Test: Budget-Submariner Invicta Pro Diver

Top-Toolwatch oder reiner Optik-Klon?

Das Design der Rolex Submariner gehört zu den bekanntesten der Welt – und auch zu den meistkopierten. Plagiate sind illegal, jedoch ist der Markt an Hommagen, Look-a-Likes und damit optischen Zwillingen ebenso groß. Ein Vertreter dieser Spezies ist die Invicta Pro Diver Invicta 8926 OB – eine echte Budget-Toolwatch.

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Das Original: Die Rolex Submariner Date. ©Antiquorum

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Und der Nachbau – die Invicta Pro Diver Automatic. ©Thomas Gronenthal

Die Uhrenmarke Invicta sitzt in Hollywood, Florida – die Wurzeln gehen allerdings zurück in die Schweiz. 1837 gründete Raphael Picard in La Chaux-de-Fonds das Unternehmen, das zunächst R. Picard hieß. Um 1890 wurde die Firma in Fils de R. Picard umbenannt, die Markenrechte an Invicta lagen in Familienhand bis zum Jahr 1970.

Im Jahr 1991 wurde die Marke von einer US-amerikanischen Investment-Gesellschaft übernommen, die Modellpalette ist extrem vielfältig und umfasst neben sehr günstigen Quarzuhren auch mechanische Uhren mit Schweizer Werken.

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Oyster-Band, Datumslupe, Mercedeszeiger: Die Invicta zitiert das Original, bringt aber auch einige eigene Züge ein. ©Thomas Gronenthal

Für die mechanische Mittelklasse kommen japanische Werke zum Einsatz.

 

Im Fall der Testuhr wird aktuell das Kaliber NH35 von Seiko Instruments verbaut, das Modell war auch lange Jahre mit einem Miyota 8205 erhältlich. Das schmucklose Seiko-Uhrwerk hat 24 Steine und eine Gangreserve von 41 Stunden. Es verfügt über Datumsschnellschaltung und Sekundenstopp sowie über einen Handaufzug durch die Krone. Einen optischen Akzent setzt der gelb gefärbte Rotor, der neben einigen Informationen zum Hersteller etwas Farbe in die Tristesse des unverzierten Uhrwerks bringt. Das Uhrengehäuse ist aus Edelstahl und wasserdicht bis 200 Meter. Das scheint auch gegeben, eine Prüfung mit einem Druck von 5 ATM überstand die Uhr klaglos.

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Die Verarbeitung ist gut – die Bodendichtung liegt in einer sauberen Nut, das Werk sitzt sicher im für Seikowerke typischen Kunststoffring. ©Thomas Gronenthal

Das Armband besteht aus Edelstahl, die einzelnen Glieder sind dreiteilig und massiv. Das ist in dieser Klasse keine Selbstverständlichkeit. Ein Kompromiss sind die Stahlsplinte, mit denen die Glieder zur Größenanpassung verbunden sind. Hier wären Schrauben die schönere, aber auch deutlich teurere Variante. Die Schließe besteht aus einfachen, geprägten und gestanzten Blechen, die Schließe ist mit dem Invicta-Logo verziert. Ein Sicherheitsbügel verhindert unabsichtliches Öffnen der Schließe. Eine ausklappbare Verlängerung für Taucher – wir erinnern uns an 200 Meter Wasserdichte – ist allerdings nicht vorhanden.

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Ein wenig Bandenwerbung: Die linke Flanke ist großflächig mit dem Invicta-Schriftzug graviert. ©Thomas Gronenthal

Zeiger und Zifferblatt folgen im Grunddesign dem berühmten Vorbild – schwarz mit charakteristischen Leuchtmarkierungen. Doch es gibt auch deutliche Unterschiede: Zum einen sind die Indexe kleiner als bei einer Rolex, zum anderen ist das Invicta-Logo sehr präsent auf dem Blatt. Der Sekundenzeiger trägt ebenfalls das geflügelte Logo der Marke als Gegengewicht zum Leuchtpunkt, der deutlich weiter zum Rand des Zifferblatts liegt als bei der Rolex Submariner.

Das Deck- und Bodenglas bestehen aus gehärtetem Mineralglas und sind nicht entspiegelt. Das Datum wird durch eine auf das Frontglas aufgeklebte Lupe vergrößert. Die drehbare Lünette arbeitet etwas kratzig, aber rastet deutlich in 120 Schritten gegen den Uhrzeigersinn. Die skalierte Einlage aus Aluminium sorgt für die Einteilung der Tauch- bzw. Dekompressionszeit und folgt in der Optik dem Original aus der Schweiz. Erstaunlich sind indes die Gangwerte der vorliegenden Uhr: Bei einer Prüfung auf der Zeitwaage beträgt die Abweichung in den liegenden Lagen bei 0 bis 1 Sekunde, in den hängenden Lagen bis maximal plus vier Sekunden, gemessen jeweils bei vollem Aufzug. Die Amplitude ist seikotypisch nicht extrem hoch, aber ausreichend, und der Abfallfehler liegt bei 0,2 ms. Auch am Arm sind die Gangwerte recht präzise, pro Woche weicht die Invicta weniger als 25 Sekunden ab. Das überrascht bei einer Uhr, die für um die 100 Euro zu kaufen ist. Dieses Gangbild ändert sich auch nach Wochen nicht.

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Pretty in yellow: Der Seiko-Traktor NH35 basiert auf den Seiko-Werken der 70er Jahre. ©Thomas Gronenthal

Insgesamt bietet die Uhr sehr viel Gegenwert für’s Geld, erstaunlich viel. Natürlich zeigen auch einige Bauteile, das gespart werden muss. Dennoch ist das Gehäuse sauber entgratet, die Bodendichtung liegt in einer Nut im Gehäuse und sorgt für eine gute Abdichtung, ohne den O-Ring zu verdrillen.

In Deutschland wird die Uhr über den Fachhandel, über Shoppingsender und vor allem über das Internet vertrieben. Der Preis schwankt dabei – die aktuelle, aber auf jeden Fall unverbindliche Preisempfehlung sind knapp 300 Euro, aktuell ist die Uhr für 101,52 Euro bei Amazon zu haben. Wer für diesen Preis zuschlägt, hat definitiv eine hervorragende Toolwatch für jeden Tag.

6 Comments

  1. Definitiv ein schnäppchen. Danke für den Tipp. Ich habe leider schon eine. Was heißt „leider“. Ich bin zufrieden.

  2. Hallo Thomas,

    vielen lieben Dank für den tollen Beitrag! Das ist ja echt eine gute Alternative zur teuren Rolex. Mein Mann wünscht sich schon seit seiner frühen Jugend eine Rolex, aber irgendwie wollte er dann doch nie das Geld investieren bzw. es war irgendwie nie der richtige Zeitpunkt, vor allem weil wir im Moment auch gerade am Hausbauen sind und dann meistens anderes, wie zum Beispiel Urlaube, vorgehen. Ja, das gute Geld eben. 😉 Er hat in zwei Wochen Geburtstag und ich will ihm eine neue Uhr schenken (er ist begeisterter Uhrenfan). Eigentlich habe ich zu einer Gardé Uhr tendiert (so wie die hier: https://www.premium-uhrenshop.de/Garde-Ruhla-Uhren.html ). Im Moment tendiere ich zum Classic Model mit einem braunen Lederarmband, weil die ziemlich neutral ist und zu vielem passt. Aber ich glaube ich muss mir die Invicta Pro Diver doch nochmal genauer anschauen. Vielleicht wäre das ja auch was für ihn. Obwohl es halt auch keine Rolex ersetzen kann, vielleicht sende ich da auch ein falsches Zeichen wenn ich ihm so eine schenke. 😀 Muss ich mir nochmal durch den Kopf gehen lassen. Eine sehr schöne Uhr ist es allemal!

    Vielen Dank auf jeden Fall für die ausführliche Beschreibung!!

    Viele Grüße
    Sandra

    • Da würde ich wirklich über die Invicta nachdenken – die Gardé dürfte ein sehr ähnliches Werk haben, evtl. sogar aus China – und die Invicta ist wirklich sehr sauber verarbeitet. Als Alltagsuhr macht die sicher viel Freude.

  3. Danke Thomas für die schnelle Antwort! 🙂 Die Gardé Uhren kommen aus Ruhla, das weiß ich so genau weil es dort neben dem Werk auch ein Uhrenmuseum gibt und ich überlegt habe ihm noch einen Gutschein dafür zu schenken und das mit einem Kurzurlaub zu verbinden. Vielleicht gibt es die Invicta dann einfach zu Weihnachten oder zum nächsten Geburtstag. 😉

    Sandra

  4. Guter Beitrag, ich hielte bis jetzt immer Abstand zu den Invicta Modellen, denn ich kann mich davon nicht wirklich überzeugen. Aber das Modell spricht für sich mit einem Seiko Uhrwerk. Trotzdem, ein schlechtes gewissen mit dieser Look-A-Like Rolex hätte ich schon beim Tragen.

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