Review: Nordgreen Pioneer Chronograph

Es muss nicht immer Mechanik sein – als „Daily Rocker“ macht die Pioneer eine gute Figur

Zugegeben, dieser Blog ist sehr mechanik-lastig – aber jeder Uhrenfan nennt zumindest auch ein oder zwei Quarzuhren sein Eigen. Design aus dem hohen Norden erfreut sich dabei wachsender Beliebtheit, und eine Marke aus Kopenhagen ist seit 2017 im Markt und zeichnet sich besonders durch das Design aus. Mit der Nordgreen Pioneer gewann das Team um die beiden Gründer Pascar Sivam und Vasilij Brandt den Red Dot Award 2020. Das Design der Pioneer stammt von Chefdesigner Jakob Wagner, der bereits Produkten von Bang & Olufsen, Hay, B&B Italia und Cappellini seinen Stempel aufgedrückt hat.

Dabei arbeitet Nordgreen unter strengen eigenen Auflagen: Zum einen hat man sich den Schutz der Umwelt auf die Fahnen geschrieben, zum anderen unterstützt jeder Uhrenkauf durch Spenden soziale Projekte in aller Welt. Zu den ausgewählten Maßnahmen des Nordgreen „Giving Back Programm“ wurden 6.500 Monate Bildung für Kinder in Indien ermöglicht, ebenso 23.200 Monate Trinkwasserzugang in Zentralafrika. Auch der Regenwald wurde geschützt, und Mahlzeiten für arme Menschen gekocht und ausgegeben. Transparenz ist daher ein wichtiges Kriterium – Nordgreen macht auch keinen Hehl daraus, dass die Uhren in China hergestellt werden. Die Fabrik dort ist unter dänischer Führung und erfüllt alle Ansprüche an moderne Arbeitssicherheit.

© Thomas Gronenthal

Gehäuse & Band

Die Pioneer kommt sehr chic daher – die Uhr spricht ab dem ersten Blick eine ausgeprägte Design-Sprache. Das Gehäuse mit einem Durchmesser von 42 Millimetern ist 11,9 Millimeter hoch und aus Edelstahl. Es ist in naturfarben, vergoldet oder in Gunmetal-Grey zu haben. Beim Zifferblatt stehen ebenso drei Varianten zur Verfügung. Der mit einer Lasergravur versehen Boden ist gedrückt, die Uhr erreicht eine Wasserdichte von 50 Metern. Das Gehäuse ist insgesamt gebürstet und angemessen verarbeitet, Krone und Drücker sind leicht zu bedienen. Das Glas besteht aus gewölbtem Saphir und ist damit extrem resistent gegen Kratzer.

Das Band besteht aus hochwertigem, butterweichem braunen Leder mit einer ebenfalls Gunmetal-farbenen Schließe aus Edelstahl. Dank der Schnellwechselstege kann man es in wenigen Sekunden an- und abmontieren. Der Tragekomfort durch die weit unten angesetzten Bandanstöße ist sehr gut – eine angenehme Uhr für den täglichen Gebrauch, die zudem leicht ist.

© Thomas Gronenthal

Zifferblatt & Zeiger

Das Zifferblatt ist zentraler Bestandteil des Designs und nimmt die organische Form des Gehäuses auf. Stunden- und Minutenzeiger sind in perfekter Länge und lassen sich bestens ablesen. Das Datum liegt tief in einem kleinen „Auge“, ist aber ebenso gut abzulesen. Die Zeiger sind sauber gefertigt, auch das Zifferblatt. Die Zusatzfunktion des Chronographen lässt indes etwas Zweifel an der Nutzbarkeit aufkommen: Auf neun Uhr findet sich der Minutenzähler, der keinerlei Zahl aufweist, die einen Hinweis auf die Dauer geben könnte. Nach einem gründlichen Blick fällt auf, dass es sich um einen 60-Minuten-Zähler handelt. Hier hätte sich zumindest die eine oder andere Ziffer als Ablesehilfe hin verirren können.

Beim laufenden Sekundenzeiger auf drei Uhr fällt auf, dass er nicht sauber gesetzt ist: Er trifft immer neben die aufgedruckten Indexe.

© Thomas Gronenthal

Uhrwerk & Gang

Besonders ist zunächst der Antrieb des Chronographen: Der Sekundenstoppzeiger aus der Mitte ist mit einem Schrittschaltmotor mit zwei Impulsen pro Sekunde versehen und läuft so weniger wie eine Quarzuhr, sondern eher wie eine mechanische Uhr. Der Antrieb des Minutenzähler erfolgt mechanisch, ebenso die Rückstellung. Der Blick unter den Stahlboden zeigt ein Miyota 6S21, ein zuverlässiges und ausgereiftes Uhrwerk aus dem Citizen-Konzern. Es zählt zu den hochwertigen Quarzchronographen und ist sogar reparabel, sofern ein Schaden auftreten sollte. Das Gangergebnis wird von Citizen mit plus/minus 20 Sekunden im Monat angegeben, die Lebensdauer der Batterie mit drei Jahren. Im Test konnte keine Auffälligkeit im Gang bemerkt werden, über eine Woche gewann die Uhr knapp eine Sekunde.

© Thomas Gronenthal

Preis & Leistung

249 Euro kostet die Pioneer von Nordgreen. Das ist ein fairer Preis für eine solide Quarzuhr mit einem aufwendigen Design, zumal noch etwas Gutes durch die Spendenprojekte getan wird. Der kostenlose Expressversand per UPS ist bei einem Einkaufswert ab 155 Euro zudem enthalten.

Zum Vergleich: Der Zeppelin Chronograph Los Angeles – zwar „Made in Germany“ – aber ebenso mit dem Miyota 6S21 und sonst identischen Leistungsdaten schlägt mit 299 Euro zu Buche. Ein bisschen Red Dot Design im Alltag kann also nicht schaden – und zu Weihnachten ist die Pioneer auch eine gute Geschenkidee.

© Thomas Gronenthal