Test: Cari Holzuhr Mailand

Die Hersteller der Uhrenwelt übertreffen sich regelmäßig bei der Auswahl der Gehäusewerkstoffe. Titan ist lange ein alter Hut, Keramik ist längst in der breiten Masse angekommen, Tantalium und Palladium werden eingesetzt. Und auch Holz.

Holz? Ein natürlicher Werkstoff für ein Uhrengehäuse? Manch Hersteller hat dieses Experiment in den letzten zwei Jahren versucht, Cari ist erst vor kurzem gestartet.

Ahorn- und Sandelholz prägen die Cari Mailand. © Thomas Gronenthal

Das junge Unternehmen sitzt in Bayern und sieht Holz als eines der wunderbarsten Materialien, das uns die Natur geschenkt hat. Es strahlt Natürlichkeit und Wärme aus, belastet den Träger nicht, und vernichtet keine Ressourcen durch die aufwendige Gewinnung von Stahl oder anderen Metallen. Zudem unterstützt Cari die Arbeit von OroVerde zur Aufforstung von Wäldern. Von jeder verkauften Uhr werden Teile des Erlöses dazu gespendet.

© Thomas Gronenthal

Ganz ohne Stahl geht es bei dem Modell Mailand aber dennoch nicht: Die wertige Doppelfaltschließe des ebenfalls aus Holz gefertigten Armbandes besteht aus Stahl, ebenso der Uhrenboden und der Abstandsring des Uhrglases. Das wiederum besteht aus künstlichem Saphir und sorgt so für besten Schutz vor Kratzern.

Das Design ist klassisch, das Gehäuse mit einem Durchmesser von 43 Millimetern rund, das Band besteht aus dreiteiligen Holzgliedern. Beim ersten haptischen Kontakt erstaunt das Gewicht: Die Uhr aus Ahornholz ist federleicht, wirklich federleicht. Ob der Größe erwartet man mehr in der Hand als die knapp über 50 Gramm. Am Handgelenk indes spielt die Uhr die vollen Vorteile des Gewichtes aus: Das Holz ist sofort körperwarm und leicht, die Uhr verschmilzt trotz des Durchmessers mit dem Arm.

© Thomas Gronenthal

Das Zifferblatt unter dem Saphirglas besteht ebenfalls aus Holz. Hier kommt schwarzes Sandelholz zum Einsatz, die Maserung ist wunderbar sichtbar. Silberne Indexe und Zeiger heben sich ausreichend ab, es ist ja keine Instrumentenuhr, die auch unter widrigen Bedingungen abgelesen werden soll. Für den Alltag reicht es völlig. Das Band hat eine Breite von 18 Millimetern und wirkt an der großen Uhr zu schmal. Zwei Millimeter mehr beim Band oder wahlweise zwei weniger beim Durchmesser täten der Optik gut.

Als Antrieb kommt ein Schweizer Ronda-Quarzuhrwerk zum Einsatz. Es ist robust und bewährt, ein Batteriewechsel ist leicht zu bewerkstelligen. Allerdings sollte die Cari Mailand dringend vor Wasser geschützt werden. Unter dem mit vier Mini-Kreuzschrauben gesicherten Boden verbirgt sich keinerlei Abdichtung. Dabei wäre es kein wesentlicher Aufwand, eine Nut zu fräsen und einen O-Ring einzulegen.

Leider findet sich überhaupt keine Abdichtung gegen eindringende Feuchtigkeit. © Thomas Gronenthal

Mehr als Design und Technik ist aber auch die Philosophie hinter der Holzuhr entscheidend. „Because the perfect time is now.“, so lautet der Slogan von Cari. Die Markenbotschaft setzt ein Zeichen gegen das hektische Streben unserer Zeit und für den Genuss des aktuellen Moments. Das natürliche Material ergänzt diesen Ansatz, zumal sich Cari ein Zeichen gesetzt hat: Bis 2020 sollen im Regenwald Lateinamerikas 100.000 neue Bäume gepflanzt werden. Das Ziel ist es wert, unterstützt zu werden.

Gehäuseflanke im Detail. © Thomas Gronenthal

Watchthusiast-Fazit: Wer Holz und einen alternativen Look liebt, ist mit der Cari Mailand gut bedient. Die Uhr ist disruptiv in allem: Material, Gewicht, Philosophie. Der Kaufpreis von 129 Euro ist da eher ein symbolischer Beitrag zum Eintritt in die Welt der Nachhaltigkeit. Wie nachhaltig indes die Uhr tatsächlich ist – also welche Lebensdauer zu erwarten ist – wird sich erst später herausstellen. Wie alle zeitgemäßen Brands ist aus Cari auf den wichtigsten Social Media-Kanälen der Welt präsent: Instagram und Facebook.

Die Box besteht aus Bambusholz, ein schönes Detail der Cari. © Thomas Gronenthal

Der Gehäuseboden ist mit Slogan und Markennamen graviert. © Thomas Gronenthal

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