Test: Fortis – Back in the Air

Zu Lande, Wasser und in der Luft mit der Fortis Cockpit Two

Der Begriff „Fliegeruhr“ ist neben Modellen zum Tauchen einer der meistbenutzten in der Uhrenbranche und verströmt stets den Geruch nach Abenteuer. Nur wenige Hersteller halten dieses Versprechen allerdings auch ein und bieten Tradition für pilotengerechte Uhren.

Einer davon ist Fortis, einer der wenigen Hersteller, der seit seiner Gründung 1912 durchgehend Uhren produziert. Mit der Konstruktion der Weltraumuhr Spacematic im Jahr 1962 stellte Fortis nach der ersten Serien-Automatikuhr einen Zeitmesser vor, der unter extremen Bedingungen und Temperaturschwankungen problemlos funktionierte. 1998 präsentierte Fortis als Weltneuheit den ersten Automatikchronograph mit mechanischem Alarm auf der Basis des Valjoux 7750. Paul Gerber aus Zürich zeichnete für die komplexe Erfindung verantwortlich. Bereits seit 1994 ist Fortis offizieller Ausrüster des Juri-Gagarin-Trainingszentrums für Kosmonauten.

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Die Fortis Cockpit Two im natürlichen Umfeld: Auf der Rumpfklappe einer Mikojan-Gurewitsch MiG-21, einem in der Sowjetunion entwickelten einstrahligen Abfangjäger. ©Thomas Gronenthal

Auf der letzten Basler Messe stellte Fortis eine Kollektion vor, die nach einigen Eskapaden in andere Designs zurück zu den Wurzeln geht: Der Instrumentenuhr. Die Cockpit Two stellt diesen Typ sehr authentisch dar und verkörpert eine Uhr, die auf den ersten Blick die verstreichende Zeit angibt.

Zunächst die Fakten: Die Fortis Cockpit Two, Referenz: 704.21.19 L 01, hat einen Durchmesser von 41 Millimetern und wiegt knapp 80 Gramm. Das Gehäuse aus Edelstahl ist gebürstet und poliert, ein verschraubter Glasboden macht die Uhr wasserdicht bis 100 Meter. Das Deckglas aus Saphir ist doppelt entspiegelt, das Armband besteht aus schwarzem Glattleder, ausgerüstet mit einer Dornschließe mit Fortis-Logo.

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Das ETA 2836-2 in eher schmuckloser Dekoration – aber mit traumhaften Gangwerten. Die gute Verarbeitung des Gehäuses ist sicht- und fühlbar. ©Thomas Gronenthal

An der Verarbeitung des Gehäuses gibt es nichts zu meckern. Es ist hochwertig, weder scharfe Kanten noch andere Mängel trüben den Eindruck. Die Gläser sind perfekt eingepasst, der Tragekomfort ist ein Genuss. Die Uhr hat genau das richtige Gewicht und die richtige Größe, um als perfekter Begleiter im Alltag dabei zu sein. Das Lederband ist schmucklos und matt, jedoch wasserfest und weich genug, nach wenigen Tragestunden gut dem Arm zu folgen. Es hat Standardmaße, dass ein späterer Tausch gegen andere Farben oder Muster kein Problem ist. Ein besonderes Detail ist die Krone. Sie ist nicht verschraubt, erreicht trotzdem die nötige Wasserdichte und lässt sich bestens greifen und bedienen. Selten macht das Einstellen von Zeit und Datum einen solchen Spaß wie bei dieser Uhr.

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Mit Sonnenreflexen auf der Tragfläche einer Lockheed T22. ©Thomas Gronenthal

Als Antrieb kommt ein ETA 2836-2 zum Einsatz. Die Konstruktion stammt aus den 1970er Jahren und basiert auf der zuverlässigsten Werkefamilie aus der Fertigung von ETA. 28.800 A/h sorgen für einen flüssigen Lauf des Sekundenzeigers, die Anzeige von Tag und Datum in Deutsch und Englisch folgt einem instanten Schaltbefehl. Nur wenige Sekunden nach Mitternacht springen beiden Anzeigen auf den nächsten Tag bzw. das Datum. Insgesamt spricht auch dies für eine sehr hochwertige Verarbeitung und präzises Setzen der Zeiger. Wer allerdings Genfer Streifen oder gebläute Schrauben durch den Glasboden sucht, wird enttäuscht. Das ETA-Werk ist naturbelassen, lediglich der Rotor trägt die Gravur von Fortis und einen Strichschliff. Den Aufenthalt auf der Zeitwaage scheint die Uhr jedenfalls zu genießen und erreicht mühelos und in allen Standardlagen die Werte eines Chronometers. Hier wurde nicht nur ein zugeliefertes Werk eingeschalt „wie es ist“, stattdessen wird eine aufwendige Regulierung vorgenommen. Sowohl die Amplitude wie auch der Abfallfehler sind ebenso hoch bzw. niedrig, Werte wie aus dem Bilderbuch. Am Arm liegt die Abweichung bei maximal 3 Sekunden Vorgang auf 24 Stunden – ein sehr guter Wert.

 

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Das Zifferblatt ist makellos, ebenso die Zeiger – und perfekt ablesbar. ©Thomas Gronenthal

Hinzu kommt die perfekte Ablesbarkeit der Uhr. Das Zifferblatt ist in mattem Schwarz gehalten und verfügt über mehrere Ebenen. Es wirkt hochwertig und instrumentell zugleich. Mit Superluminova beschichtete Zeiger sowie eine klare 12-Uhr-Markierung machen das Ablesen im Dunkeln und bei schummerigem Licht einfach, der orangene Sekundenzeiger setzt einen professionellen Farbpunkt in die Uhr.

Ein Betrag von knapp über 1.500 Euro darf beim Erwerb der Uhr an den Händler gegeben werden. In Anbetracht der Ausführung ist das ein durchaus fairer Preis, denn die Uhr ist keine typische Ware eines Herstellers, der aus zugekauften Komponenten eine Uhr von der Stange baut. Offensichtlich sitzen in der Fertigung von Fortis nicht nur fähige Regleure, sondern generell gute Uhrmacher. Fortis is back up in the air!

2 Comments

  1. Hi Thomas,

    ersteinmal vielen Dank für den tollen Artikel. Nur eine kleine Anmerkung: Bitte verlinken Sie doch noch auf die richtige Website: fortis-swiss.com.
    Liebe Grüsse

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