Fortis: Ein wahrer Flieger

Neue Modelle zur Baselworld

Die marketinggerechte Klassifizierung von Uhren genießt Hochkonjunktur, Taucher- und Fliegeruhren sind die bekanntesten Sparten. Zahlreiche Hersteller nutzen das sehr publikumswirksam, während andere stillschweigend schon seit Jahrzehnten echte Instrumente bauen.

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Eine Fortis Ref. 641.10.170 aus dem Jahr 2000: Zweite Zeitzone und mechanischer Alarm. ©Antiquorum

Fortis ist mittlerweile mehr als 100 Jahre alt – 1912 wurde das Unternehmen im schweizerischen Grenchen gegründet. Seit damals werden, bis zum heutigen Tage, ohne Unterbrechung Uhren hergestellt. Die Geschichte zeigt, das Fortis nicht selten technologische Leistungen vor anderen auf den Markt gebracht hat. Die Zusammenarbeit mit dem englischen Uhrmacher John Harwood brachte 1926 die erste selbstaufziehende Armbanduhr hervor. Extrem lange vor der Swatch – nämlich bereits 1969 – nutzte Fortis leichten und stabilen Kunststoff für den Bau von Uhren. Mit einer Wasserdichtigkeit von 200 m, einem Gehäuse aus GFK in sechs Farben war die Uhr der Zeit voraus.

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Eine echte Weltraum-Uhr: Eine Fortis Cosmonauts, noch ausgestattet mit einem Lemania 5100 mit zentralem Minutenzähler. ©Thomas Gronenthal

1962 wurde die Weltraumuhr Spacematic Automatik entwickelt. Die Vorgabe umfasste extreme Bedingungen und Temperaturschwankungen, unter denen die Uhr problemlos ihren Dienst versehen sollte. Ein weiteres Highlight kommt 1998 auf den Markt: Die Kombination eines automatischen Chronographen mit einem mechanischen Weckmechanismus war eine Herausforderung und wurde von Fortis gemeinsam mit dem Zürcher Entwickler Paul Gerber gemeistert. Mit der Patentnummer EP 0806712 ist die Innovation damals versehen worden, anlässlich des 100. Jubiläums entstand mit dem neuen Fortis Chronograph Alarm GMT Kalibers F-2012 eine konsequente Weiterentwicklung dieses weltweit einzigartigen Zeitmessers.

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Die Fortis Daybreaker Stealth. ©Fortis

Einige Kernwerte der Kollektion zeigt der Wecker-Chronograph ganz besonders: Beste Ablesbarkeit und Funktionalität ohne Ablenkung. Das passt am besten zum Thema der Fliegeruhren, und tatsächlich gilt Fortis heute als Spezialist für Flieger- und Weltraumuhren. Seit 1994 ist Fortis offizieller Ausrüster des Juri-Gagarin-Trainingszentrums für Kosmonauten, etliche Modelle des Grenchener Herstellers waren bereit im All. Seit zwei Jahren arbeitet ein neues Management an der Ausrichtung der Marke, die über die Jahre ein großes Portfolio an Modellen und ein nachlassendes Image hinnehmen musste. Die Pläne gehen auf – geographisch gesehen gleich neben der Mega-Messe Baselworld – zeigte Fortis die Neuheiten. Es ist sympathisch zu sehen, dass ein teurer Messestand nicht im Fokus des Unternehmens liegt – wenngleich der Messeleitung die Neben-Schau für Presse und Publikum vielleicht missfallen mag.

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Fortis Cosmonauts Chrono Steel AM – mit hellem Zifferblatt, ETA 7750 und Lederband. ©Thomas Gronenthal

Auch preislich liegen die neuen Uhren von Fortis – gemessen an Wettbewerbern aus der Schweiz – günstig. Bereits knapp über 1.000 Euro starten die Modelle mit drei Zeigern, Chronographen gehen bis 3.500 Euro. Eine Ausnahme ist die Daybreaker, die deutlich über 10.000 Schweizer Franken kostet – dafür aber auch alles hat, was Fortis bieten kann. Die Uhr verfügt über einen mechanischen Alarm – die Brücke zu Paul Gerber ist geschlagen – und eine UTC/GMT-Funktion. Datum und Chronographenfunktion sind ebenfalls an Bord. Die zweite Zeitzone kann über das Sichtfenster bei 12 Uhr eingesehen werden, ob Tag oder Nacht bzw. AM und PM zeigt ein Fenster auf zwei Uhr. Das technisch machbare wird hier zusammengefasst in ein Gehäuse, die Übersichtlichkeit ist dennoch gegeben: Eine Instrumentenuhr.

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Diese Uhr überzeugt mit allem, was ein Fliegerchrono braucht: Beste Ablesbarkeit bei Tag und Nacht, kratzfestes Saphirglas, eine kratzfeste Keramik-Lünette und einen automatischen Chronographen. ©Thomas Gronenthal

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Fortis Cosmonauts Chrono Steel AM mit Keramik und Stahlband. ©Thomas Gronenthal

Generell versteht es die gesamte Kollektion zu gefallen, sowohl die Bestandsmodelle wie die Neuheiten. AM und PM bezeichnen die Zifferblattfarben – dunkle Modelle fallen unter PM, helle unter AM. Der Fortis Cosmonauts Chrono Steel PM trägt daher ein dunkles Zifferblatt mit reichlich optischer Tiefe zum schwarzen, robusten Lederband. Die Uhr ist klar strukturiert und hochwertig in allen Details durchdacht. Orangene Details lockern das Bild auf, das Stahlgehäuse ist sorgfältig verarbeitet. Die Leuchtmasse macht das Ablesen auch im Dunklen zum Kinderspiel, als Antrieb kommt das verlässliche ETA 7750 zum Einsatz. Schwarze, passende Datumsscheiben freuen das Auge ebenso wie Zeiger mit perfekter Länge. Ein Glasboden zeigt das Uhrwerk, Krone und Drücker sind verschraubt und so gegen unabsichtliche Betätigung und Wasser geschützt, die Größe von 42 Millimetern liegt sehr gut am Handgelenk. Als besonderes Detail ist die Uhr auch mit einer schwarz-anthrazitfarbenen Keramiklünette zu haben. Damit steigt zwar der Preis von knapp 3.000 auf ca. 3.300 Euro – aber das ist die Optik und Kratzresistenz allemal wert. Zumal sich in dieser Chronographenklasse etliche Marktteilnehmer weniger Extras mit mehr Geld bezahlen lassen! Ein Stahlband in Oyster-Opik rundet die Uhr ab.

Der Flieger Professional Chronograph zitiert die klassische Fortis-Optik mit großen Leuchtzeigern. Das Gehäuse misst geringfügig mehr als die Cosmonauts, 43 Millimeter, aber durch die sehr schmale Lünette fällt das kaum auf. Die großen Drücker machen die Bedienung des knackig schaltenden ETA-Valjoux 7750 zum Kinderspiel. Auch die Armbänder passen farblich wie von der Anmutung gut zur Uhr, die für faire 2.460 Euro über den Ladentisch geht.

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Flieger Professional mit drei Zeigern, angetrieben von einem ETA 2836-2. ©Thomas Gronenthal

Die Flieger Professional ist ein echter Geheimtipp für diejenigen, die Robustheit, perfekte Lesbarkeit, mechanische Präzision und ein wasserdichtes Gehäuse suchen. Im Fliegerlook mit arabischen Ziffern gefällt das Zifferblatt mit schwarzem Sonnenschliff, sehr guter Leuchtausstattung und schwarzen Scheiben für Tag und Datumsanzeige des ETA 2836-2. Das auf dem Kaliber 2824 basierende Werk ist langlebig und robust. Die Uhr weiß zu gefallen – und der Preis überrascht: Am Stahlband soll die Uhr 1.290 Euro kosten. Saphirglas oben und unten sind dafür selbstverständlich. Diese Preisklasse ist zwar umkämpft, aber die Chancen sind gut – die Uhr ist durchdacht und schön.

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Cockpit ONE and TWO: schönes Design, kombiniert mit einem zuverlässigen Werk. ©Thomas Gronenthal

Die Fortis Cockpit One und Cockpit Two haben einige Merkmale, die bekannt vorkommen – von der eigenen Marke, aber auch von anderen – so kennt man das langgezogene Datumsfenster auch aus Schaffhausen. Im Unterschied zu dort wurde es aber bei Fortis dank des Absatzes im Zifferblatt optisch angenehm eingebaut.

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Die Cockpit TWO – die Preise starten bei 1.320 Schweizer Franken. ©Thomas Gronenthal

Die Uhr wirkt von allen Seiten rund und gefällig – und zudem eigenständig. Vor allem die Cockpit Two am braunen Band ist eine Uhr, die in der Preisklasse um 1.300 Euro und einer Größe von 41 Millimetern sehr viel Uhr für das Geld bietet – und damit mein persönlicher Favorit, wenn es kein Chronograph sein muss. Wenn die Uhr auch stoppen soll, ist der Cosmonauts Chrono mit schwarzem Blatt, braunem Band und Keramik-Lünette mein Favorit.

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Die Fortis Aeromaster Steel. ©Thomas Gronenthal

Mit der Aeromaster-Kollektion bietet Fortis ein sehr klassisches Fliegerdesign, wahlweise mit drei Zeigern und Tag/Datum (ETA 2836-2), oder als Chronograph mit dem bewährten ETA 7750. Als Besonderheit verfügen die Uhren über eine Wasserdichte von 200 Metern bei einer nicht verschraubten Krone, und über ein Ansatzband aus Leder mit Rundanschluss. Insgesamt ist die Kollektion ein Zeichen, das Fortis in einer neuen Zeitrechnung angekommen ist. Die Uhren sind durchdacht und schön, die Komponenten verfügen über eine sehr gute Qualität, und die bisher genannten Preise liegen in einem Rahmen, der auch den normalen Geldbeutel nicht zur Explosion bringt. Der Neustart des Fortis-Raumfahrtprogramm scheint ein gesundes Kontrollzentrum zu haben – die Uhren zumindest sprechen für eine sorgfältige Renovierung der Kollektionen und absoluter Treue zu den Grundwerten einer Fliegeruhr, die auch tatsächlich im Flug genutzt werden kann!

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