Test: Opa-Uhr Dugena?

Es war Mitte der 1950er Jahre, als mein Großvater eine Dugena Festa erwarb. Heute, fast 70 Jahre später, befindet sich diese Uhr bei mir weiter im Familienbesitz. Das regelmäßig überholte Durowe 422 tut seinen Dienst präzise, das mit Walzgold beschichtete Gehäuse zeigt Zeichen der Zeit. Eine echte Opa-Uhr also – und diese Assoziation dürften einige Menschen beim Klang des Namen Dugena haben.

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Dugena Festa aus Mitte der 1950er Jahre: Und sie läuft und läuft und läuft. ©Thomas Gronenthal

Es ist also Zeit, die aktuelle Dugena Festa aus der Premium-Kollektion  einmal genauer zu untersuchen.

Bereits auf den ersten Blick wirkt die Dugena Premium Festa klassisch und elegant. Anklänge an die historische Uhr aus den 50er Jahren sind deutlich zu sehen, das Gehäuse verfügt über eine schmale Lünette rund um ein gewölbtes Glas. Anders als damals besteht das Glas heute aus Saphir – deutlich härter und resistenter gegen Kratzer als das Plexiglas der originalen Uhr aus 1955!

Die geringe Bauhöhe von wenig mehr als einem Zentimeter lässt die Uhr bei einem Durchmesser von 38,5 Millimetern groß und präsent am Handgelenk wirken. Die Urversion der Festa kommt selbst auf knapp 34 Millimeter Durchmesser. Das gilt heute als Damengröße.

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Dugena Premium Festa – 70 Jahre später: Einiges hat sich getan, der klassische Charme ist geblieben. ©Marcus Heilscher

In dem 5 Bar wasserdichten Edelstahlgehäuse der aktuellen Uhr tickt ein Automatikwerk hinter dem verschraubten und verglasten Boden. Es stammt weder aus deutscher noch aus eidgenössischer Fertigung wie bei den historischen Modellen. Dugena nennt das Kaliber DP 9015: Es stammt aus Japan und wird durch den Citizen-Konzern gefertigt. 2009 kam das Miyota 9015 auf den Markt, die Qualität ist hochwertig. 24 Rubine sorgen für wenig Reibung im Räderwerk des Schnellschwinger, der mit 28.800 A/h die Schwingfrequenz der aktuellen ETA-Werke nutzt. Das Durowe 422 in der historischen Festa arbeitet mit 18.000 A/h – deutlich hör- und an den Schritten des Sekundenzeigers auch sichtbar.

Sekundenstopp und Datumsschnellschaltung machen den Antrieb der neuen Festa alltagstauglich. Das Werk ist sogar verziert – Genfer Streifen zieren die Brücken, der Rotor ist mit einer Lasergravur von Dugena versehen. Zudem ist das Uhrwerk mit einem Werkhaltering aus Metall solide im Gehäuse befestigt. Die Gangwerte sind in allen Lagen auf der elektronischen Zeitwaage wie auch am Arm mit maximal vier Sekunden im Plus gut bis sehr gut. Auch die Amplitude – Schwingungsweite der Unruh und Indikator für den Zustand des Werkes – liegen je nach Lage deutlich über 250 Grad. Der Abfallfehler liegt bei kostant 0,0 ms.

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Das Uhrwerk DP 9015 ist ein Miyota 9015, Made in Japan, und nicht nur ein Schnellschwinger, sondern auch eine sehr präzise Uhr. ©Marcus Heilscher

Die Bedienung der Krone mit Dugena-Logo ist angenehm, sämtliche Funktionen lassen sich leicht und bequem nutzen.

Das individuelle Gehäuse verdient derweil beste Bewertungen für die Verarbeitung, auch das silberne Zifferblatt ist einwandfrei verarbeitet. Eine leichte Wölbung demonstriert den Charme einer Uhr mit historischer Vergangenheit. Minuten- und Sekundenzeiger folgen mit einer Biegung am Ende den klassischen Gestaltungsvorlagen aus den 50ern. Eine Leuchtausstattung von Zifferblatt oder Zeigern fehlt jedoch komplett. Einzig das Armband ist steif und wenig komfortabel. 489 Euro kostet die Dugena Premium Festa laut Hersteller, bei Amazon ist die Uhr etwas günstiger zu haben. In Anbetracht der Qualität ist der Preis ein Schnäppchen.

Zur Baselworld hat Dugena einige neue Modelle vorgestellt, die ebenso zu überschaubaren Budgets zu haben sind. So weiß die Epsilon Automatik mit klassischen Zifferblättern zu überzeugen, für 499 Euro am Lederband und 559 Euro am Edelstahlband sind die Uhren zu haben. Die Kappa Airborne macht vor allem Freunde von Fliegeruhren an. Für 489 Euro am Lederband im Stahlgehäuse, oder 539 Euro am Stahlband ist der klassische Flieger zu haben. Auch 539 Euro kostet die Uhr mit schwarzem Gehäuse, PVD-beschichtet. Für 619 Euro ist die Uhr auch am schwarzen Edelstahlband zu haben. Insgesamt wissen die Uhren alle zu gefallen – langfristig würde ein eigener Rotor das Werk noch aufwerten. Der zwar gravierte, aber sonst naturbelassene Rotor des 9015 wirkt etwas trist hinter dem Glasboden.

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©Dugena

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9 Comments

  1. Detlef Schulenburg 5. März 2017 um 18:53

    Hallo Herr Gronenthal,
    ich habe mir das Automatikwerk der neuen Dugena jetzt genau angesehen. Das ist das gleiche Werk wie in meiner Kronsegler J.W. v. Goethe Uhr. Klasse Gangwerte und ein seidenweicher Sekundenzeiger Lauf. Er gleitet ohne Zuckeln, wie ein ETA 2824/2 Werk. Dieses japanische Automatik-Werk kann man wirklich empfehlen. Scheint dem ETA Werk in nichts nachzustehen. Da bin ich mit meinem Kronsegler Preis mehr als zufrieden.
    Aber in der Dugena Premium Festa ist das Werk auch verbaut und kostet fast 500,- €.
    Gruß
    D.S.

  2. Detlef Schulenburg 5. März 2017 um 19:21

    Nachtrag: Es stellt sich natürlich schon die Frage? Wenn das Werk nur um die 20,- € kostet, warum die Dugena dann ca. 500,- € kostet?

    (Generell werden in den Uhren von Kronsegler zum größten Teil Werke aus Japan verwendet, vom Hersteller Miyota. Diese sind auch in Uhren der Klasse unter 100 bis 150 Euro zu finden, und kosten im Einkauf in der Regel weniger als 20 Euro/Stück.)

    • Da haben Sie etwas falsch verstanden. Das Miyota 9015 kostet im Einkauf mehr als 20 Euro. Dieser Betrag bezieht sich auf die chinesischen Werke, die bei den meisten der Teleshopping-Marken verwendet werden. Das Miyota 8215 hingegen ist wesentlich günstiger und wird auch bei zahlreichen Marken verwendet. Zwischen beiden Werken liegen jedoch 30 Jahre Entwicklungszeit.
      Ein Miyota 9015 liegt im Einkauf bei ca. 90 Dollar, und im Fall der Dugena kommen noch weitere Details hinzu, die einen höheren Preis rechtfertigen. Das gewölbte Saphirglas z.B., das sehr hochwertig gefertigte Gehäuse, auch das Zifferblatt und der Zeigersatz. Hier gibt es beim Einkauf eklatante Unterschiede in den Einzelpreisen. Da bei Dugena Heinz W. Pfeifer, der ehemalige Inhaber von Glashütte Original verantwortlich zeichnet, sind die Komponenten sehr hochwertig und werden noch einer umfassenden Kontrolle bei der Produktion unterzogen. Insofern sind da schon Unterschiede, trotzdem ist es toll für Sie, dass Ihre Kronsegler günstig und genau ist.

      • Detlef Schulenburg 7. März 2017 um 10:31

        Nur zur allgemeinen Aufklärung über Kontrolle!
        Kontrolle ist gut, aber Qualitätssicherung ist besser. Denn wo die Qualitätssicherung versagt, also die Prozesse nicht stimmen, kann auch das Produkt nicht stimmen, da sollte eine 100 % Kontrolle immer durchgeführt werden. Die kostet dann natürlich viel Geld.
        Wenn nicht, wird man bei einer Zertifizierung bzw. einem System Audit mit Sicherheit durchfallen. Ich weiß, dass klingt klugscheisserisch, ist aber so!
        Gruß
        D.S.

        • Ich verstehe auch nicht komplett, was dies nun mit den Uhren verschiedener Hersteller zu tun hat. Eine Gangkontrolle mit Regulierung, die ich in-house durchführe, kostet Zeit und Geld. Ein Uhrwerk, das ich erhalte und einschale, kostet weniger Geld und Zeit. So einfach ist die Regel.

  3. Detlef Schulenburg 6. März 2017 um 14:30

    Hallo, hier eine Kopie Ihres Wortlautes:
    Thomas Gronenthal
    12. Oktober 2016 um 11:52
    Antworten
    Auch im Fall von Kronsegler ist der Schein schöner als das Sein. Diese Uhren werden nicht in Glashütte hergestellt, dieser Ort dient lediglich als „gute Adresse“. Generell werden in den Uhren von Kronsegler zum größten Teil Werke aus Japan verwendet, vom Hersteller Miyota. Diese sind auch in Uhren der Klasse unter 100 bis 150 Euro zu finden, und kosten im Einkauf in der Regel weniger als 20 Euro/Stück.

    Also habe ich richtig wiedergegeben 20,- €. Also nichts falsch verstanden. Evtl. falsch geschrieben?
    Ich wollte nur richtigstellen, sonst meint nämlich der Leser, die Werke in den Kronsegler Uhren kosten wirklich nur 20,- €.

    • Sie müssen schon die Kalibernummer beachten – ich habe in meinem Beitrag wie oben zitiert keine Kalibernummer genannt. Und im Großteil der Kronsegler ist ein sehr preisgünstiges Miyota 8215. Siehe auch hier, oder hier.

      Laut Kronsegler beträgt der Preis für diese Uhr über 500 Euro, und deutlich sichtbar handelt es sich um das Kaliber 8215, das 1977 konstruiert wurde und ein sehr preiswertes Werk ist.
      Das Miyota 9015 kommt leider nicht bei allen Uhren zum Einsatz. Aus Ihrem Beitrag konnte ich nicht sehen, welches Werk Sie haben.

      In Summe stehe ich zu dem, was ich schreibe: Es ist eine Vorspiegelung falscher Tatsachen. Jedes Miyota-Werk, so gut es auch sein mag, hat nichts mit Glashütte zu tun. Und daher würde eine solche Uhr für mich nicht in Frage kommen – dann lieber eine Dugena, die ehrlich ist und nichts vorgibt zu sein, was sie nicht ist. Das muss aber jeder Uhrenkäufer für sich wissen.

  4. Detlef Schulenburg 6. März 2017 um 19:12

    – dann lieber eine Dugena, die ehrlich ist und nichts vorgibt zu sein, was sie nicht ist.
    Dugena -Made in Germany- mit Miyota ist nicht viel besser als Kronsegler und ein Büro in Glashütte.
    Da kauf ich mir einen Chinesen, da ist mit Sicherheit ein Chinese drinn! Lach, lach….

    • Jetzt freuen Sie sich doch über Ihre Kronsegler, aber bitte zwingen Sie nicht meine Leser, sich Ihnen dringend anschließen zu müssen. Es sind alles Uhren, der Geschmack und Geldbeutel entscheidet über den Kauf. Wer lieber unbekannt trägt, gerne, wer lieber ein Image kauft, auch gerne, und wer Wertigkeit mit Werterhalt kauft – ebenso gerne!

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