Test: Revolo Custom Made

Ganz nach Wunsch: Die Uhr aus dem Baukasten

Ein Traum für Uhrenliebhaber: Eine Uhr ganz nach dem eigenen Geschmack, selbst entworfen aus vielerlei möglichen Kombinationen. Und gebaut per Hand von Uhrmachern in einem Atelier. Der Traum ist Wirklichkeit – Revolo heißt die Uhrenmarke aus den Niederlanden, die mit mehr als 100 Millionen Möglichkeiten für individualisierte Uhren wirbt. Vor einigen Wochen wurde aus dem Online-Baukasten unter www.revolo-watches.com die einzigartige Watchthusiast-Uhr zusammengestellt – und nicht einmal zehn Tage später war das Ergebnis schon im Zustellfahrzeug von UPS.

So sah die Voransicht des Online-Konfigurators aus.

Erster Eindruck: Passt.

Die Uhr, die in der überaus wertigen Box steckt, entspricht voll dem Design, das aus dem einfach zu nutzenden Online-Baukasten vor wenigen Tagen entstanden ist. Neben dem blauen Zifferblatt mit Strahlenschliff hat die Uhr Schwertzeiger und einen Sekundenzeiger mit Leuchtpunkt. Als Uhrwerk kommt das gewünschte Kaliber STP 1-11 zum Einsatz, ein Automatikwerk mit 25 Lagersteinen, 28.800 A/h und 42 Stunden Gangreserve. Optisch ähnelt es verdächtig dem ETA 2824-2. Tatsächlich handelt es sich um einen Klon des aus dem Patentschutz gelaufenen ETA-Kalibers und wird in der Schweiz endmontiert. Die Basis ist das bereits ab Werk gute SeaGull ST 2100, das in China gefertigt wird. In der Schweiz erfolgt die Endmontage inklusive dem Austausch einiger Teile wie der Spirale, Stoßsicherung und Zugfeder gegen Schweizer Bauteile.

Und so sieht die Uhr in der Realität aus! © Thomas Gronenthal

Vor der Gangprüfung kommt allerdings zunächst der Test des Gehäuses. Es besteht aus Edelstahl 316 L, der Korpus ist mattiert und die Lünette sowie der Boden poliert. Die Fertigung ist sorgfältig, das Finish auch an verdeckten Stellen wie zwischen den Bandanstößen ist hochwertig. Das Deckglas oben ist ein flaches Saphirglas, unten kommt ein Mineralglas zum Einsatz.

Die Uhr ist bis 100 Meter wasserdicht, dazu trägt die Krone einen kräftigen O-Ring innerhalb des Tubus. Auch das Bodengewinde ist tadellos geschnitten und sorgt für eine satte Verschraubung der Uhr. Bei einer näheren Betrachtung des Zifferblattes fällt eine Besonderheit auf: Ein eingelegter Distanzring zwischen Blatt und Innenrand der Lünette sorgt für den richtigen Abstand, den die Kronenwelle des STP 1-11 benötigt. Da die Uhr ein Baukastensystem ist, müssen die Gehäuse für alle drei wählbaren Werke (Quarz, Miyota-Automatik und STP 1-11) angepasst werden. Mit dem Adapterring ist diese Aufgabe unauffällig und gut gelöst, zumal die Montage sauber und gut erfolgte. Das Zifferblatt selber ist sorgfältig lackiert und mit dem Revolo-Schriftzug versehen, bei sechs Uhr findet sich ein Hinweis auf „Custom Made“. Zeiger und Indexe sind mit Leuchtmasse versehen, die im Dunkeln für sicheres Ablesen sorgt.

Glasboden, Swiss Made-Automatikwerk, Band mit Schnellwechselsystem. © Thomas Gronenthal

Ein Wort zum Design

Natürlich erfindet auch Revolo die Uhr nicht neu. Die einzelnen Designs sind durchaus bekannt: Das Datumsfenster mit drei sichtbaren Ziffern und einem roten Pfeil ist auch bei IWC zu finden, die Schwertzeiger für Stunde und Minute sind in Anlehnung an die Omega Seamaster gestaltet, der Sekundenzeiger könnte von einer Rolex Yachtmaster stammen. Aber in Summe – und darauf kommt es an – ist die Revolo ein uniques und schönes Stück Uhr, das sich so individuell wie des Trägers Geschmack designen lässt.

Das Werk wird in der Schweiz mit der Incabloc-Stoßsicherung versehen. © Thomas Gronenthal

Die Performance

Die Revolo läuft im Tragetest mit leichtem Vorlauf. Das bestätigt die Messung auf der Zeitwaage, bei der das Uhrwerk knapp sieben Sekunden / 24 Stunden vorgeht, die Amplitude beträgt 280 Grad bei Vollaufzug. Der Abfallfehler von 0,3 ms hätte ab Werk besser reguliert sein können, ist aber dennoch voll akzeptabel. Zumal das Werk auch optisch noch eine Augenweide ist. Neben dem Rotor mit Genfer Streifenschliff tragen alle Brücken und Kloben eine Perlierung. Insgesamt ist das Werk gut verarbeitet und sollte für einen Zeitraum zwischen fünf und zehn Jahren seinen Dienst ohne Service leisten. Feines Detail am Rande: Zur Befestigung des Werkes im Gehäuse kommt ein massiver, mit Briden verschraubter Metallring zum Einsatz. Das ist hochwertig.

 

© Thomas Gronenthal

An den Arm kommt die Uhr mit einem Band aus Sattelleder, versehen mit einer Dornschließe von Revolo. Zur Wahl hätte auch eine Faltschließe gestanden – doch der Komfort der Dornschließe ist ebenso hervorragend wie der des Bandes. Das Leder ist weich, bedarf keinerlei Eintragezeit, sondern schmiegt sich sofort um den Arm. Für Menschen, die gerne das Uhrband der Laune anpassen: Die Stege zur Bandbefestigung sind ein Schnellwechselsystem und lassen sich in wenigen Sekunden ohne Werkzeug abnehmen.

Preis-Leistung: Das Watchthusiast-Fazit

Unerwähnt blieb bisher der Preis für diese einmalige Uhr. Und das mit gutem Grund – denn es scheint schwer möglich, eine so gute Uhr für 595 Euro bauen zu können. Immerhin wird die Uhr auf Bestellung per Hand zusammengefügt. In Anbetracht dessen, und der Qualität der einzelnen Bauteile, ist der Preis sehr günstig. Auch in den unsichtbaren Details erfüllt die Revolo hohe Ansprüche, ohne damit anzugeben. Und wer kann sich sonst schon damit rühmen, eine Uhr selber aus einem riesigen Baukasten entworfen zu haben? Insofern passt auch der Name: Revolo – eine kleine Revolution im Uhrenmarkt. Und tatsächlich das erste Customizing-Werkzeug in der Uhrenwelt, das mehr als eine modische Quarzuhr bietet. Wer selber ein wenig mit dem Design spielen mag, kann das im Online-Konfigurator machen. Viel Spaß!

P.S.: Die Basisvariante mit dem Swiss Made-Quarzwerk Ronda 515 ist schon für 250 Euro zu haben!

Custom Made – nur auf Wunsch wird diese Uhr gebaut! © Thomas Gronenthal

1 Comments

  1. Vielen Dank für diesen lesenswerten Testbericht. Eine an die Bedürfnisse und den Geschmack des Trägers angepasste Uhr in guter Qualität, wenn auch mit limitierten Modifikationsmöglichkeiten, ist ein weiteres und wohl zeitgemäßes Angebot an die Konsumenten. Inwieweit das Markenimage bei der Kaufentscheidung mitschwingt, wird die Zukunft von Revolo zeigen.

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