Blindverkostung: Luch Einzeiger

Ein weißrussischer Exot im Kurztest

Die Blindverkostung steht bei Weinen und anderen Genussmitteln eigentlich für das bloße Probieren – ohne die Flasche, den Winzer, Hersteller oder ähnliches zu kennen. Das drehen wir um – hier steht es für eine neue Rubrik: Uhren, die bei uns landen, ohne Testuhr zu sein. Das kann vom Flohmarktfund bis zum Online-Schnäppchen alles sein. In diesem Fall eine hübsche Weissrussin!

Die Schweiz, Japan oder Deutschland und natürlich China – allen ist gemeinsam, das in diesen Ländern Uhren hergestellt werden. Aber auch die Sowjetunion hat eine eigene Uhrenindustrie gehabt – von Fabriken wie Poljot, Wostok bis zu Raketa. Einige wenige haben den Zusammenbruch der UdSSR überlebt. Eine davon ist die Minsker Uhrenfabrik „Luch“ im heutigen Weißrussland. Bis heute baut das Unternehmen Uhren und Uhrwerke, die hauptsächlich in Ländern der ehemaligen Sowjetunion verkauft werden. Auch in Deutschland kann man die Uhren bestellen, die vor allem über eBay, Amazon sowie einige wenige Händler verkauft werden.

© Thomas Gronenthal

1956 wurde die Fabrik als Minsker Armbanduhrenwerk gegründet und produzierte erfolgreich Uhren der Marke „Zarya“. Vor allem Damen- und Schmuckuhren wurden hier gebaut. Ab 1973 wurde die Produktpalette um Uhren für Kraftfahrzeuge erweitert. Das Unternehmen wurde sogar zeitweilig der einzige Zulieferer derartiger Uhren für die sowjetische Autofirma AwtoWAS und deren Lada. Nach Internetangaben beschäftigt das Unternehmen noch immer ca. 7.000 Mitarbeiter und produziert ca. eine halbe Million Uhren im Jahr.

Dabei kommen einige spezielle Modelle aus der Fabrik – darunter auch eine Serie von Einzeigeruhren, die allesamt mit dem klassischen Luch 1801.1-Handaufzugwerk angetrieben werden. Das Formwerk verfügt über 15 Steine, 21.600 Halbschwingungen pro Stunde, eine Stoßsicherung und eine Gangreserve von 38 Stunden. Das Gehäuse der Luch besteht aus Messing, mit einer matten Chromschicht überzogen. Der gedrückte Boden besteht aus Edelstahl und ist mit einem schönen Prägemuster versehen. Mangels kyrillischer Sprachkenntnisse wird man aus der Bodenbeschriftung nicht wirklich schlau – aber dafür bietet auch das Zifferblatt noch ein wenig Rätselspaß.

© Thomas Gronenthal

Es handelt sich nämlich um eine Einzeigeruhr – anstelle eines Minutenzeigers verfügt die Uhr nur über einen langen Stundenzeiger und ein deutlich skaliertes Zifferblatt. Man kann so die Zeit ablesen – nicht auf Sekunde oder Minute, aber ausreichend genau. So genau nimmt es das Werk allerdings nicht: Die Uhr, die normal in Weißrussland bestellt wurde, läuft auf der Zeitwaage schlecht. Die Amplitude ist gut, aber weder Abfall noch Abweichung sind genau reguliert, eine knappe Minute geht die Uhr am Tag vor. Das kann allerdings schnell reguliert werden. Bei öffnen des Bodens fällt der große Werkhaltering aus Plastik auf – aber bei dem Preis der Uhr ist das zu verschmerzen.

Jetzt kommt der Knaller: Weniger als 50 Euro kostet die Uhr mit Manufakturwerk im Direktimport. Für nur wenig mehr Geld kann man die Uhren auch beim deutschen Importeur mit Garantie und Gewährleistung kaufen. Und zum gelegentlich Umschnallen einfach doch viel Gegenwert bietet – wesentlich mehr, als die Uhr kostet. Insofern: Eine gelungene Blindverkostung!

2 Comments

  1. Ich habe schon einige russische Uhren von CCCP. Zum Beispiel die Aurora in zwei Design Versionen. Die habe ich sehr preiswert fuer 116 € erworben. Heute werden diese Uhren fuer teilweise ueber 5 bis 600 € bei e-bay versteigert.

  2. Allerdings finde ich es komisch, dass in manchen Uhren Sendungen der Moderator nicht eingeblendet wird. Nur um so viel Uhren wie moeglich unter den Hammer zu bringen. Typisch 133tv

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