Test: Neues vom Kaffeeröster – Tempo D’Oro

Tchibo bietet auch 2017 interessante mechanische Uhren an

Bereits letztes Jahr verbargen sich unter den Angeboten von Tchibo zum Jahresende auch interessante Uhren – unter anderem eine Vintage-Edition mit historischem NOS-Uhrwerk. Auch in diesem Jahr bietet der Kaffeeröster Armbanduhren an. Darunter einen Chronographen mit Kalenderanzeigen für 299 Euro.

Moment – knapp 300 Euro? Für einen Chronographen mit Automatikwerk? Das ist eine Ansage. Tatsächlich kommt die Uhr wertig daher – das Gehäuse ist aus Edelstahl, und das Uhrwerk tatsächlich ein automatischer Chronograph mit Vollkalender. Das Zifferblatt ist entsprechend voll: Uhrzeit, laufende Sekunde, Stoppsekunde, -minute und 12-Stunden-Stopper, Datum per Zeiger, Wochentag und Monat – und noch eine Mondphase. Das Zifferblatt ist gut verarbeitet und mit einer Prägung in Guilloche-Optik versehen. Die Indexe sind sogar aufgesetzt und nicht geprägt – ein hochwertiges Detail, das bei diesem Preis nicht zu erwarten gewesen wäre. Die Zeiger der Zeitanzeige sind vergoldet, während die Stoppuhranzeigen blaue Zeiger haben. Statt einer thermischen Behandlung ist es jedoch nur blauer Lack – kein Mangel, sondern bei 299 Euro nicht anders zu erwarten.

© Thomas Gronenthal

Trotz der Vielzahl von Anzeigen ist die Ablesbarkeit gut, die Kontraste sind bestens. Das Layout des Zifferblatts verrät auch einiges über das Uhrwerk – und der Blick durch den Glasboden sagt den Rest: Es handelt sich um den chinesischen Nachbau des Valjoux 7751 und heisst Shanghai 3LZF19. Das Schweizer Original ist, ebenso wie das Valjoux 7750, vor Jahren bereits aus dem Patentschutz gelaufen und darf daher legal nachgebaut werden. Es arbeitet mit 28.800 A/h, ist damit ein Schnellschwinger, und ist in der Bedienung identisch zum Schweizer Original. Auf der elektronischen Zeitwaage zeigt das Werk seine Genauigkeit: In den liegenden Lagen weicht die Tempo D’Oro 15 Sekunden auf 24 Stunden ins Plus ab, in den hängenden Lagen ist der Wert ein wenig höher. Dennoch ist das für eine automatische Uhr einer Nicht-Chronometer-Preisklasse absolut alltagstauglich. Die Amplituden sind hoch, bei Vollaufzug nahe an 300 Grad, und der Abfallfehler schwankt zwischen 0,2 und 03 ms – ein ebenso guter Wert.

© Thomas Gronenthal

Das Stahlgehäuse mit 43 Millimetern Durchmesser ist massiv gefertigt, der Boden verschraubt. Die Verglasung ist aus Mineralglas, Saphir hätte das Budget mit Sicherheit gesprengt. Die Drücker sind formschöne Blockdrücker, die sich einwandfrei bedienen lassen, ebenso die Krone. Für den Alltag verfügt der Chronograph über eine Wasserdichte von 5 Atmosphären – ausreichend auch für Schwimmen und Duschen. Unverständlich ist höchstens, warum Tchibo den kompletten Firmennamen inklusive Postleitzahl und Straße auf den Boden gravieren lässt. Ob die Uhr bei Schäden einfach in den Briefkasten geworfen werden kann, oder einfach nur eine merkwürdige Produkt-Policy dahintersteckt: Man weiß es nicht. Ebensowenig wie das Versprechen auf der Tchibo-Website, die Uhr inklusive einer Batterie zu liefern, während zwei Zeilen weiter unten die Funktionsweise eines automatischen Uhrwerks erklärt wird. Vielleicht sollten die Produktmanager hier das ein oder andere Detail überdenken!

Bildschirmfoto des Originalangebotes – inkl. der Batterie als Zubehör.

 

Das Zifferblatt ist sehr gut verarbeitet – die Details sind leider auf der Tchibo-Homepage aufgrund der Qualität der Bilder kaum zu sehen. © Thomas Gronenthal

Das Lederarmband ist chromfrei gegerbt, sehr weich und hochwertig. Es trägt sich hervorragend. Dank eines Bandanstoßes mit 22 Millimetern Standardmaß können auch beliebige andere Armbänder angebracht werden.

Watchthusiast-Fazit:

299 Euro ist ein Schnäppchenpreis für einen mechanischen Chronographen mit Vollkalender. Das es für diesen Preis keinen Schweizer Chronometer gibt, sollte klar sein – aber eine Stoppuhr und die praktischen Kalenderanzeigen, alltagstaugliche Gangwerte und ein solides Gehäuse sprechen für die Tempo D’Oro. Die Uhr trägt sich zudem hervorragend, ist gut zu bedienen. Die zahlreichen Kalenderfunktionen lassen sich schnell über die Krone und einen Korrekturdrücker bei zehn Uhr für den Wochentag einstellen. Das Armband ist hochwertig und komfortabel – die ganze Uhr wirkt an keiner Stelle so günstig, wie sie wirklich ist: Eine Empfehlung für Uhrenfreunde, die sich einen Daily Rocker wünschen!

3 Comments

  1. Tchibo hat schnell reagiert, die Batterie ist nicht mehr als Zubehör aufgeführt!

  2. Sehr guter Blog Beitrag! Mich würde eure Meinung zu den mechanischen Uhren der Hausmarke Rivado von Karstadt interessieren. Optisch sagen mir einige Modelle zu. Ich habe selbst aber noch zu wenig Ahnung über die Qualität der verbauten Werke um mir eine eigene Meinung zum Preis-/Leistungsverhältnis zu machen.

    • Rivado hatte früher – und manchmal gibt es noch günstige Restbestände – Uhren mit ETA-Uhrwerk. Die aktuellen Modelle, die bei Karstadt Online verzeichnet sind, sind meist Quarzuhren bis auf zwei Ausnahmen. Ich würde mich nach anderen Modellen umsehen.

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