Review: HEAD Prestige HE-009-06 Limited Edition

Vom legendären Tennisschläger zur Uhr

Im Jahr 1987 stellte der Sportartikelhersteller Head einen besonderen Tennisschläger vor: Den Prestige Pro, mit dem Tennisspieler wie Goran Ivanisevic, Henri Leconte, Thomas Muster und Emilio Sanchez legendäre Erfolge erzielten. Mit einer eigenen Uhr zollt Head diesem Schläger Respekt in einer Limited Edition von jeweils 2017 Uhren. Getestet wird hier die HE-009-06 mit schwarz-rotem Zifferblatt und einer ebenso gefärbten Lünette.

Henri Leconte mit Head-Schläger.

Es ist eine Sportuhr durch und durch: ausgestattet mit einem Automatikwerk von Seiko: Das Kaliber NH35 mit Handaufzug und Sekundenstop. Das Gehäuse mit Schraubkrone und -boden ist wasserdicht bis 100 Meter, das Band ist aus Edelstahl und massiv, inklusive der Anstöße am Gehäuse.

© Thomas Gronenthal

Gehäuse & Band

Das Uhrengehäuse besteht wie das Band aus massivem Edelstahl. Das Gehäuse ist recht gut verarbeitet, die Gläser sind sauber eingesetzt. Insgesamt erreicht die Uhr mit verschraubtem Boden und Aufzugskrone 100 Meter Wasserdichte: Das reicht zum Schwimmen und Baden nach anstrengenden Tennismatches. Das Armband besteht ebenso aus massivem Edelstahl, fällt in der Qualität allerdings zum Gehäuse ab. Die Glieder wirken zwar mehrteilig, sind jedoch einteilig, an den Kanten ist der schmerzhafte Entstehungsprozess durch Stanzen noch sichtbar. Auch die Faltschließe mit seitlichen Entriegelungsdrückern ist eher blechern. Freunde von top-verarbeiteten Bändern sollten vielleicht auf ein NATO-Strap zurückgreifen, was beim Match für einen ebenso sicheren Halt sorgen sollte.

Die Lünette hingegen ist sauber ausgerichtet und rastet präzise, ebenso ist die Verschraubung der Krone sauber ausgeführt. Das Deck- wie auch das Bodenglas besteht aus Mineralglas, eine Lupe über dem Datum erlaubt eine verbesserte Ablesbarkeit des Datums. Ach ja – die Maße: Der Durchmesser beträgt 44 Millimeter bei einer Höhe von 13 Millimetern, der Bandanstoß beträgt 20 Millimeter.

© Thomas Gronenthal

Zifferblatt / Zeiger

Das Zifferblatt ist satt schwarz lackiert mit matter Oberfläche, die Indexe sind in rot gehalten. Auch die Leuchtmasse in den geschwärzten Zeigern ist in rot gehalten – beides leuchtet sogar, allerdings ist die Nachleuchtwirkung eher schwach. Dennoch setzt das farbliche Ensemble einen Akzent und weiß zu gefallen. Es ist sportlich, auffällig und trotzdem gut ablesbar – zumindest bei Tageslicht. Die Zeiger hätten generell einen Millimeter mehr Länge vertragen können, um ideale Ablesbarkeit zu ermöglichen. Aber auch so – im Alltag reicht die Lesbarkeit vollkommen aus.

© Thomas Gronenthal

Werk & Gangwerte

Als Antrieb nutzt die Head Prestige ein Kaliber von Seiko Instruments – das NH35. Das Uhrwerk geht in der Basis auf die 1970er Jahre zurück, wurde über die Jahre jedoch überarbeitet und bietet alles, was nötig ist: Neben dem Sekundenstopp kann das Uhrwerk auch per Hand aufgezogen werden. Das Uhrwerk arbeitet mit 21.600 Halbschwingungen pro Stunden und ermöglicht so einen recht flüssigen Lauf des Sekundenzeigers. Die Ganggenauigkeit ist gut: Mit knapp 9 Sekunden Vorlauf am Tag im Tragetest ist es genau genug für den sportlichen Alltag, auf der Zeitwaage bestätigt sich der Eindruck. Mit in allen Lagen weniger als 15 Sekunden Vorgang ist das Werk gut reguliert und besser als die Werksangaben. Seiko bzw. die Tochter TMI Time Module geben eine Ganggenauigkeit von minus 20 bis plus 40 Sekunden pro Tag bei einer Referenztemperatur von 23 Grad Celsius ± 2°C an.

© Thomas Gronenthal

Härtetest: Tennismatch

Head Prestige Automatic während eines herbstlichen Testspiels.

Was als Uhr von einem Sportartikelhersteller produziert wurde, muss auch durch sportlichen Einsatz: Mit einem Tennismatch über drei Sätze testen wir die Robustheit der Head Prestige, als Zaungast ist eine Zeitwaage dabei. Bei Beginn des Matches werden die Gangwerte mit der elektronischen Zeitwaage gemessen: Die Amplitude beträgt Seiko-typisch 235 Grad in der Lage Zifferblatt oben, die Abweichung beträgt plus 7 Sekunden/24 Stunden.

Nach drei anstrengenden Sätzen messen wir erneut: Die Amplitude beträgt jetzt 256 Grad, die Abweichung ist auf plus 12 Sekunden / 24 Stunden angewachsen. Der Graph zeigt, das dem Uhrwerk in den letzten 70 Minuten hart mitgespielt wurde. Erst nach einigen Minuten Ruhelage beruhigt sich das Uhrwerk wieder und zeigt eine Gerade mit geringer Steigung. Der Test zeigt: Ein Match macht der Head Prestige nichts aus.

Watchthusiast-Fazit:

Die Head Prestige in dieser Ausführung kostet 269 Euro, in der limitierten Auflage von 2017 Uhren, einzeln nummeriert. Für begeisterte Tennisspieler eine schöne und thematisch passende Uhr, die auch einen sportlichen Einsatz ebenso wie eine kräftige Dusche danach ohne Probleme mitmacht. Für weniger als 300 Euro kann keine Haute Horlogerie erwartet werden, soviel ist klar – und das ist vor allem am Armband zu spüren. Auf der anderen Seite kosten manche Uhren aus dem Mode-Markenumfeld mehr Geld bei ähnlicher Leistung – und meist nur mit einem Quarzwerk. Da das Farbschema der Head Prestige eine ideale Sommer- und Sportuhr abgibt, das Gehäuse, Uhrwerk und Gangwerte zweifellos von guter Qualität sind, bleibt nur ein Urteil: Set, Game and Match!