Wunderwelt Microbrands

In den letzten Monaten scheint die Uhrenwelt ein wenig Kopf zu stehen. In Foren wird diskutiert und bestellt – kicken gehört zum Handwerk. Kickstarter, die Plattform für Crowdfunding, hat sich zum veritablen Marktplatz für individuelle Armbanduhren entwickelt, die allerdings erst noch gebaut werden müssen. Beim Crowdfunding investieren interessierte Menschen einen überschaubaren Betrag in ein Produkt oder Unternehmen. Wenn genug Geld gesammelt ist, legen die Uhrmacher und Maschinen los. Vorher nicht.

Microbrands werden die Marken genannt, die aktuell aus dem Boden schießen wie Pilze in einem feuchten Herbst. Fast 100 werden in einschlägigen Foren bereits diskutiert und aufgelistet. Viele kommen aus den USA, dem Mutterland der Schwarmfinanzierung, einige sitzen aber auch in Europa und Asien. Zum Einsatz kommt dabei fast alles – Schweizer Uhrwerke, oder auch Kaliber von Miyota. Ein eigenes Werk hat sich noch keiner der Mikromarken getraut, wenngleich dies bei den teilweise schwindelerregenden Finanzierungen eine Frage der Zeit scheint.

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Die Visitor Duneshore – eigenständig und gefällig, ab 650 Dollar, je nach Bandwahl. ©Visitor Watch Co.

Wenig Stückzahl, meist limitiert, außergewöhnlich und dennoch bezahlbar. Eine durchschnittliche Microbrand-Uhr kostet um die 500 Euro, und ist selten. Was treibt nun den Käufer, aber auch Investor in solche Unternehmen? Zum einen erhält man als Förderer die Uhr natürlich zu einem besonderen Vorzugspreis. Zum anderen bekommt man eine Uhr, die selten ist und damit exklusiv. Was im Übrigen auch eines der Hauptargumente zum Verkaufsstart der Apple Watch war: Hoher Wiedererkennungswert bei gleichzeitiger Seltenheit. Eine Rolex ist ein Massenprodukt und entsprechend häufig vertreten – trotz des hohen Einstiegspreises.

Die Features sind ähnlich – in der Preisklasse bis 200 Euro kommen Quartzwerke zum Einsatz, Edelstahlgehäuse und Saphirglas sind Standard, individuelles Design sowieso. Um Zulieferbetriebe aus Asien kommen die Hersteller bei der knappen Kalkulation kaum herum, allerdings muss das kein Nachteil sein. Jede Qualität kann von dort geliefert werden. Ab 300 Euro kommen die ersten japanischen Automatikwerke zum Einsatz, und für wenig mehr Geld auch Sellita oder andere Swiss Made-Antriebe. Eine Ausnahme stellt die Schweizer Marke DuBois et fils dar, die ebenfalls per Crowdfunding einen Neustart wagte. Die älteste Uhrenfabrik der Schweiz baut allerdings Uhren im Preisbereich zwischen 5.000 und 10.000 Schweizer Franken.

Zu allen dieser Brands gehört eine Story, zu Design und Entstehung – das Marketing schläft nicht. Statt teurem Markenbotschafter sind die Inhaber, Gründer und Enthusiasten selber die Botschafter. Vielleicht spricht der Trend aus, was die Branche kaum wahrhaben will: Der Markt an etablierten Luxusuhren, die von Tennis-Stars, Musikern oder Rennfahrern für teures Geld beworben werden, könnte seine Sättigung in manchen Ländern erreicht haben. Wer die Rolex schon hat, schaut sich nach etwas wirklich exklusivem um. Und eine Uhr, die nur an einer sehr begrenzetn Menge Handgelenke baumelt, mag da den Geschmack treffen.

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SEALS: Uhren aus Kalifornien, mit japanischem Miyota 9015 und einer sehr eigenständigen Optik. Das Gesamtpaket mit zwei Bändern kostet 675 Dollar. ©SEALS Watch Co.

Innovationspotential steckt zudem in den Mikro-Marken. Einige der Uhren überraschen durch Eigenständigkeit im Design wie auch der Ausführung und bieten tatsächlich einige Alleinstellungsmerkmale. Die Augen sollten also offen bleiben, was die Crowdfunding-Startup-Gemeinde noch hervorbringt.

Hier einige Beispiele für prominente Kampagnen, die erfolgreich verliefen oder noch laufen:

Cobra de Calibre Crossfire

LIV – Swiss Watches

SEALS

Visitor Watch Co.

Lebois & Co.

1 Comments

  1. Crowdfunding kann für solche Projekte genau das richtige sein. Mit der richtigen Idee konnten dadurch schon tolle Projekte realisiert werden und auch das Interesse der finanziellen Unterstützer wächst immer weiter an.

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