Test: Constantin Weisz Vintage Diver

Noch eine Teleshopping-Überraschung?

Ja, ich kann es mir nicht verkneifen: Ich werfe noch einen weiteren Blick auf eine Uhr von Constantin Weisz. Während meines Interviews stellte mir der Inhaber Dirk Motz ein paar Uhren mit historischen Schweizer Uhrwerken vor. Eine davon ist die aktuelle Vintage Diver, die für 399 Euro bei QVC zu kaufen ist.

Offiziell nennt sich die Uhr „CONSTANTIN WEISZ Automatikuhr Datumsanzeige Saphirglas Textilband“, weshalb ich zu einer griffigen Formulierung greife und das Modell „Vintage Diver“ nenne. Tauchen kann man tatsächlich mit der Uhr, sie ist bis 300 Meter wasserdicht, aber sie ist natürlich keine ernsthafte Taucheruhr nach DIN. Dazu fehlen Leuchtindexe, ein nachleuchtender Sekundenzeiger, ein 12-Uhr-Marker mit Leuchtmarkierung auf der Lünette. Nachdem im allseits für die kritisch-harsche Berichterstattung bekannten Uhr-Forum meine Umbenennung auffiel, füge ich diesen Absatz hinzu.

Ein bisschen Bond: Die Constantin Weisz Diver auf Walther PP 9 mm. © Thomas Gronenthal

Nagelneu: Das Vintage-Werk

Laut Hersteller verfügt die Uhr über ein „Swiss Made“-ETA 2784 aus dem Jahr 1975. Und tatsächlich, beim öffnen des Gehäusebodens aus massivem Edelstahl kommt ein historisches ETA-Uhrwerk zum Vorschein. Es ist ein NOS-Teil, New Old Stock, und wurde im Neuzustand in den 1970er Jahren eingelagert. Vor der Verwendung ist eine komplette Überholung nötig, die hier auch vorgenommen wurde. Dafür sprechen die guten Gangwerte: Mit fünf Sekunden Vorgang auf 24 Stunden und kerngesunden Amplitudenwerten zeigt die Uhr Präzision. Der Abfallfehler ist mit 0,0 ms optimal reguliert. Lauf Aufdruck des Rotors war das Uhrwerk einst für Mido vorgesehen – bei NOS-Lagerware ist das nichts ungewöhnliches. Die technische Ausstattung ist hochwertig und liegt auf höherem Niveau als bei einem fabrikneuen ETA 2824-2 in Standard-Ausführung. Das ETA 2784 verfügt über einen Sekundenstopp, 25 Lagersteine für das Räderwerk sowie ein Kugellager für den Rotor, als besonderes Detail wurde eine Chronometer-Unruhe aus dem Material Glucydur verbaut. Auf einen Glasboden wurde zugunsten der Druckfestigkeit verzichtet. Damit bleibt allerdings auch leider der Werkhaltering aus Metall mit dreifacher Verschraubung im Gehäuse verborgen: Ein hochwertiges Detail der Constantin Weisz.

Das ETA 2784, gemerkt mit Mido. © Thomas Gronenthal

Das Gehäuse aus Edelstahl hat einen Durchmesser von 40 Millimetern, und eine Höhe von knapp 14 Millimetern. Das liegt auch an dem hohen Glas aus einseitig entspiegeltem, künstlichem Saphir, das als High-Flat bezeichnet wird und der Uhr einen weiteren Vintage-Touch verleiht. Die Lünette ist einseitig drehbar, die skalierte Einlage ist aus Aluminium. Das Gehäuse ist druckfest bis 300 Meter – was auch stolz auf dem Zifferblatt steht. Die Krone ist ebenso verschraubt. Die Bedienung erfordert etwas Kraft, vor allem beim Verschrauben gegen den Widerstand der Aufzugsräder des Uhrwerks. Trotz der 300 Meter theoretischer Wasserdichte ist die Uhr eher ein Boulevard-Diver – zumal die Stundenindexe keine Leuchtmasse haben, ebenso wie die 12-Uhr-Markierung auf der Lünette.

Der gravierte Gehäuseboden mit Limitierungs-Nummer. © Thomas Gronenthal

Das Zifferblatt ist dennoch ein Highlight der Constantin Weisz: Es besteht aus gebürstetem Metall mit einem warmen Schimmer. Die Blockindexe für jede Stunde sind aufgesetzt und ragen in das ebenfalls aufgesetzte Rehaut. Der Look ist klassisch im Stil der 1970er Jahre gehalten, dazu passend auch die Blockzeiger, die mit Leuchtmasse versehen sind. Die Verarbeitung ist tadellos und hochwertig und entspricht auch einer höheren Preisklasse als 399 Euro.

 

Das Zifferblatt mit dem Skalenring ist eine Augenweide. © Thomas Gronenthal

Ein bißchen „James Bond“

Das Armband aus Nylon wird auch NATO-Strap genannt und verleiht der Uhr ein wenig den Look aus dem James Bond-Film „Goldfinger“. Dort trägt Sean Connery eine Rolex Submariner mit einem Nylonarmband in eben diesen Farben. Die Verarbeitung des Bandes indes ist hochwertig, die personalisierte Schließe sorgt für einen optischen Touch im Vergleich zu Standard-NATO-Bändern.

Das hochwertige Band mit der Schließe, personalisiert mit dem Constantin Weisz-Logo. © Thomas Gronenthal

 

Watchthusiast-Fazit: Teleshopping hin oder her – ein seltenes, historisches Kaliber wie das ETA 2784 gibt es generell nicht an jeder Ecke. Das zeitgenössische Gehäuse, das kräftige Saphirglas und das hochwertige NATO-Strap runden die Uhr ab. Der Preis von 399 Euro ist komplett gerechtfertigt und es fällt schwer, ein Wettbewerbsprodukt in dieser Preislage zu finden. Ach ja – die Uhr ist auf 99 Stück limitiert. Es heißt also schnell zugreifen, bevor die Uhren ausverkauft sind….

 

Ein wenig Vorbild, vor allem das Band: Die Rolex Submariner aus Goldfinger am Arm von Sean Connery.

2 Comments

  1. Wunderschöne Uhr, sieht sehr stattlich aus.

  2. Das erste Mal, das mein Mann mich nicht angemeckert hat, als ich ihm wieder sowas aus dem TV geschenkt habe. Ein wirklich feines Stück, allerdings haben wir ein Lederband angebracht. Und die origonale Schließe konnte der Uhrmacher sogar ummontieren.

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