Test: KAINZ von Marcello C

Preis-Leistungs-Sieger für 548 Euro

Mit Uhren ist es wie mit Kleidung: Was uns zum Kauf verleitet, ist entweder die pure Lust – oder, wesentlich seltener, ein rationales Argument. Wirklichen Bedarf haben wir selten bis nie. Bei der KAINZ ist es die pure Freude am funktionalen Minimalismus. Diese Uhr ist eine Uhr – und das macht die Schönheit des Modells aus der Hand von Marcello C-Inhaber Marcell Kainz aus. Ein Porträt der Marke findet sich hier. Im Watchthusiast-Test zeigt die Uhr auch ihre inneren Werte!

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Eine strahlende Schönheit: Das tiefschwarze Zifferblatt, das gewölbte Plexiglas machen die KAINZ zu einer eleganten Erscheinung. ©Thomas Gronenthal

Zunächst die nackten Fakten der Uhr: Das Gehäuse besteht aus Edelstahl, das Zifferblatt ist tiefschwarz und hochglänzend, die Zeiger sind in Chrom gehalten. Das gewölbte Glas trägt einiges zum Charakter der Uhr bei und besteht weder aus Mineral-, noch Saphirglas. Marcell Kainz entschied sich für bruchsicheres Plexiglas. Während Mineralglas schnell verkratzt, Saphirglas durchaus splittern kann, ist Plexiglas schlagfest und kann mit einer speziellen Politur jederzeit von Kratzern befreit werden.

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Edelstahl mit Hochglanz-Politur: Das Gehäuse der KAINZ ist einwandfrei verarbeitet. ©Thomas Gronenthal

Ein hochwertiges und butterweiches Armband aus Lammleder befestigt die Uhr sicher am Arm. Als Schließe kommt eine Dornschließe aus Edelstahl zum Einsatz.

Den Antrieb für die Zeiger verschweigt die Uhr vornehm – generell gibt sich das Zifferblatt schweigsam über die inneren Werte. Außer dem Schriftzug „KAINZ“ und einem dezenten Verweis auf die Herkunft – Made in Germany – gibt die Uhr nichts preis. Der Stahlboden ohne das sonst so obligatorische verglaste Guckloch gibt sich ebenso schweigsam. Umso überraschter ist der Uhrentester, wenn er hinter diesem Boden ein ETA 2824-2 fernab des Standards vorfindet. Bei zahlreichen Herstellern wäre wohl bei einem geschlossenen Boden die Basisversion zum Einsatz gekommen. Nicht so bei der Kainz – es ist fast schade, dieses schön aufbereitet Werk unsichtbar einzusperren. Zumal es auch mit einem Werkhaltering aus Metall eingepasst wurde, der sowohl am Werk wie im Gehäuse sicher durch Briden verschraubt ist.

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Ein ETA 2824-2 in der Vollschliff-Variante Elaboré. Selbst der Rotor ist mit dem Firmenlogo verziert, das Werk ist sicher mit einem Haltering aus Metall befestigt. Das ist in dieser Preiskategorie absolut nicht üblich! ©Thomas Gronenthal

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Zeitwaagen-Protokoll liegend, Zifferblatt unten: ein hervorragender Wert, der für ein sehr gut reguliertes Kaliber spricht. ©Thomas Gronenthal

Brücken und Kloben des ETA-Werkes sind mit Schliffen verziert, der Rotor trägt Genfer Streifen und eine Gravur des Herstellernamens. Extrem hochwertig – und sehr genau. Auf der Zeitwaage läuft das Uhrwerk mit einem leichten Vorgang zwischen vier und sechs Sekunden. Am Arm ist das Gangergebnis ebenso präzise, hier gleichen sich die Lagen aus zu einem täglichen Gang von plus drei Sekunden. Ein hervorragendes Ergebnis – hier scheint sich ein Uhrmacher der Werke noch einmal anzunehmen, bevor die Uhr zum Kunden geht.

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Alle Komponenten bieten eine ungewöhnlich hohe Qualität. ©Thomas Gronenthal

Generell hält sich die Uhr eher zurück. 39 Millimeter – manch einer wird rufen, warum die Uhr kleiner ist als die branchenüblichen Ü40 Millimeter: Die Antwort ist einfach. Weil die Uhr sich mit 39 Millimetern und einer Bauhöhe von 12 Millimetern hervorragend trägt, präsent wirkt, und sehr gut abzulesen ist. Allerdings nur bei Licht – Leuchtmasse ist weder auf Zeigern noch dem Zifferblatt zu finden.

Betrachtet man die Uhr länger, fällt die bemerkenswerte Harmonie zwischen dem hochglänzenden Zifferblatt und dem gewölbten Glas auf. Wer Bauhaus-Uhren mag, sollte sich das Design der Kainz genauer ansehen. Wer die Uhr als zu nüchtern mit schwarzem Band empfindet: Die Standard-Anstoßbreite von 20 Millimetern macht jederzeit den Wechsel auf andere Bänder möglich, auch an einem cognacbraunen Alligatorband macht diese Uhr eine hervorragende Figur.

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Im Profil: Das gewölbte Glas und die schlanke Lünette machen die Uhr elegant, die Krone trägt das Signet von Marcello C. ©Thomas Gronenthal

Nicht zu vergessen das makellos polierte Gehäuse mit Schraubboden. Dessen Dichtung ist sauber in einer Nut im Gehäuse eingelegt – ein Zeichen sorgfältiger Gehäusefertigung. Als kleines Detail liegt das Datum zwischen vier und fünf Uhr, mit einem runden Fenster, weißen Ziffern auf schwarzem Grund, und gerader Position. Auch hier wurde also in die Anfertigung einer passenden Datumsscheibe investiert.

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Wer braucht noch Bauhaus? ©Thomas Gronenthal

Wäre das ein Verkaufsgespräch, hätte ich schon lange gefragt: Und was soll der Zeitmesser kosten? Die Antwort ist knapp und dreistellig. 548 Euro.

Wie bitte? Nicht mehr? Tatsächlich – natürlich machen sich der fehlende Glasboden und das nicht verbaute Saphirglas auch im Preis bemerkbar. Dennoch, ein ETA-Uhrwerk in Elaboré, beste Gangwerte, ein hochwertiges Gehäuse und ein elegantes Design zu diesem Preis machen die Kainz einsam. Denn kaum ein anderer Hersteller bietet zu diesem Preis eine solche Uhr. Einsam muss die Kainz aber nicht lange sein: Am Arm macht sie sich am besten, ob man nun eine weitere Uhr braucht oder nicht. Es ist eben ein Lustkauf, immer wieder.

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