Ruth Belville – die Verkäuferin der Uhrzeit

Neue Marke übernimmt Londoner Stadtgeschichte

Smartphone, Auto, Bahnhof oder Computer: Die Uhrzeit können wir heute bequem an vielen Stellen ablesen. Das war nicht immer so – und brachte manch interessante Blüte hervor. Die Britin Elizabeth Ruth Belville, geboren 1854 in London, verkaufte tatsächlich die Uhrzeit an wohlhabende Londoner Bürger. Die 1943 verstorbene Unternehmerin glich dazu eine Taschenuhr – selbstverständlich einen Chronometer – mit der amtlich gemessenen Zeit (Greenwich Mean Time) im Royal Observatory in Greenwich ab. Über den Tag besuchte die Dame dann Abonnenten im Londoner Stadtgebiet, die ihre Uhren nach dem Chronometer von Ruth Belville einstellten.

© Fox Photos/Hulton Archive – Getty Images, ursprünglich abgedruckt in der Daily Express, 10. März 1908

Diese Dienstleistung wurde bereits 1836 von Ruth Belvilles Vater eingeführt und von ihr bis zum Jahr 1939 betrieben. Ruth Belville wurde aufgrund ihrer ungewöhnlichen Tätigkeit eine lokale Berühmtheit und ging als die „Greenwich Time Lady“ in die Geschichte Londons ein. Ihr Vater, John Henry Belville, arbeitete am Royal Greenwich Observatory, wo er seit 1811 dem Astronomer Royal John Pond bei Wetterbeobachtungen assistierte. Ab 1836 übernahm er die Aufgabe, die regelmäßig am Royal Observatory gemessene Uhrzeit, die Greenwich Mean Time, bestimmten Kunden wie Uhrmachern in London zu übermitteln. Zur Synchronisation der verschiedenen Uhren mit der Uhr im Royal Observatory verwendete Belville ein in Silber eingefasstes Chronometer, das 1794 von John Arnold hergestellt worden war. Später galt ihr Dienst als Anachronismus, da längst andere Uhren ebenso genau gingen – doch ein gewisser Kundenkreis blieb ihr treu.

Eine Würdigung erfuhr Belville 2008 in der vom National Maritime Museum herausgegebenen Biografie „Ruth Belville: The Greenwich Time Lady“ – und ganz aktuell durch eine Uhrenmarke, die kurz vor dem Start steht und das Motiv des Arnold-Chronometers als Thema für die Uhrenkollektion nutzt. Durch einen Besuch im Royal Observatory kam der Hamburger Axel Kmonitzek auf die Idee, die faszinierende Geschichte von Ruth Belville in einer Uhrenkollektion umzusetzen. Seit zehn Jahren baut er bereits erfolgreich Uhren wie die Pop-Pilot Fliegeruhren im modischen, aber auch Fischer & Cie. als handgemachte Maßuhr im Bereich kleiner und exklusiver Stückzahlen.

Mechanisch, edel und elegant kommt die Belville im Look der damals genausten Taschenuhr Londons daher. Als Antrieb kommt ein Selitta SW 200 zum Einsatz.

Allerdings ist die Belville nicht „Made in England“, sondern „Made in Germany“. Als Uhrwerk werden laut Hersteller verschiedene mechanische Möglichkeiten zur Verfügung stehen: In der Top-Version ein mechanisches Selitta SW 200, das in der Genauigkeit ohne Zweifel mit der historischen Taschenuhr mithalten kann. Die Optik ist überaus gelungen – ein klassischer Zeitmesser mit optimalen Proportionen. Laut Hersteller sollen die Preise zwischen 300 und 700 Euro betragen, je nach verwendetem Uhrwerk. Ganz analog zu Ruth Belville wird es die Uhren im Direktvertrieb geben. Damit stellt sich die Marke bewusst als Bindeglied zwischen gestern und heute auf – denn trotz Smartphone und Co. gehört eine mechanische Armbanduhr gehobener Qualität zu den schönen Dingen des Lebens, auf die der Verzicht schwerfallen würde.

Die Uhr wird in wenigen Wochen wohl über Kickstarter zu beziehen sein, für Schnellbesteller sogar zu besseren Preisen als die übliche Preisempfehlung. Diese Uhr und die Geschichte von Ruth Belville dürften es wert sein, hier nah am Launch zu bleiben und direkt eine Uhr zu reservieren.

 

2 Comments

  1. ich bitte um nachricht, wenn die uhren in den verkauf gehen.
    vielen dank,
    rainer dittrich

    • Thomas Gronenthal 24. Mai 2018 um 19:59

      Das gebe ich gerne an den Hersteller weiter – soweit ich weiß, kann man sich auf der Webseite auch registrieren.

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