit seiner weiblichen Begleitung in „Leben und sterben lassen“ aus einer misslichen Situation. Hilfreich dabei der starke Magnet in seiner Rolex – und vor allem die Lünette, die auch als Kreissäge einzusetzen ist. Jahrzehnte später wird es im Filmdialog zwar heißen: „Schöne Uhr. Rolex?“, und Bond antwortet: „Nein, Omega.“ – doch die wahre Bond-Uhr wird immer eine Rolex sein. Schon in Ian Flemings Romanen trägt der Held eine solche Uhr – eines der autobiographischen Elemente, derer sich Fleming bedient: Auch er trägt Rolex aus Überzeugung.

Was für den Geheimdienst nur im Film Realität wurde, fand in Wirklichkeit für die Royal Navy statt: Sie nutzte die Submariner als Dienstuhr, die Referenzen 5513 und 5517 wurden hier eingesetzt. Mit Gebrauchtpreisen ab 3.000 Euro für jüngere Modelle liegt die Uhr zwischen Einsteiger- und Fortgeschrittenenbereich. Alte Modelle erreichen Preise von bis zu 10.000 Euro, Besonderheiten wie das Lackzifferblatt mit Patina in Form von Sprüngen erreichen meist die höchsten Preise.

Neben dem robusten Äußeren zeichnet die gängige Qualität auch das Uhrwerk aus. Verschiedene Werke, die jedoch nie explizit für die Submariner konstruiert wurden, werden im Lauf der Jahre verbaut. Bereits 1955 wurde das neue Kaliber 1030 verbaut, ein chronometerzertifiziertes Werk mit 25 Steinen, Breguetspirale und Schraubenunruh. Mit am längsten verbaut wird später das Kaliber 3135 und 3130 in der Nicht-Chronometer-Version ohne Datum – oft der Einstieg in die Welt der Submariner, der gebraucht ab 2.500 Euro meist erfüllbar ist und damit weit unter dem aktuellen Neu-Einstiegspreis liegt

2003 feiert sie Geburtstag: 50 Jahre Submariner werden gefeiert, und erstmals hält Farbe Einzug in die bisher rein schwarze Welt der Taucheruhr. Die Referenz 16610LV verfügt über eine grüne Alu-Lünette statt der traditionell schwarzen, sowie über ein Zifferblatt mit deutlich größeren Indexen. Ebenfalls gewachsen ist der Minutenzeiger in seiner Breite für das Sondermodell, das damals als Spekulationsobjekt galt. Wer das Glück hatte, eines ergattern zu können, konnte es nur Stunden später mit sattem Aufschlag veräußern. Auch heute noch werden Preise ab 6.000 Euro für die „Grüne Lünette“ in ihrer Ur-Form aufgerufen.

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50 Jahre Submariner: Die „grüne Lünette“ – Referenz 116610 LV – feiert das Sub-Jubiläum. Bild: Antiquorum

 

Die aktuellen Modelle werden seit 2008 konsequent auf das neue Design umgestellt – dazu zählt auch eine der spannendsten Innovationen der Submariner: Die Lünette aus Keramik. Lange Zeit bestand der Inlay-Ring aus eloxiertem Aluminium, das sich nicht nur mit der Zeit verfärbte, sondern auch unschöne Kratzspuren davontrug. Mit der neuen gravierten Keramiklünette findet die Submariner zu neuer Tiefe in der Optik und zudem neuer Hochwertigkeit. Es darf mit Spannung erwartet werden, was die Zukunft für diesen Klassiker noch bringt!

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Die jüngste Version in Weißgold: Das Gehäuse ist dezent gewachsen, die Einlage der Lünette besteht aus gravierter und mit Platin ausgelegter Keramik. Bild: Antiquorum

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