Test: Raoul U. Braun von 1-2-3.tv

Eine überflüssige Unruh und unsichtbare Zeiger

Schon lange hat sich 1.2.3.tv einen Namen als Konzessionär zahlreicher absolut unbekannter Uhrenmarken gemacht. Ein der Ältesten darunter ist Raoul U. Braun. Die Homepage von Raoul U. Braun macht Lust auf mehr:

Die Liebe zur Uhrmacherei liegt bei Raoul.U. Braun in der Familie. Inspiriert wurde der Gründer und Inhaber durch einen seiner Vorfahren, der bereits im späten 18. Jahrhundert im Odenwald die Uhrmacherkunst bereicherte und dazu beitrug, dass die deutsche Uhrmacherei sich auch im Weltmaßstab nicht hinter den Schweizer Nobelmarken verstecken muß.

Die Raoul U. Braun RUB 05-0282 verfügt über ein mehrschichtiges Zifferblatt mit intensivem Einblick in das Uhrwerk. Und das ist ausgestattet mit zwei Unruhen, die beim Betrieb für eine besondere Genauigkeit sorgen sollen. Aktuell kostet diese Uhr in vergoldeter Version auf der Website des Teleshopping-Senders 131,18 Euro als Angebot, statt der Preisempfehlung von 174,90 Euro. Ein Schnäppchen?

Auf den ersten Blick fällt auf, dass die Zeitanzeige bei dieser Uhr die niedrigste Priorität genießt. Die silbernen Zeiger sind nahezu unsichtbar. © Thomas Gronenthal

Deutsche Uhrmacherei ist hier allerdings keine zu finden – die Uhr wird in einer der großen OEM-Fabriken in China gefertigt. Hier kann der Kunde aus dem Katalog auswählen, die Uhren werden dann mit dem gewünschten Markennamen versehen. Das hochindustriell gefertigte Uhrwerk „Made in China“ stammt aus der Shanghai Watch Factory, trägt die Bezeichnung S05 und wird vom Hersteller selbst als „dual imitate tourbillon“ bezeichnet. So ganz will das nicht dazu passen, wie sich Raoul U. Braun in der Selbstdarstellung sieht: „Damit versteht sich die Marke Raoul.U. Braun als Botschafter für Menschen mit ausgeprägtem Sinn für eine wertbeständige Verbindung aus überlieferter Handwerkskunst (…)“ (Zitat Homepage)

Das Werk ist mit Perlschliff verziert, der Rotor mit dem Markennamen graviert. Der Werkhaltering aus Metall wertet die Uhr auf – die chemisch anstatt thermisch gebläuten Schrauben allerdings nicht. © Thomas Gronenthal

Eine Messung der Präzision auf einer elektronischen Zeitwaage ist zunächst nicht möglich. Das Messgerät, das die Geräusche einer mechanischen Hemmung ausliest, wird durch die beiden Unruhen irritiert. Zu einer sauberen Messung der Präzision mit einer elektronischen Zeitwaage muss die linke der beiden sichtbaren Unruhen angehalten werden – denn nur die rechte Unruh ist entscheidend für den Antrieb der Zeiger. Die Uhr läuft also unbeirrt weiter, während das Mikrofon der Zeitwaage das Signal auswertet.

Die Abweichung beträgt fast 40 Sekunden am Tag, der Abfallfehler ist mit 0,5 ms ebenfalls sehr hoch. Hier wurde nur unzureichend reguliert während der Produktion dieses Zeitmessers. In den verschiedenen Lagen – liegend oder hängend – schwankt zudem die Amplitude zwischen 210 und 280 Grad bei Vollaufzug des Werkes. Allerdings gibt selbst die Shanghai Watch Factory eine Toleranz von +/- 45 Sekunden / 24h an – insofern liegt dir Uhr innerhalb der Toleranz nach chinesischem Maßstab…..

Einmal ohne Rotor, bitte. © Thomas Gronenthal

Die zweite Unruh ist nach weiterer Untersuchung des Uhrwerks reiner Schmuck und absolut überflüssig. Es findet keine Synchronisierung der beiden Unruhen statt – was technisch auch bei diesem Aufbau überhaupt nicht möglich wäre. Echte Luxusmarken wie F.P. Journe verwenden zwei Unruhen zur Synchronisierung des Räderwerkes auf höchste Genauigkeit – bei der Raoul U. Braun dienen die beiden sichtbaren Unruhen nur dem Auge des Betrachters.

Gehäuse und Verarbeitung: Gut

Wo viel Schatten ist, findet sich aber auch Licht. Beim Öffnen des verschraubten Glasbodens fällt der solide Werkhaltering aus Metall auf, sowie der Perlschliff auf dem Uhrwerk. Auch ist die Verarbeitung des Gehäuses aus Edelstahl gut, die Wasserdichte wird tatsächlich mit 5 ATM erreicht. Oben und unten wurde ein Mineralglas sauber eingepresst, das Deckglas ist bombiert und wölbt sich über dem Zifferblatt.

Krone mit Schmuckstein und Perlschliff. © Thomas Gronenthal

Das Gehäuse aus Stahl hat einen Durchmesser von 43 Millimetern bei einer Höhe von 13 Millimetern, am Arm befestigt wird die Uhr mit einem Echtlederband mit aufgeprägtem Kroko-Design. Das Band trägt sich angenehm und ist gut verarbeitet. Die Dornschließe ist ebenso sauber verarbeitet und aus Edelstahl. Beim Gehäuse fallen zwei Details auf: Rundum ist ein Perlschliff aufgebracht, die Krone ist mit einem blauen Schmuckstein verziert.

© Thomas Gronenthal

Nach dem Licht folgt doch wieder Schatten: Das winzige Zifferblatt, auf dem die Zeit abgelesen werden kann, ist goldfarben, während die zwei kurzen silberfarbigen Zeiger für Stunden und Minuten kaum ausreichen, um die Zeit ohne starke Sehhilfe zu erkennen. Die Ablesbarkeit ist schlecht, lediglich der zentral gesetzte und rot gefärbte Sekundenzeiger ist einwandfrei ablesbar.

Am Gehäuse gibt es wenig Kritik – die Verarbeitung ist gut. © Thomas Gronenthal

Watchthusiast-Fazit:

Im Vergleich zur PortaS Görlitz schneidet die Raoul U. Braun wesentlich besser ab. Gehäuse, Armband und Verarbeitung wie auch die Dekoration des Uhrwerkes sind der Preisklasse angemessen. Dennoch muss man sich die Frage stellen, was eine Uhr mit derart vollmundiger Werbung, einer nutzlosen zweiten Unruh und einer unterirdischen Ablesbarkeit tatsächlich an Nutzwert oder Werterhalt bietet. In einem ähnlichen Preisbereich lassen sich auch mechanische Uhren von Seiko oder Citizen finden, die zwar keine doppelte Unruhe, aber dafür gute Gangwerte und einwandfreie Lesbarkeit bieten – und von bekannten Firmen mit weltweiter Servicestruktur angeboten werden.

1 Comments

  1. Hallo, meine RUB 05-0276 SS-w-bl trage ich seit einem Jahr täglich. Sie war im August 2016 mit mir im Mittelmeer. Sie hat bisher keinerlei Kratzer oder stumpfe Stellen. Über Nacht liegt sie und hat auch nach 12 Stunden noch eine Gangreserve. Die blauen Zeiger sind gut ablesbar und besonders wichtig für mich die Lupe über dem Datum. Habe die Uhr bei 1-2-3.tv im Sofortkauf für 117,-€ gekauft. kann nichts nachteiliges sagen.

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