Review: Constantin Weisz Big Pilot ETA 6498

Die bisher genaueste Testuhr in vier Jahren Watchthusiast

Es gibt die berühmten Gespräche, die eine gute und eine schlechte Nachricht beinhalten. In diesem Fall ist es ein Telefonat mit Dirk Motz. Die schlechte Nachricht für mich: Ich werfe wieder einen Blick auf eine Uhr, die bei 1-2-3.tv angeboten wird. Die gute Nachricht: Es ist eine Uhr von Constantin Weisz, einer Marke, die nicht nur zu den am längsten angebotenen in der Teleshopping-Welt zählt, sondern auch eine gute Qualität, besondere Designs und außergewöhnliche Uhrwerke bietet. Dirk Motz, Inhaber und Geschäftsführer von Constantin Weisz, wird zum Dezember 2019 zu dem Sender mit den berühmten Rückwärtsauktionen wechseln. Die Gründe sind vielfältig, so Motz: „Tatsächlich hat 1-2-3.tv den größten Marktanteil im deutschen Teleshopping, was Uhren angeht. Daher habe ich die Entscheidung getroffen – auch auf Wunsch der Kunden, die mehr Präsenz der Marke haben wollten – den Sender zu wechseln.“

© Thomas Gronenthal

Und da Marken wie Iron Annie, Zeppelin, Delma und Jean Marcel ebenfalls eine gute Qualität bieten, passt das Umfeld wohl – die anderen 1-2-3-Marken wie PortaS oder Raoul U. Braun habe ich bereits zur Genüge getestet. Lieber werfe ich einen Blick auf die Uhr von Dirk Motz, die in einer ansprechenden Kunstleder-Box geliefert wird. Und direkt zu Beginn gefällt mir die Farbe des Zifferblatts: Große, beige Leuchtziffern auf schokobraunem Lack mit matter Oberfläche. Die kleine Sekunde ist vertieft, die Minuterie ist sauber gedruckt und alle Ziffern sauber gesetzt. Die skelettierten Zeiger sind sauber mit ebenfalls beigefarbener Leuchtmasse ausgelegt. Das Markenlogo ist auf 12 Uhr in gebürstetem Metall aufgelegt. Die Verarbeitung ist wertig, und die Farbe erst!

Gewölbtes und entspiegeltes Saphirglas. © Thomas Gronenthal

Gehäuse & Armband

Das Gehäuse mit einem Durchmesser von 44 Millimetern und einer Höhe von 12 Millimetern ist sauber und gut verarbeitet. Die Lünette ist nach innen gewölbt und poliert, die Flanken des Gehäuses sind mattiert, die Oberfläche der Bandhörner poliert. Auch die Verarbeitung zwischen den Bandhörnern ist einwandfrei. Die Krone ist eine typische Fliegerkrone, sauber graviert mit dem Markenlogo. Die Bedienung ist einwandfrei, die Krone rastet sauber und erlaubt einen problemlosen Handaufzug. Der mit einem Sichtglas versehene Boden ist verschraubt und dichtet die Uhr bis 50 Meter Wasserdichte ab. Das obere Deckglas besteht aus Saphirkristall und ist mit einer Entspiegelung versehen. Die Ablesbarkeit ist daher optimal.

© Thomas Gronenthal

Das Armband ist aus vegetabil gegerbtem Leder, und weicher als manch Lederhandschuh. Es trägt sich hervorragend, hat eine perfekte Länge auch für stärkere Handgelenke. Die Dornschließe aus Edelstahl ist mit dem Markennamen Constantin Weisz versehen.

Werk & Gangwerte

Wie bei manchen Modellen in den letzte Jahren greift Constantin Weisz bei der Big Pilot auf ein historisches Uhrwerk aus einem alten Lagerbestand zurück. Zum Einsatz kommt das ETA 6498, das sein Leben als Taschenuhrwerk bei dem Hersteller Unitas begann. Das Uhrwerk wird bis heute noch gebaut, entwickelt wurde das sogenannte Savonnette-Kaliber jedoch in den 1950er Jahren. Besonders bekannt wurde es Anfang der 1990er Jahre, als Panerai nahezu alle Modelle der neuen Linie damit bzw. mit dem direkten Verwandten 6497 ausstattete. Der Durchmesser von 19 Linien macht es perfekt für Flieger- und große Uhren. Das hier verbaute Werk sollte nach 1995 gebaut worden sein, gemäß der Punzierung als ETA 6498 und mit dem Zusatz 6498-1. Typisch für die damaligen Versionen ist die Hammerschlag-Verzierung der Brücken und Kloben, ansonsten kommt das Kaliber schmucklos daher. Dennoch, dank des großen Bodenglases, ist das Werk eine Schau. Auf dem Boden findet sich auch der Verweis auf die Limitierung: Aufgrund der begrenzten NOS-Werkbestände werden nur 99 dieser Uhren gebaut.

ETA 6498 in voller Pracht. © Thomas Gronenthal

Noch faszinierender als der Blick auf das Werk ist die Gangprüfung: Die Uhr erreicht in liegender Lage auf der elektronischen Zeitwaage eine Abweichung von genau Null. Bei einer hervorragenden Amplitude von knapp 300 Grad. Auch in den anderen Lagen ist die Abweichung nicht höher als plus drei Sekunden / 24 Stunden. Das ist ein hervorragendes Ergebnis, das Beste, das eine Testuhr bisher aus dem Stand geschafft hat und ein Zeichen dafür, zu was eine Konstruktion aus den 1950er Jahren in der Lage ist. Aufgrund des robusten Aufbaus ist zudem damit zu rechnen, das diese Ergebnisse auch in 5 Jahren noch perfekt sein werden. Die Gangreserve des Uhrwerks mit 18.000 Halbschwingungen der Unruh pro Stunde beträgt 46 Stunden.

Auch nachts lesbar! © Thomas Gronenthal

Watchthusiast-Fazit:

Ausgerechnet 1-2-3.tv – nun, ich kann es mir nicht aussuchen. Die Constantin Weisz Big Pilot jedenfalls ist eine gelungene Uhr. Zum einen gefallen das Zifferblatt und die Zeiger – eine klassische Flieger-Optik, wie es sie auch von Unternehmen wie Zenith genutzt wird – zum andere ist das ursprüngliche Taschenuhrkaliber nicht nur extrem präzise, sondern auch etwas durchaus besonderes. Es ist ein Schweizer Uhrwerk, die gesamte Uhr ist Made in Germany und bietet alle Ausstattung, die auch einer wesentlich teureren Uhr gut zu Gesicht stehen. Apropos – 999 Euro stehen als Startpreis für die Auktion an, vorab wurden auf der Website 780 Euro als Sofortkauf-Preis angegeben. Durch das Verkaufsmodell des Senders dürfte die Uhr in der Livesendung noch etwas günstiger werden und ist mit einem Preis zwischen 650 und 750 Euro ein guter Kauf für einen Uhrensammler, der kein Vermögen ausgeben will, aber auch keine Marken mit zweifelhafter Herkunft kaufen will. Ach ja – die Premiere für Constantin Weisz bei 1-2-3.tv ist am 19. Dezember 2019 von 19 bis 21 Uhr und von 22 bis 24 Uhr, die hier getestete Uhr wird ebenfalls dabei sein. Viel Glück für alle Uhrenfreunde!

© Thomas Gronenthal

Die Zukunft hält im Übrigen laut Dirk Motz noch einige interessante Überraschungen bereit. Eine davon wird ein Chronograph, speziell für Segler, in einer limitierten Auflage von 67 Stück, ausgestattet mit einem Valjoux 7767. Die Voransichten sind begeisternd – ich bin gespannt auf die Uhr!

© Constantin Weisz

2 Comments

  1. Tatsächlich besitze ich auch einige Uhren dieser Marke. Eine Uhr mit historischem 7733 Valjoux Chronograph, und eine dem Flügeltüren-SL gewidmete Uhr mit ebenfalls historischem Handaufzug. Alle Uhren sind sehr gut gebaut, und zuverlässig. Der neue Sender ist nicht meins, aber die Uhren snd gut.

  2. Oha. Zeit für Dr. Strohmeyer, sich mit seinen hübschen Ührchen bisschen anzustrengen…

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