Interview: Lebois & Co.

Ein Blick ins Blaue

Nach dem Erfolg der ersten Re-Launch-Edition von Lebois & Co. – siehe auch den Übersichtsartikel zu Microbrands und den Einzeltest der ersten Uhr – steht nun die zweite Uhr in den Startlöchern. Auch dieses Mal geht der Re-Founder der Marke, Tom van Wijlick, den Weg des Crowdfunding über die Plattform Kickstarter.

Nach der Version mit silbernem Zifferblatt erhält die neue Uhr bei unveränderter „Hardware“ ein Saphir-blaues Zifferblatt. Auch die zweite Uhr wird auf 100 Uhren limitiert sein. Für die Unterstützer der Crowdfunding-Kampagne liegt der Einstiegspreis bei 975 Euro – sofern man eine Uhr haben möchte. Noch bis Mitte April läuft die Kampagne, zwei Drittel der Uhren sind noch zu haben. Noch – die Erfahrung der ersten Uhr zeigt, das diese Stückzahl sehr schnell vergriffen sein kann.

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Nach mattem Silber-Finish kommt die neue Lebois & Co. auch in Blau – das Zifferblatt ist definitiv das Highlight der Uhr. ©Hersteller

Neben jenen „Backern“ – also Unterstützern im Crowdfunding – die eine Uhr haben möchten, können auch kleinere Summen investiert werden. Mit verschiedenen Geschenken revanchiert sich der Hersteller.

Den Launch der zweiten Kampagne habe ich für ein Gespräch mit Tom van Wijlick genutzt.

Tom, Du bist der „zweite“ Gründer von Lebois & Co. Wie bist Du auf die Idee gekommen, eine alte Uhrenmarke wiederzubeleben?

Vor zwei Jahren fand ich und meine Partnerin Eveline das Bild eines alten Chronographen von Lebois & Co., aus einer Versteigerung bei Christies. Der Hersteller war uns beiden völlig unbekannt, aber die Ausführung und Schönheit der Uhr faszinierten uns. Ich habe das Bild ausgedruckt und an unseren Kühlschrank gepinnt. Ein paar Tage später begannen wir eine Reise in die Geschichte der Marke. Dann führte sehr schnell eines zum anderen – und hier sind wir nun, Lebois & Co. ist zurück und lebendig wie nie.

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Tom und Eveline vor wenigen Wochen auf der Baselworld. ©Hersteller

Warum eine Schweizer Marke – auch die niederländischen Uhrmacher haben doch eine lange Geschichte?

Das stimmt – aber wenn ich an die Uhrmacherei denke, denke ich an die Schweiz. Vielleicht auch wegen meiner ersten Uhr – einer Swatch, die ich mit sieben Jahren bekam – hat sich das bei mir so etabliert. Wir waren auch oft in der Schweiz in Urlaub – das alles machte „Swiss Made“ für mich so wertvoll.

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Gehäuseskizze der Re-Launch-Edition. ©Hersteller

Was hast Du in Deinem Berufsleben vor Lebois & Co. gemacht?

Bevor ich professionell mit Uhren begonnen habe, hatte ich ein eigenes Unternehmen in der IT-Branche. Das klingt vielleicht komplett gegensätzlich, aber viele Dinge, die ich dort gelernt habe, helfen mir heute in den täglichen Aufgaben einer Uhrenfirma. Das ist nicht nur die IT, sondern auch Marketing.

Der globale Uhrenmarkt ist so reich an Marken wie nie, etablierte und zahlreiche Newcomer. Wie hat sich der Uhrenkunde während der letzten Jahre verändert?

Aus der Sicht des Kunden finden aktuell spannende Zeiten statt. Die Newcomer wissen, wie die großen Marken herauszufordern sind. Das weckt auch die ganz Großen der Branche auf. Für den Kunden bietet das viele Vorteile – auch unter der Prämisse, das der Uhrenmarkt ein Käufermarkt ist.

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Tiefes Blau, außergewöhnliche Zeiger und Indexe: Die Uhr weiß das Auge des Betrachters zu umwerben! ©Hersteller

Der Markt verändert sich generell – Smart- und Connected Watches erlangen mehr und mehr Anteile. Wird die Mechanik wieder zur Nische, oder ist der Smartwatch-Kunde generell kein Mechanik-Käufer?

Das ist eine gute Frage, die sich aktuelle viele Marken stellen. Wir werden sehen, wie weit sich eine Smartwatch wirklich in unser alltägliches Leben integrieren wird. Ich sehe die Vorteile vor allem im Sport – warum soll man sich ein Smartphone an den Arm binden, wenn das auch kleiner geht! Ich persönlich bin sehr froh, das mein Mobiltelefon alle diese Funktionen in einem Gerät vereint. An meinem Arm habe ich daher keinen Bedarf an einem „smarten“ Device. Ich bevorzuge eine mechanische Uhr, die ein Leben oder länger hält.

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Puzzle für Profis: Gehäuse, Uhrwerk (ETA 2824-2), Zifferblatt und Zeiger! ©Hersteller

Lebois & Co. verwendet Werke von ETA. Die restriktive Politik des Werkeherstellers im Verkauf von Werken an externe Marken ist bekannt – wie planst Du für die Zukunft?

Einer der Vorteile als kleiner Startup ist die Flexibilität. So wie ich den Markt sehe, habe ich großes Vertrauen, das passende Alternativen dann möglich sind, wenn für uns der Anlass zur Anpassung unserer Uhren gekommen ist.

In historischen Materialien habe ich einige wunderbare Chronographen von Lebois & Co. gefunden. Gibt es bereits Pläne, eine Uhr mit Chronograph zu bauen?

Absolut, wir haben selber einige dieser seltenen Chronographen in unserem kleinen Museum. Zudem hören wir diese Frage öfter, und das treibt uns natürlich auch an. Aber – alles braucht seine Zeit….

magazin microbrands

Im Heft 3/2016 des UHREN-MAGAZIN erscheint eine kleine Übersicht zu Microbrands – mit dabei ist auch Lebois & Co. ©UHREN-MAGAZIN

 

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