Review: Laco Frankfurt GMT Grau

Ein Instrument ohne Cockpit - und eine wirklich gelungene Fliegeruhr

In fünf Jahren feiert Laco mit Sitz in Pforzheim den 100. Geburtstag. Anders als manche Uhrenmarke ist die Historie reich, und Uhren von Laco wurden tatsächlich von echten Piloten getragen. Für originale Fliegeruhren aus den 30er und 40er Jahren werden Liebhaberpreise bezahlt – teilweise fallen mehr als 6.000 Euro an. Wer nicht in die Vergangenheit schweifen will, kann sich auch eine aktuelle Fliegeruhr von Laco umbinden. Mit der Frankfurt GMT hat das Unternehmen eine Uhr entwickelt, die man ohne Band auch direkt in das Cockpit eines Flugzeuges einbauen könnte. Trotz dem militärischen Charme ist die Uhr allerdings auch mehr als ansehnlich – und erfüllt vor allem sehr hohe Ansprüche an die Qualität.

Laco auf MiG: Der Bildhintergrund gehört zu einer MiG 21 aus den 1960er Jahren. © Thomas Gronenthal

Erst einmal die Fakten: Der Durchmesser beträgt 43 Millimeter, 12,50 Millimeter die Höhe, das Armband hat eine Breite von 20 Millimetern am Anstoß. Das bis 200 Meter wasserdichte Gehäuse besteht aus Edelstahl, das aufgrund der Strahltechnik matt-grau erscheint und den Fliegercharakter unterstreicht. Das Saphirglas ist gewölbt und mehrfach entspiegelt – der Boden massiv und verschraubt, kein Glasfenster zeigt, was eine Fliegeruhr nicht zeigen muss. Dafür ist der Boden mit einer sehr gelungenen Gravur eines Kampfflugzeuges versehen und trägt einige wenige Angaben.

© Thomas Gronenthal

Die größte Überraschung aber ergibt sich beim Öffnen des Bodens: Das Gewinde ist sauber und gleitet satt, der Boden alleine hat ein ordentliches Gewicht. Das gesamte Gehäuse ist sehr hochwertig gefertigt, eine Freude, die Details zu entdecken. Der Werkhaltering aus Metall ist sogar noch separat mit einer Ringdichtung versehen, ebenso wie der Boden selber.

Die Kronen tragen das Laco-“L”. © Thomas Gronenthal

Beide Kronen – eine für die Einstellung des Uhwerks und eine für die drehbare Lünette unter Glas – sind verschraubt und gleiten ebenso leicht auf den Gewinden. Ohne Boden kann man auch den Mechanismus der drehbaren Lünette sehen. Deren Rastung ist ein kleiner Wermutstropfen: Der orangene Bezugspfeil steht minimal neben dem passenden Index, wenn man auf die Rastung vertraut. Mit leichtem Gegendrehen und anschließendem Verschrauben der Krone lässt sich dem aber leicht begegnen.

© Thomas Gronenthal

Fliegerei pur auf dem Zifferblatt

Das Zifferblatt setzt einen weiteren Akzent. Es ist matt in Grau lackiert, sauber mit Leuchtmasse versehen und perfekt ablesbar. Das unterstützen die Zeiger: Stunde und Minute sind gebläut und mit Leuchtmasse gefüllt – ein schöner „blauer“ Akzent der klassischen Uhrmacherei, der aber harmonisch passt. Der GMT-Zeiger ist ein Kunstwerk für sich – er stört nämlich nicht das Auge, lässt sich aber trotzdem sehr gut ablesen. Noch besser aber wird es bei der Sekunde. Nahezu der komplette Zeiger ist mit Leuchtmasse beschichtet, und als Gegengewicht findet sich der Umriss eines Kampfflugzeuges in mattem Grau. Das gefällt – ein bisschen stellt sich beim Tragen das Top Gun-Gefühl von damals ein. Die unter dem Glas liegende Lünette ist in mattem Schwarz und Grau lackiert und ebenso reich mit Leuchtmasse ausgestattet. Im Dunkeln fallen dabei nicht nur die unterschiedlichen Farben auf, sondern auch die Klarheit der Darstellung. Diese Uhr hätte wirklich Potential, zur Bordausrüstung eines modernen Jetpiloten zu gehören.

© Thomas Gronenthal

Antrieb: Bewährt

Als Uhrwerk nutzt Laco das ETA 2893-2. Es zählt zu den bewährten Werken der Swatchgroup-Tochter ETA, mit 28.800 Halbschwingungen pro Stunde und einer Gangreserve von knapp 50 Stunden. Erstaunlich: Trotz des Verzichts auf den Glasboden nutzt Laco ein voll verziertes Werk mit Schliffen und gebläuten Schrauben.

Auf der Zeitwaage macht das Uhrwerk einen guten Gang – bei Vollaufzug überschreitet die Gangabweichung in keiner Lage plus sechs Sekunden, am Arm läuft die Uhr ebenso präzise.

Die GMT-Funktion kann als 24-Stunden-Anzeige oder zweite Zeitzone genutzt werden.

© Thomas Gronenthal

Armband und Tragekomfort

Die Frankfurt GMT von Laco wird in einer schicken, flachen Alubox geliefert – darin ein schicker Schlüsselanhänger, ein Ersatzarmband aus Nylon in grau mit einem orangen Streifen. Montiert ist ein Nytech-Band mit Lederrückseite aus deutscher Fertigung. Es trägt sich angenehm und ist zudem resistent gegen Wasser. Geschlossen wird es mit einer Dornschließe aus mattiertem Stahl. Wer scharf hinschaut, erkennt einen Unterschied in Farbe und Struktur zwischen Gehäuse und Schließe – was aber im Tragebetrieb völlig unerheblich ist. Aufgrund des Gehäuses mit tief heruntergezogenen Bandanstößen sitzt auch das Gehäuse angenehm am Arm.

© Thomas Gronenthal

Watchthusiast-Fazit:

Wow. Nach meinen persönlichen Fliegerikonen wie den Klassikern von Porsche Design oder der Fliegeruhr von IWC ist die Laco Frankfurt GMT eine rundum gelungene Fliegeruhr, die nicht nur vorgibt eine zu sein. Es würde mich nicht wundern, auf dem Boden der Uhr eine BUND-Versorgungsnummer zu sehen. Dabei ist der praktische Nutzwert enorm – präzise und klar ablesbar, und mit einem Gehäuse, das nicht nur mit einem ordentlichen Gewicht von 100 Gramm am Nytech-Band daherkommt, sondern dem soliden Gefühl, ein Stück Qualität zu tragen.

Das Preisschild überrascht dabei: Nur 1.650 Euro möchte Laco auf dem Tisch sehen. In Anbetracht der Qualität, des Lieferumfangs und der Detailverliebtheit und -ausführung ist das einfach nur günstig. Zumal man damit ein Stück Tradition einer echten Fliegeruhrenschmiede kauft – keine erfundene oder durch Marketing-Fachleute herbeigeredete Vergangenheit!