Begehrte Luxusuhren: Rolex, Patek Philippe & Co.

Zwischen Wertanlage und Warteliste bei den drei Schweizer Top-Uhrenmarken

Es erinnert ein wenig an die Zeiten der ehemaligen DDR: Auf den Trabant, das begehrteste Auto der Deutschen Demokratischen Republik, musste man fast 14 Jahre warten. Gebrauchte Autos erzielten den Preis eines Neuwagens, und wer seine fabrikneue Trabant 601 Limousine direkt nach Auslieferung verkaufte, konnte seinen Einsatz verdreifachen. Das passiert heute analog auf dem Markt für Luxusuhren – aber im Kern nur bei drei Uhrenmarken: Rolex, Audemars Piguet und Patek Philippe. Während bei Rolex praktisch alle Sportmodelle aus Edelstahl – Submariner, GMT-Master, Explorer I und II, Sea-Dweller und die Daytona beliebt sind, liegt der Akzent bei Audemars Piguet auf der Royal Oak, bei Patek Philippe gewinnt die Nautilus das Rennen. Detail am Rande: Beide Uhren sind von Gerald Génta designt worden und zählen zu den großen Klassikern der Zeitmesstechnik.

Die Aquanaut Travel Time von Patek Philippe ist begehrt und eine besondere Komplikation mit dem Kaliber 324 S C FUS mit Zwei-Zeitzonen-Mechanik zur Anzeige von Orts- und Heimatzeit. Hier die Referenz 5164A neben ihrer Schwester in Gold (Ref. 5164R). © Horando

Eines haben alle drei Marken mit den jeweiligen Modellen gemein: Ein schneller Kauf beim Konzessionär ist praktisch unmöglich, außer man zählt zum direkten persönlichen Dunstkreis und kauft dort regelmäßig ein. Ominöse Wartelisten und sehnlich erwartete Präsentationen neuer Uhren wie unlängst bei Rolex treiben die Begehrlichkeit noch weiter an.

Neu und schon begehrt: Die Rolex Oyster Perpetual 36 126000 ist erst vor wenigen Wochen als Neuheit vorgestellt worden. Neben den Doppelindexen auf drei, sechs und neun Uhr ist eine kleine Rolex-Krone zwischen den Worten “Swiss” und “Made” hinzugekommen. Sofort verfügbar ist sie allerdings beim Konzessionär kaum – auf anderen Plattformen jedoch auf Lager. © Hersteller

Erste Konzessionäre verpflichten ihre Kunden schon schriftlich zu einer Mindestdauer, die eine Uhr behalten werden muss, ehe ein Weiterverkauf stattfinden kann. So soll die Neuuhren-Spekulation vermieden werden.

Extrem begehrt bei Sammlern ist die Rolex Submariner Date mit der Ref. 116610LV, von Sammlern auch liebevoll “Hulk” genannt. Die Uhr wird nach zehn Jahren Bauzeit leider nicht mehr produziert. Der Nachfolger hat einen grünen Lünettenring, aber ein schwarzes Zifferblatt. © Horando Rolex Submariner Date

Dahinter steckt zumindest bei Rolex ein ausgeklügeltes Konzept von saisonaler Fertigung – nicht das ganze Jahr über werden alle Modelle produziert – und eine sehr sorgfältige Verteilung auf die Fachhändler rund um die Erde. Eine Rolex soll keine Uhr sein, die man direkt mitnehmen kann – vielmehr ist die Begehrlichkeit ein Instrument, die Preise stabil zu halten und den Nimbus auf hohem Niveau zu konservieren. Qualitativ ist eine Rolex allerdings auch mit das Beste, was man aus der Schweiz kaufen kann. An den Stückzahlen jedenfalls kann die Mangelerscheinung nicht liegen: Pro Jahr lässt Rolex knapp an eine Million Uhrwerke bei der Chronometerprüfstelle COSC zertifizieren. Das ist eine enorme Stückzahl an Uhren für eine Luxus-Manufaktur. Andere Marken wie Patek Philippe und Audemars Piguet backen hier deutlich kleinere Brötchen.

Patek treibt es bunt: Der Aquanaut Chronograph Ref. 5968A gehört mit orangen Akzenten zum mutigsten, was Patek Philippe je gebaut hat. © Horando

Patek Philippe und Audemars Piguet gehen daher einen anderen Weg: Diese Uhren waren noch nie reine Mitnahmeartikel. Egal, ob große Komplikationen oder die Stützen der Kollektionen – Nautilus, Aquanaut und die Royal Oak mit den Ablegern der Offshore-Modelle – gelten seit jeher als pure Luxusuhren. Den kometenhaften Wertanstieg hat in erster Linie nur Rolex geschafft, die früher durchaus zu bezahlbaren Preisen zu haben waren. Des einen Leid ist aber des anderen Freud: Auch Vintage-Modelle, die einst für wenige tausend D-Mark zu haben waren, sind heute fünfstellige Beträge wert – oder mehr, wie klassische Handaufzug-Daytonas beispielsweise regelmäßig belegen.

Alle begehrt: Die Klassiker von Rolex – Submariner Date in Bicolor, sowie ein klassischer Dreizeiger-Sportler. © Horando

Eines haben alle drei Marken mit den erwähnten Modellen gemein: Im Vergleich zur Mehrheit des Uhrenmarktes sind es geeignete Wertanlagen, die den Wert halten oder sogar steigern können. Und trotz aller strengen Kontrollen, die durch die Hersteller vorgenommen werden, schlüpfen immer noch genügend Uhren durch und sind auf Plattformen wie beispielsweise Horando zu kaufen. Anders als die Träume beim Konzessionär ist dort auch sofort zu haben, was im virtuellen Schaufenster zu sehen ist!