Gestern Basel, heute Guangzhou

Teil 1 der großen Plagiate-Story

Die Baselworld hat erst vor wenigen Wochen ihre Tore für dieses Jahr geschlossen, die Neuheiten stehen bereits beim Juwelier zum Verkauf. Und das nicht nur bei Konzessionären in erster Lage – auch das Internet offeriert die ersten Baselworld-Neuheiten, allerdings „Made in China“.

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Kaum auf der Basler Messe, schon sind die Uhren auch schon als Plagiat zu haben. Diese IWC MARK XVIII gibt es für 338 US-Dollar plus Versand, im Inneren tut ein kopiertes ETA 2892 seinen Dienst.

Plagiate haben in den vergangenen Jahren eine erstaunliche Evolution durchschritten. Was noch billigster Schund an den Stränden dieser Welt war, kann mittlerweile nicht nur auf den ersten, sondern auch den zweiten Blick täuschen.

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Das nachgebaute ETA 2892. Das Uhrwerk wird sogar legal nachgebaut – der Patentschutz auf das ETA-Werk ist ausgelaufen. Nur die Gravuren dürften so nicht sein….

Nicht nur im Tagesgeschäft der Pfand- und Leihhäuser sorgt das mittlerweile für Probleme, wenn kaum zwischen echter und gefälschter Ware unterschieden werden kann. Auch immer mehr professionelle Verkäufer im Zweitmarkt fallen auf gefälschte Uhren herein. Noch immer gibt es verschiedene Qualitätsstufen der Uhren, die aus Asien weltweit exportiert werden. Eine Vielzahl davon verfügt nach wie vor über klassische Fehler und können sehr schnell als Repliken enttarnt werden. Doch einige Hersteller in China haben sich spezialisiert und stellen sogenannte Super-Reps her. Diese Uhren sind täuschend ähnlich, passende Verpackungen und sogar entsprechend nummerierte Papiere sind gegen kleine Aufpreise ebenso erhältlich.

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Auch diese Breitling am Kautschukband ist nicht Swiss Made – im Inneren arbeitet der Nachbau des Valjoux 7750. ©Thomas Gronenthal

Schnell und immer besser

Erstaunlich ist dabei die Geschwindigkeit, mit der die Fälscherfabriken neue Modelle auf den Markt bringen. Die größten Sprünge hat diese Industrie der dunklen Seite dabei in den letzten fünf Jahren gemacht. Zum einen erleichtern qualitativ höherwertige Uhrwerke größerer Hersteller wie Seagull oder Hangzhou das Fälschen ganzer Uhren. Nahezu alle gängigen Kaliber von ETA werden nachgebaut, der Patentschutz der Originale ist ausgelaufen. Für Plagiate allerdings werden die Werke teilweise mit einer Punze von ETA versehen, was das Werk wiederum illegal werden lässt. Auch echte ETA-Werke, sowohl neu wie auch gebrauchte und instandgesetzte Werke werden verbaut. Qualitativ gute Nachbauten gibt es vom ETA 2824-2, 2836-2 – teilweise ergänzt mit einer GMT-Funktion mit einem dritten Zeiger – auch das 2892-2 wird nachgebaut, ebenso das ETA-Valjoux 7750 sowie die Varianten mit Kalender (7751) oder das Tricompax-Werk 7753. Für großvolumige Uhren stehen auch gefälschte Valgranges-Werke auf der Basis des 7750 zur Verfügung.

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Was ist was – einmal Rolex 3135 „Swiss Made“ und „China Made“. ©Redaktion

In der nächsten Folge: Eigene Uhrwerke – warum ein Rolex Kaliber 3135 nicht immer „Swiss Made“ ist….

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