Review: Theorema Zürich Tourbillon

Einsteiger-Tourbillon aus deutscher Endfertigung

Die Königsklasse der mechanischen Armbanduhr ist das Tourbillon. Das Tourbillon (franz. für Wirbelwind) vereint die Unruh und die Hemmung in einem Käfig, der sich um seine eigene Achse dreht. Die von der jeweiligen Lage der Uhr abhängige Gangabweichung sollte damit eliminiert werden. Erfunden wurde die Technologie von Abraham Louis Breguet in Paris, das Patent wurde 1801 erteilt. Wer sich den Traum einer Uhr mit Tourbillon erfüllen möchte, muss eine Summe zwischen einer Oberklasselimousine, einer Eigentumswohnung oder einem chicen Häuschen rechnen. Seit ein paar Jahren gibt es aber ein paar Tourbillon-Werke von Drittherstellern, die den Weg auch in hiesige Uhrenmodelle finden. So stammt das Basiswerk der Theorema Zürich von der Hangzhou Watch Factory und wird dort als Kaliber HZ3360A bezeichnet. Das Unternehmen baut seit 1972 Uhrwerke und gehört mit einigen anderen Kalibern wie dem Nachbau des Schweizer ETA 2824-2 zu den führenden Uhrwerkherstellern außerhalb der Schweiz und Deutschland.

© Thomas Gronenthal

Die Turmuhr in Tirana ist 1828 der Grundstein

Theorema selber ist eine Marke der Familie Tufina. Zwischen all den wohlklingenden Namen verschiedener Meisteruhrmacher wirkt der Name erst einmal fremd, auf den zweiten Blick aber zeigt sich: Die Familie hat Tradition in der Fertigung von Uhren. Die Familie kommt aus Tirana, Albanien, und gehört dort zu den einflussreichen Familien und hat einen Bezug zu Uhren seit dem frühen 19. Jahrhundert. 1828 baute ein Tufina die Turmuhr von Tirana – ein Mammutprojekt. Damit waren die Geschicke der Familie bis heute gesetzt, die beiden Brüder Enis und Erjon Tufina gründeten in 2004 die beiden Marken Pionier und Theorema. Enis Tufina lebt in Deutschland, vor den Uhren war er aktiver Fußballer.

Die Endfertigung der Uhren findet daher nicht in Tirana statt, sondern in Pforzheim – so tragen die Uhren auch das Label „Made in Germany“. Die Ausstattung der Testuhr kann sich daher auch sehen lassen: Saphirgläser oben und unten, ein aufwendig skelletiertes und ziseliertes Handaufzug-Tourbillonwerk, eine zweite Zeitzone, die sich gegen den Uhrzeigersinn auf neun Uhr einstellen lässt, gebläute Zeiger und Schrauben und eine Tag-Nacht-Anzeige auf drei Uhr. Die Uhr ist ein Hingucker, kein Zweifel – und mit einem Durchmesser von 44 Millimetern auch präsent am Arm. Das Gehäuse wie die doppelte Faltschließe bestehen aus Edelstahl 316L. Das Gehäuse ist sauber verarbeitet, komplett hochglänzend poliert, weder Ecken noch Kanten stören den Tragekomfort. Der Boden ist verschraubt, die Wasserdichte beträgt 3 ATM – also ausreichend für Spritzwasser und Regen, aber nicht zum Schwimmen oder Baden geeignet. Die Krone ist ein schönes Detail in Zwiebelform und ermöglicht eine saubere Bedienung der Uhr und einen sicheren Handaufzug.

© Thomas Gronenthal

Genauer Gang: So soll es sein

Das Uhrwerk ist tatsächlich ein echter Tourbillon mit einer zentralen Achse, der in Pforzheim remontiert und eingeschalt wird. Tatsächlich ist das Uhrwerk ein schöner Anblick, die Verarbeitung ist erstaunlich gut. Die Frequenz des mit 20 Rubinlagersteinen ausgestatteten Werkes beträgt 28.800 A/h, eher ungewöhnlich bei Tourbillons, die normal eher nicht als Schnellschwinger gebaut werden. Die Gangwerte eines Tourbillons sollten natürlich konstant gut sein – das ist hier auch der Fall. Die Abweichung der Testuhr liegt bei weniger als 5 Sekunden Vorgang auf 24 Stunden in allen Lagen. Auch nach 20 Stunden Gangdauer ist die Präzision noch hoch – knapp sieben Sekunden/Tag Vorgang.

© Thomas Gronenthal

Alle Oberflächen sind zudem sauber graviert und ziseliert, von oben wie unten ist der Anblick erfreulich. Der Handaufzug ist geschmeidig, die Gangreserve liegt bei gut 40 Stunden. Das Zifferblatt ist nur ein schmaler Ring mit applizierten Indexen, und entsprechenden Ausbuchtungen für die zweite Zeitzone und die Tag/Nach-Anzeige. Die Zeiger für Stunde, Minute und zweite Zeitzone sind gebläut – leider nicht thermisch, sondern nur blau lackiert. Hier würden wir uns echt gebläute Uhrzeiger wünschen. Leuchtmasse ermöglicht Ablesbarkeit auch in der Nacht.

© Thomas Gronenthal

Am Arm befestigt wird die Uhr mit einem Lederband, laut Beschreibung aus italienischem Leder. Der Bandanstoß an der Uhr beträgt 22 Millimeter, an der Schließe 20 Millimeter. Es trägt sich angenehm und ist weich, das geprägte Krokomuster könnte etwas edler ausfallen. Dank der Standardbreite passen aber auch 80 Prozent aller am Markt erhältlichen Armbänder – so lässt sich die Uhr schnell farblich umgestalten.

Watchthusiast-Fazit:

Der Einstieg in die Tourbillon-Klasse ist nicht günstig. Aktuell ist das Zürich Tourbillon von Theorema für 4.435 Euro zu haben. Das ist ein stolzer Preis für eine Uhr. Aber: Die Uhr ist Made in Germany und wird in Pforzheim remontiert, was man der Qualität auch anmerkt. Nicht nur ist das Werk sorgfältig geölt, sondern liefert auch sehr gute Gangwerte. Im Vergleich zu anderen Anbietern solcher Einsteiger-Tourbillons steht bei Theorema auch ein deutscher bzw. internationaler Service zur Verfügung. In einer perfekten Uhrenwelt würde die Uhr noch ab Werk mit echt gebläuten Zeigern ausgestattet sein, und ein etwas hochwertigeres Lederband mitbringen. Trotzdem – im Vergleich zu Tourbillons im Wert von Eigentumswohnungen oder Mittelklassewagen – ist das Angebot günstig, zumal tatsächlich die Tradition einer ganzen Uhrmacherfamilie hinter der Uhr steht. Und auf der Basis könnte noch mehr entstehen – ich halte mal ein Auge drauf.

Macht ganz schön was her: Der Theorema Tourbillon Zürich. © Thomas Gronenthal