Wasserdicht oder Aquarium: Was soll die Uhr aushalten können

Sommer, Sonne, Urlaub - die Uhr muss mit!

Es fängt an mit leichtem Beschlag. Später bilden sich Tropfen. Und wer dann noch nicht reagiert, hat bald ein kleines Aquarium am Arm. Die Rede ist von Wasserschäden – dem Alptraum jedes Uhrenbesitzers und Uhrmachers. Im Laufe der Jahre wurde  viel Zeit investiert, solche Schäden zu verhindern – zumal Taucheruhren auch noch die spezielle Faszination bieten, in eine Tiefe tauchen zu können, die der Mensch ohne technische Hilfsmittel nicht erreichen kann. Aber auch im Alltag ist die Wasserdichte relevant: Händewaschen, eine Regenschauer, Schweiß, oder Dusche und Schwimmbad erfordern ebenso das sichere Wissen um die Dichtheit des Uhrengehäuses. Schwachpunkte sind alle Öffnungen: Der Boden, Krone, Drücker (falls Chronograph), und auch das Glas mit seiner Dichtung.

Autsch: Diese Rolex hat einiges an Wasser schlucken müssen. Das Glas als kälteste Stelle sorgt für Kondensation. Diese Uhr muss schnellstens geöffnet und getrocknet werden.

Die Angaben auf Uhren indes können verwirrend sein: 30 M als Prägung auf dem Uhrenboden bedeuten nicht, dass ich mit meiner Uhr bis zu 30 Meter in die Tiefe tauchen kann. Solche Uhren sind normal nur maximal für eine Regenschauer geeignet – denn die 30M stehen tatsächlich nicht für Meter, sondern 30 Minuten in ein Meter Wassertiefe. In der Fachsprache gilt das als spritzwassergeschützt – nicht mehr.

Bei dieser Uhr ist der Zug abgefahren. Uhrwerk, Zifferblatt und Zeiger sind irreparabel beschädigt – und das, trotzdem diese Uhr ab Werk für 100 Meter abgedichtet ist.

Welche Wasserdichte ist sinnvoll für den Alltag?

Die meisten Uhren werden grundsätzlich eher einen Swimmingpool oder Küstengewässer und Badeseen zum Test der Wasserdichte sehen – oder die heimische Badewanne und Dusche. Und dafür ideal ist eine Uhr, die ab Werk für einen Überdruck von 10 ATM, 10 bar oder eben 100 Metern freigegeben ist. Wer nur Duschen oder in ein Planschbecken möchte, kann auch eine Uhr mit 5 bar Druckfestigkeit nutzen. 200 Meter Wasserdichte ist der Schwellenwert für echte Taucheruhren. Sinnvoll ist diese Reserve vor allem dann, wenn noch Druckspitzen beispielsweise beim schnellen Eintauchen von einem Boot auftreten, Temperaturschwankungen oder andere besondere Herausforderungen. Zudem gilt grundsätzlich: Nach einem Bad im Salzwasser sollte die Uhr immer ausreichend mit Süßwasser gespült werden, um die Salzreste zu entfernen. Sand und Schmutz werden dabei ebenso entfernt, die vor allem bei drehbaren Lünetten langfristig zu Blockaden führen würden. Das Spülgebot gilt auch für Chlorwasser, wie es in Swimmingpools verwendet ist.

Wasserdichtigkeit von Uhren

Schutz und Pflege

Zu beachten ist bei jeder Form von Abdichtung gegen eindringendes Wasser: Die Eigenschaften von Dichtungen verändern sich, und die Aussage zur Wasserdichtheit ist immer nur eine Momentaufnahme zum Zeitpunkt der Prüfung. Durch Alterung, Abnutzung und Beschädigungen kann sich der Zustand der feinen Gummi- und Kunststoffringe über die Zeit ändern. Nicht nur die Materialien altern, auch eindringender Schmutz, Kosmetika, Sonnencreme oder Chemikalien an einem Arbeitsplatz können die Dichtungen beschädigen. Eine regelmäßige Reinigung einer wasserdichten Uhr mit Wasser und milder Seife und einer weichen Bürste entfernen solche Risiken für die Dichtungen und verlängert deren Lebensdauer. Wer sich traut, seine Uhr selber zu öffnen, kann die Dichtringe mit ein wenig Silikonöl benetzen. Das sorgt für längere Lebensdauer der Gummiringe. Bei einem Service, den eine mechanische Uhr von Zeit zu Zeit braucht (üblicherweise all 5 Jahre), werden daher die relevanten Dichtungen ersetzt und anschließend eine Wasserdichteprüfung vorgenommen. Damit entspricht die Wasserdichte wieder dem Neuzustand der Uhr, und es kann wieder heißen: Ab ins kühle Nass, auch mit dem Wecker! Kurz zusammengefasst:

  • Beachten Sie, dass Ihre Krone beim Tragen IMMER komplett verschraubt ist, oder bei einer Push/Pull Krone, immer gegen das Gehäuse gedrückt ist
  • Spülen Sie Ihre Uhr nach Kontakt mit Salz- oder Chlorwasser IMMER mit frischem Wasser ab
  • Reinigen Sie Ihre Uhr regelmäßig mit frischem Wasser, milder Seife und einer weichen Bürste, um Schmutz zu entfernen.
  • Warten Sie Ihre Uhr alle 5 Jahre und lassen Sie alle Dichtungen ersetzen und testen.

Was, wenn’s zu spät ist?

Ein Wasserschaden in einer Uhr ist der schlimmste Fall eines Service-Alptraums, und wenn er nicht sofort behoben wird, führt er zu einer denkwürdigen Reparaturrechnung, insbesondere bei hochwertigen und alten Uhren. Wenn eine Uhr Anzeichen von Nebel unter dem Glas zeigt, ist Feuchtigkeit eingedrungen. Rost ist der Feind der Stahlteile im Uhrwerk und kann auch das Zifferblatt und die Zeiger ernsthaft beschädigen. Vor allem die lumineszierende Masse nimmt Feuchtigkeit auf und beginnt wie frisch gekneteter Hefeteig zu gehen, bläht sich auf und verändert meist auch die Farbe. Jetzt zählt jede Stunde, die Uhr muss schnellstens zu einem Uhrmacher. Ist keiner vor Ort greifbar, im Urlaub nicht unüblich, reicht bei vielen Schraubböden auch ein Gummiball-Öffner zum Aufschrauben. Dann die Uhr an der Luft trocknen lassen, wenn möglich an einem warmen Ort. Anschließend sollte die Uhr gut verpackt werden und nach der Heimkehr schnellstens auf dem Werktisch eines Uhrmachers landen.Internet-Tipps wie ein Beutel mit Reis oder andere Hilfsmittel bewirken normal nichts – denn das Eindringen in das Gehäuse ist einfach, das entfernen ohne Öffnen des Gehäuses aber praktisch unmöglich.

Bei Quarzuhren ist die Situation ähnlich. Zusätzlich zu Rost und aufsteigender Leuchtmasse kann Wasser Kurzschlüsse im elektronischen Uhrwerk verursachen.

Die feinen Stahlteile wie Schrauben, Wellen, Achsen und verschiedene Hebel rosten sofort. Es zählt bei sichtbarem Kondensat unter dem Uhrglas tatsächlich jede Minute!

Erhöht eine verschraubte Krone die Wasserdichtigkeit?

Es wird oft diskutiert, ob eine verschraubte Krone im Vergleich zu einer Krone mit Druck-/Zugmechanismus die Wasserdichtigkeit einer Uhr positiv beeinflusst. Meiner Erfahrung nach besteht der Hauptunterschied darin, dass eine verschraubte Krone verhindert, dass die Krone versehentlich herausspringt, obwohl das Risiko, dass dies unter Wasser geschieht, minimal ist. Im Hinblick auf den täglichen Gebrauch ist eine Krone durch Drücken/Ziehen einfacher zu handhaben, da das Aufziehen des Uhrwerks und die Änderung von Datum und Uhrzeit unterwegs erfolgen kann, ohne dass die Schraube gelöst und festgezogen werden muss. Meiner Meinung nach sollte jedoch bei jeder Uhr, die über 20 ATM wasserdicht ist, insbesondere bei einer Taucheruhr, eine verschraubte Krone Standard sein.

Wasserdichte testen

Die Uhr wird dazu meist trocken in ein Messgerät gelegt. Eine Messuhr wird auf das Glas gesetzt, der die Gehäusehöhe sehr fein messen kann. Eine Druckglocke wird aufgestülpt, und anschließend ein Über- oder Unterdruck aufgebaut. Dabei muss sich das Gehäuse minimal verformen, sofern die Uhr dicht ist – diese Änderung zeigt die Messuhr an. Ändert sich nichts auf der Messuhr, ist die eingelegte Testuhr undicht und es “zieht” quasi durch.

Nachdem der Prüfdruck erreicht ist, wird er noch eine Weile auf konstantem Niveau gehalten, um zu prüfen, ob die Dichte auch konstant ist. Ist die Uhr weiterhin dicht, bleibt die Dicke  konstant. Ist sie nur leicht undicht, ändert sich der Wert auf der Messuhr langsam.

Verwendung der Chronographenfunktion unter Wasser

Wer übrigens unter Wasser auch eine Stoppuhr in Form seines Armbandchronographen nutzen will, sollte vorab prüfen, ob das auch bei diesem Modell erlaubt ist. Die Betätigung der Drücker kann für einen Wassereinbruch sorgen, Aufklärung gibt die Bedienungsanleitung der Uhr oder der Hersteller. Heute ist eine doppelte O-Ring-Abdichtung Standard, um die Drückerachsen abzudichten – aber auch hier ist eine regelmäßige Wartung nötig!

Während das Zifferblatt und Uhrwerk komplett zerstört sind, lassen sich die Zeiger retten: Ein schwacher Trost….

Gesunder Menschenverstand und schnelle Reaktion

Wer also gerne im Wasser ist, sollte auf die Wasserdichte schon beim Kauf ebenso wie auf regelmäßige Prüfungen und Wartung achten. Selbst Uhren, die bis 2oo und mehr Meter wasserdicht sind, verlieren dieses Eigenschaft mit der Zeit. Dichtungen altern und müssen ersetzt werden. Neben Sprödigkeit neigen manche Uhrendichtungen auch zur Verflüssigung: Statt einer festen Dichtung ist eine schwarze, klebrige Masse zu finden.

Wer so seine Uhr regelmäßig pflegt, sollte trotzdem vor dem Sprung ins Wasser noch einmal sicherheitshalber die Krone prüfen – ist sie verschraubt, bzw. liegt sie am Gehäuse an? Dann kann gebadet werden. Diejenigen, die gerne im Meer schwimmen: Ein Check der Federstege und Armbänder vorher lohnt. Überprüfen Sie daher neben der Wasserdichtigkeit immer auch die sichere Funktion Ihrer Schließe und die Befestigung des Armbandes!

Diese Uhr lag – nach Bruch eines Federstegs bei einer Angeltour – 14 Monate auf dem Meeresboden, ehe ein lokales Bergungstauchunternehmen die Uhr aus Zufall bergen konnte. Dank regelmäßiger Wartung war die Uhr noch wasserdicht und nur äußerlich etwas “patiniert”.

Eine Urlaubsuhr, die möglicherweise nicht das Budget sprengt, bietet sich zudem an. Neben Modellen von Invicta können wir auch Taucheruhren von Casio oder Citizen empfehlen, die sich im Wasser pudelwohl fühlen.