Review: Constantin Weisz Concorde Chronograph

Wie ein Flugzeug der Superlative und ein automatisches Chronographenwerk zusammenfanden

Diese Geschichte und damit auch der Test wird ein wenig persönlicher. Neben meinem Dasein als Uhrenblogger sammele ich allerlei Dinge, darunter auch Teile von historischen Flugzeugen.

Mein Büro: Links ein Rumpfteil der MiG 21, und friedlich daneben die Lockheed. © Thomas Gronenthal

An meiner Bürowand hängen Rumpfteile einer MiG 21, gleich neben dem Ende einer Tragfläche der Lockheed T-33 Shooting Star. Ein Flugzeug aber hat mich immer besonders fasziniert: Die Concorde.

Die Aérospatiale-BAC Concorde – französisch für Eintracht – war das erste Überschall-Passagierflugzeug im Linienflugdienst und wurde von Air France und British Airways über den Zeitraum von 1976 bis 2003 betrieben. Die Flugzeit auf ihren wichtigsten Strecken über den Atlantik zwischen Paris beziehungsweise London und New York betrug mit etwa 3 bis 3,5 Stunden rund die Hälfte im Vergleich zu modernen Unterschallflugzeugen, ihre Flughöhe lag bei bis zu 18.000 m (60.000 ft). Und wie der Zufall es will: Bei der großen Auktion, bei der etliche Teile des berühmten Flugzeuges versteigert wurden, habe ich mir einige Turbinenschaufeln der Olympus 593-Triebwerke von Rolls-Royce (Bristol Siddeley) und SNECMA sichern können. Und bei einem Gespräch mit Dirk Motz, dem Inhaber von Constantin Weisz, erzählte ich ihm von dem Traum, diese Schaufeln in eine Uhr einzubringen. Die Antwort von Dirk Motz fiel knapp aus: Warum nicht?

© Eduard Marmet

Und heute erhalte ich einen Alukoffer in Handgepäckgröße, der etwas Besonderes enthält: Meine Turbinenschaufel. Sie hat sich verändert und wurde zu einer Innenlünette einer Armbanduhr.

Der Alukoffer als Verpackung – als Handgepäck zugelassen! © Hersteller

Ein Lächeln kann ich mir nicht verkneifen – damit wird wirklich ein Traum wahr. Dennoch, als Blogger und Journalist muss ich mich den harten Fakten widmen:

40 Millimeter Durchmesser, Edelstahl mit Saphirglas, ein sattes Gewicht und die Form einer klassischen Omega aus den 1970er Jahren. Die Constantin Weisz Concorde weiß optisch Akzente zu setzen, die perfekt in die Zeit der ersten Linienflüge des Überschalljets passen.

Der Ring um das Zifferblatt besteht aus dem Material der Concorde. Darunter: Eine noch übrige Turbinenschaufel des Rolls-Royce- Triebwerks. © Thomas Gronenthal

Das Uhrwerk hingegen ist modern: Ein Swiss Made-ETA 2892-A2 mit einem Chronographenmodul. Und das stammt aus einem der bekanntesten Spezialateliers der Schweiz: Dubois Dépraz. Das Modul DD2079 zeigt eine laufende Sekunde auf drei Uhr, eine 24-Stunden-Indikation auf neun Uhr, sowie einen Sekunden- und Minutenchronograph aus der Mitte. Das Uhrwerk wurde ursprünglich für Carl F. Bucherer gebaut – für den Einsatz in Uhren der Haute Horlogerie. Constantin Weisz konnte sich eine kleine Menge dieser Uhrwerke mit 47 Lagersteinen und einer komplexen Chronographenfunktion sichern. Auf dem offenen Markt werden solche Werke nicht in immensen Stücken verkauft – soviel steht fest.

© Thomas Gronenthal

Bei aller Emotion widme ich mich den Fakten: Das Gehäuse mit einem Durchmesser von knapp 42 Millimetern Durchmesser ist sehr sauber verarbeitet, alle Gläser sitzen satt in den Dichtungen, der verschraubte Boden zeigt das wunderschön dekorierte Uhrwerk. Die Uhr ist wasserdicht bis 50 Meter, die Bauhöhe beträgt 15 Millimeter, die dem komplexen Uhrwerk geschuldet sind. Das Zifferblatt ist schwarz und mit sorgfältigen Drucken und applizierten Indexen sehr gut verarbeitet. Auf neun Uhr findet sich eine 24-Stunden-Anzeige, auf drei Uhr die laufende Sekunde. Das Datum bei sechs weist mit einem roten Pfeil auf den aktuellen Tag hin.

Der leicht gelblich schimmernde Ring um das Zifferblatt ist aus dem Material der Concorde-Turbinenschaufeln gefertigt – eine extrem zähe Legierung mit hohem Titananteil, hitzeresistent und formstabil und dabei ultraleicht. Die äußere Lünette trägt eine gravierte und mit rot-schwarzer Farbe gefüllte Tachymeter-Skala zur Messung der Geschwindigkeit mithilfe des Stoppsekundenzeigers.

Zusammen mit der französischen SNECMA wurde das Olympus 593 für die Concorde entwickelt, die Bristol Engine Division von Rolls-Royce entwickelte das Rumpftriebwerk, der Nachbrenner und andere Teile kamen aus Frankreich. Im November 1965 liefen die für den Prototyp der Concorde vorgesehenen Triebwerke auf dem Boden. Der Schub mit Nachbrenner betrug 169,2 kN pro Triebwerk – vier davon waren unter den Deltaflügeln angebracht und ermöglichten eine Reisegeschwindigkeit schneller als der Schall.

© Thomas Gronenthal

Die Bearbeitung des zähen Stoffes für die Uhren war nicht einfach, soviel hat mir Dirk Motz verraten. Eine einzige Turbinenschaufel ist in meiner Sammlung noch übrig – eingerahmt mit einem Modell der Concorde.

Das Uhrwerk trägt volle Schliffe, alle Teile sind fein bearbeitet. Eine Chronometer-Unruh ist eine Selbstverständlichkeit bei dieser Qualität, blaue Schrauben erfreuen das Auge zudem. Die Gangwerte, die auf der elektronischen Zeitwaage angezeigt werden, sind ebenso die eines Chronometers: Mit maximal plus drei Sekunden Vorgang bei besten Amplituden sind die Werte hervorragend.

© Thomas Gronenthal

An den Arm kommt die Uhr mit einem robusten, hochwertigem Band aus Echtleder, die Schließe aus gebürstetem Edelstahl trägt das Markenlogo von Constantin Weisz. Es ist weich und trägt sich sehr gut, im Falle eines Bandwechsels ist ein Tausch leicht – denn CW verwendet Standardmaße.

© Thomas Gronenthal

Watchthusiast-Fazit:

Da die Uhr bei 123.tv verkauft werden wird, steht der finale Preis noch nicht fest. Das ergibt erst die Rückwärtsauktion. Sicher aber ist: Carl F. Bucherer verkauft dieses Uhrwerk in einem Edelstahlgehäuse für 5.300 Schweizer Franken. Und dabei handelt es sich um eine Uhr, die nicht limitiert ist – die Concorde-Uhr wird es nur in einer Stückzahl von 76 Uhren geben. Nur ein weiterer Hersteller aus England hat eine Uhr im Programm, die ebenfalls historische DNA der Concorde trägt: Die Bremont Supersonic Edelstahl mit einem Manufakturwerk zu einem Preis von – Achtung – 10.895 Euro.

Insofern ist ein zu erwartender Preis von 3.000 bis 4.000 Euro bei der Constantin Weisz mehr als nur fair – denn neben einzigartigem Material des schnellsten Passagierflugzeuges im Liniendienst bekommen Uhrenfans auch ein außergewöhnliches Uhrwerk, gebaut für einen der besten Juweliere und Uhrmacher der Welt, in einem edlen und bestens verarbeiteten Gehäuse. Das ist eine Sünde wert, nicht nur für mich, der davon seit Jahren schon geträumt hat!

Der berühmteste Passagier des schnellen Jets auf seinem Stammplatz: Fred Finn, der nun auch die limitierte Concorde-Edition von Constantin Weisz trägt und die Zertfikate unterschrieben hat. © Privat

Die Zertifikate der Uhren wurden übrigens von einem berühmten Passagier der Concorde unterzeichnet: Fred Finn. Der britische Geschäftsmann war 718 mal als Fluggast an Bord der Concorde und steht damit im Guinness Buch der Rekorde. An einem Tag saß er sogar auf dem Platz des Bordingenieurs, während die Passagiersitze ausgebucht waren.

2 Comments

  1. Peter Meinhardt 12. Februar 2021 um 18:05

    Das ist eine interessante Uhr! Ich bin selber Ingenieur bei Airbus, und dieses Material – welche genaue Legierung, da die unterschiedlich sind – ist schwer zu bearbeiten. Der Gedanke hat was, einen Meilenstein der Fluggeschichte tragen zu können. Gelungen!!

  2. Aber es ist eben doch nur eine Constantin Weisz. Irgendwie passt das Logo und die Anordnung nicht.

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