Review: UMF Ruhla Autokinetic

Eine alte deutsche Uhrenmarke bekommt neues Leben eingehaucht

„Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt“ – die ersten zwei Zeilen der Nationalhymne der DDR kommen unweigerlich in den Sinn, wenn der Blick auf die UMF Ruhla Autokinetic fällt. Wie auch Glashütte hatte der Ort Ruhla in Thüringen eine lange Tradition im Bau von Uhren und Feinmechanik. 1874 wurde eine erste Spieluhr für Kinder produziert, 1891 begann die Fertigung der Ruhlaer Taschenuhr. Die Gründer waren die Gebrüder Thiel, Christian und Georg, die zunächst Kleinmetallartikel herstellten.

Das historische Gebäude in Ruhla. © Hersteller

1945 wurde die Produktion wieder aufgenommen – zu Kriegszeiten wurden die Fabrik für Zeitzünder-Mechanismen zweckentfremdet. 1952 erfolgte die Verstaatlichung, der Betrieb  wird in VEB Uhren- und Maschinenfabrik (Zifferblattsignet: UMF) umbenannt. Die Produktion ist nicht nur effizient, sondern die Produkte sind auch wettbewerbsfähig. 1961 wurde mit der Ruhla electric die erste elektrische Armbanduhr der DDR auf der Leipziger Messe vorgestellt. Das Werk verfügte über eine elektrisch angetriebene Unruh, ähnlich dem ESA Dynotron-Uhrwerk.

Die Ruhla electric vereint Unruh und eine Batterie. © Hersteller

Am bekanntesten allerdings und in Massen gefertigt wurden Uhren mit dem Kaliber 24 – von 1963 bis 1991 wurden mehr als einhundert Millionen Stück verkauft. Was nur wenige wissen: Der Standort Glashütte mit der Glashütter Uhrenfabrik war ab dem Jahr 1967 dem dann so genannten VEB Uhrenkombinat Ruhla unterstellt. Mehr als 10.000 Menschen arbeiten in Spitzenzeiten für den volkseigenen Betrieb.

© Thomas Gronenthal

Springen wir in die Neuzeit – heute gehört die Marke zu Pointtec, die vor einiger Zeit den in Ruhla ansässigen Betrieb Gardé nach einer Insolvenz aufkauften. Mit im Paket war auch UMF Ruhla – eine Traditionsmarke der DDR und so bekannt wie der Trabant oder Spreewälder Gurken. Und tatsächlich fiel die Entscheidung, die Marke mit neuem Leben zu füllen. Als Reminiszenz an die Ruhla electric ist das erste neue Modell eine Quarzuhr mit automatischem Aufzug. Damit ist nicht nur die Präzision gegeben, sondern auch Nachhaltigkeit: Mehrere Monate Gangreserve und lange Haltbarkeit zeichnen das von Seiko-Epson zugelieferte Kaliber aus.

© Thomas Gronenthal

Die neue Uhr mit altem Namen kommt im bis 50 Meter wasserdichten Edelstahlgehäuse, der Durchmesser beträgt 42 Millimeter. Eine Bauhöhe von nur 11 Millimetern sorgt für einwandfreien Tragekomfort. Die Verarbeitung ist einwandfrei – das Gehäuse ist satiniert, die polierten Kanten sorgen indes für manch wertigen Lichtreflex. Der Boden ist mit einem Druckdeckel verschlossen, in dem ein eingebautes Sichtfenster aus gefärbtem Mineralglas zum Betrachten des Uhrwerks einlädt. Eine Sansfil-Dichtung wurde genutzt, um den Boden abzudichten – und tatsächlich ist das Uhrwerk in einen verschraubten Metallring eingelassen.

Das Frontglas ist ebenso sauber eingepasst und ein K1-Mineralglas. Weder scharfe Kanten noch Ecken stören den haptischen und optischen Eindruck – ein wirklich gelungenes Gehäuse mit Kronenschutz und einem Drücker auf zwei Uhr. Die polierte Krone trägt das eingravierte UMF-Logo. Die Funktion des Drückers ist übrigens schnell gefunden: Erreicht der Sekundenzeiger die 12-Uhr-Markierung reicht ein Druck aus, und auf dem Zifferblatt kann die Gangreserve des Uhrwerks abgelesen werden. Maximal werden bis zu sechs Monate erreicht.

© Thomas Gronenthal

Eine Augenweide ist das Zifferblatt: Es trägt einen makellosen Sonnenschliff sowie aufwendig von Hand applizierte und polierte Indexe. Und das gilt nicht nur für die 5-Minuten-Indexe – dazwischen finden sich je auch vier kleine Kugelindexe in poliertem Metall. Auf drei Uhr ist das Datum zu finden. Auffällig ist die extrem gute Verarbeitung, die auch für den Zeigersatz gilt. Stunden- und Minutenzeiger sind mit Leuchtmasse gefüllt, der Sekundenzeiger ist teilweise weiß lackiert. Die Ablesbarkeit ist unter allen Lichtverhältnissen sehr gut, auch in der Nacht strahlen die Zeiger hell und gut sichtbar. Ein kleines Bonbon: Die Zeiger leuchten in blau, während die Indexe in grüner Leuchtfarbe strahlen.

Der äußere Rand des Zifferblattes ist mit der Energiestands-Skala bedruckt, die verschiedenen Brauntöne passen perfekt zum beige-goldenen Zifferblatt.

© Thomas Gronenthal

Das Uhrwerk kommt aus Japan: Das PX82A stammt von Seiko-Epson. Der Pionier für Quarzuhren mit Selbstaufzug produziert diese Werke bereits lange, sie sind bewährt, extrem genau und verfügen über eine lange Gangreserve. Insgesamt werden sechs Lagersteine im Werk verbaut. Der optische Eindruck ist dank des Rotors der eines Automatikwerks – wenngleich die Bewegungen und das Geräusch des Rotors zeigen, dass hier ein kleiner Generator für die Aufladung des Kondensators sorgt.

An den Arm kommt die Uhr mit einem ebenso speziellen Band: Das handgefertigte Kalbslederband im Baseballhandschuh-Look stammt von Horween aus den USA, es trägt sich hervorragend und ist von bester Qualität. Die Schließe ist massiv, aus Stahl und mit dem Firmenlogo graviert. Das UMF-Logo findet sich ebenso auf der Oberseite des Lederbandes – ihre Identität trägt die UMF Ruhla stolz zur Schau. Ein Schnellwechselsystem macht den Bandtausch zum Kinderspiel.

© Thomas Gronenthal

Watchthusiast-Fazit:

Insgesamt ist die autokinetische Wiedergeburt von UMF Ruhla ein stimmiges Gesamtpaket. Die Qualität ist sehr gut und spricht für die sichere Hand im Design wie der Umsetzung durch PointTec. Damit verbunden ist auch die passende Herkunft: Diese Uhr ist „Made in Germany“.

Das robuste Uhrwerk sorgt nicht nur für sicheren Betrieb, sondern vor allem für eine Uhr, die als sportlich-edler „Daily Rocker“ den Herausforderungen des Alltags gewappnet ist. Aktuell ist die Uhr über den Webshop sowie die Sendungen von 123tv zu haben – im Internet steht ein Preis von 427 Euro. Über das Rückwärtsauktionsmodell ist ein endgültiger Preis darunter zu erwarten – und alles, was um 350 Euro liegt, ist ein mehr als fairer Preis für diese Uhr. Selbst 427 Euro wären ein sehr guter Preis – sofern noch ein Saphirglas anstatt des K1-Mineralglases verbaut würde. Das ist aber auch der einzige Wunsch, der sich noch ergeben könnte. Ansonsten darf man gespannt sein, auf welchen weiteren Uhrenmodellen der traditionsreiche Name „UMF Ruhla“ noch in Zukunft zu finden sein wird.

Apropos: Diese Uhr ist in verschiedenen Farben zu haben, auch mit einem sehr schönen Zifferblatt mit Farbverlauf. Auch ein Milanaiseband mit Faltschließe gibt es als Variation zum Lederband.