Review: Anonimo Nautilo 42 mm Vintage

Der Traum von Capri - italienische Urlaubsstimmung am Handgelenk

Das ist selten – ich packe eine Testuhr aus und fange an zu träumen. Diese Zifferblattfarbe! Meine direkte Assoziation ist Capri, die Insel in der Bucht von Neapel. Die Farbe des Wassers dort hat viel Ähnlichkeit mit dem blauen Zifferblatt der Nautilo Vintage mit dem leicht grünen Einschlag. Kein Wunder, das Capri auch den Hintergrund zum Fotoshooting bietet: Wenn die Insel schon nicht in Reichweite liegt, dann wenigstens ein Klassiker unter den Stieleis-Varianten mit demselben Namen.

Was für eine Farbe…. herrlich! © Thomas Gronenthal

23 Jahre Anonimo

2017 wurde Anonimo 20 Jahre alt, gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1997. Der Gründer, Federico Massacesi, wollte die florentinische Uhrmacherkunst wieder aufleben lassen und weiterentwickeln. Heute sitzt Aldo Magada am Ruder des Unternehmens – kein Unbekannter in der Uhrenindustrie. Nach Tätigkeiten bei der Swatchgroup, Ebel, Gucci und anderen Marken wurde er CEO von Zenith, seit 2018 ist er verantwortlich für die Marken Anonimo und Vulcain.

Je nach Licht changiert die Farbe leicht. © Thomas Gronenthal

Tragekomfort: Sehr gut

Der Standort Florenz indes ist nicht unbekannt für Uhren: Panerai machte die Stadt zum Standort der italienischen Uhrmacherszene. Später zog Panerai in die Schweiz und hinterließ einige sehr erfahrene Handwerker in Italien, die schnell den Wechsel zu Anonimo vollzogen. Und tatsächlich – das hochwertige Gehäuse der Nautilo erinnert mit der Kissenform an die charakteristischen Uhren von Panerai. Dabei ist die Gehäusegröße allerdings deutlich tragbarer und alltagstauglicher als die Uhren von Panerai, was auch an den heruntergezogenen Bandanstößen und der ungewöhnlichen Kronenposition auf knapp vier Uhr liegt. Damit schmiegt sich die Nautilo an den Arm. Die Referenz AM-5019.06.103.M01 hat einen Durchmesser von 42 Millimetern und ist wasserdicht bis 200 Meter. Damit dürfte einem Badeausflug nach Capri nichts im Wege stehen – und der Test bestätigt es: Diese Uhr ist wasserdicht. Die Krone und der verglaste Boden sind verschraubt. Die Taucherlünette ist einseitig drehbar und mit einem Leuchtpunkt ausgestattet, die Einlage besteht aus Keramik, graviert und mit Farbe ausgelegt. Sowohl die Leuchtmasse wie auch die Ziffernfarbe auf der Lünette sind leicht cremefarben – ein bisschen Vintage und sehr schön anzusehen. Saphirglas mit Entspiegelung beim Deckglas ist in dieser Uhrenklasse selbstverständlich, soll aber trotzdem erwähnt werden. Das Glas ist sauber eingepasst und gewölbt, was den Vintage-Charme noch weiter unterstreicht.

Der Kronenschutz ist satiniert mit einer polierten Kante. Auch die Krone ist individuelle und bestens zu bedienen. © Thomas Gronenthal

Satiniert und poliert

Auffallend ist die perfekte Verarbeitung der Uhr. Keine scharfe Kante stört den Eindruck, nichts wackelt – alle Passungen sind hochwertig. Das gilt auch für das Zifferblatt und den Zeigersatz, die auch unter der Lupe makellos sind. Als Leuchtmasse wird rundum Super-LumiNova verwendet, die Nachtablesbarkeit ist ebenso gut wie die Ablesbarkeit über Tag. Die Datumsanzeige wurde harmonisch auf sechs Uhr integriert.

Während der Großteil der Oberflächen satiniert sind, ist beispielsweise der Kronenschutz an der Kante poliert. Die Übergänge sind gestochen scharf. Auch der Boden ist poliert und statt mit Einschnitten zum Öffnen mit einem Zwölfkant-Profil versehen. Die Gravuren auf dem Boden wie auch der Krone sind gestochen scharf.

Massive Schließe mit Sicherheitsbügel: Satt wie ein Tresor. © Thomas Gronenthal

Das Armband mit massiven Anstößen ist im Oyster-Stil mit einer Faltschließe mit Sicherheitsbügel. Alle Teile sind massiv und gut verarbeitet, der Tragekomfort ist bestens – eine bequeme Uhr, die im Alltag zum treuen Begleiter wird. Die Bandglieder sind solide verschraubt. Ein kleiner Minuspunkt findet sich an der Schließe: Eine Taucherverlängerung, eigentlich üblich bei Taucheruhren, fehlt hier. Damit kann die Uhr nicht über einem Neoprenanzug getragen werden. Im Endeffekt ist das aber kaum ein Kritikpunkt, denn wie fast jeder SUV ist auch eine Taucheruhr heute eher im Swimming-Pool oder Beachclub zu finden. Dafür ist die Verriegelung mit Drückern sicher, der zusätzliche Bügel mit Herstellerlogo passt sich sorgfältig ein und sorgt für beste Sicherheit am Arm.

Das verzierte Uhrwerk unter Glas. © Thomas Gronenthal

Gut einreguliert: Das Uhrwerk

Als Uhrwerk kommt das Sellita SW200-1 zum Einsatz. Das Werk ist identisch zum ETA 2824-2 und damit ein Traktor im besten Sinne. Alle Oberflächen sind sorgfältig mit Perlschliff versehen, der Rotor wurde skelettiert und trägt das Anonimo-A sowie Genfer Streifenschliff. Die Gangreserve beträgt 38 Stunden und wird im Test nach Vollaufzug sogar übertroffen. Insgesamt 45 Stunden läuft die Anonimo Nautilo Vintage bis zum Stillstand. Bei den Gangwerten gibt sich das Werk ebenfalls keine Blöße: Der Uhrmacher bei der Montage hat sorgfältig reguliert. Die Amplituden liegen in allen Lagen bei Vollaufzug nahe an 300 Grad, der Abfallfehler je nach Lage zwischen 0,0 und 0,2 ms, und die Abweichung ebenso: Maximal hat die Uhr einen Vorgang von drei Sekunden in 24 Stunden bei vollem Aufzug. Nach halber Gangreserve steigt die Abweichung auf knapp fünf Sekunden/24 Stunden. Das sind hervorragende Werte.

Die gute Leuchtkraft erleichtert die Nachtablesbarkeit. © Thomas Gronenthal

Watchthusiast-Fazit: Eine Uhr zum Träumen. Auch nach einigen Testtagen wird der Blick auf das wunderschöne Zifferblatt nicht langweilig, zumal sich die Uhr wirklich gut trägt. Anonimo hat keinen Grund, anonym zu sein – auch wenn der Name das vielleicht suggeriert. 2.590 Schweizer Franken kostet die Nautilo Vintage, und den Preis finde ich angemessen. Denn anders als manch Hersteller in dieser Preisklasse sind hier keinerlei Standardkomponenten aus dem Sortiment gängiger Gehäuse- oder Komponentenhersteller zusammengefügt, sondern eine individuelle und hochwertige Uhr. Und dazu noch eine, die ein wenig Farbe und Freude ins Leben bringt.

Es brauchte übrigens einige Capri-Eis, ehe alle Fotos im Kasten waren. Lecker war es – und vielleicht zu früh im Juni, aber ich erkläre die Nautilo Vintage mit diesem Zifferblatt zur ultimativen Sommeruhr!

© Thomas Gronenthal

Thomas Gronenthal