Review: Constantin Weisz Moon Phase Automatic und Dresswatch 4007

Zwei klassische Dresser - einmal mit Mondphase, einmal mit Vintage-Kaliber (Achtung, nur wenige Stück noch zu haben!!)

Unlängst erreichte mich ein Paket aus Köln – Post von Dirk Motz, dem Inhaber von Constantin Weisz. Mit einem neuen Uhrwerk, kombiniert mit einer Mondphasenkomplikation, startet die Marke mit Uhren „Made in Germany“ ins Weihnachtsgeschäft. Bereits in einigen vorigen Reviews stellte das Unternehmen unter Beweis, das Uhren vom Teleshopping-Kanal 123tv nicht generell zu verwerfen sind – im Gegenteil, gemeinsam mit Zeppelin, UMF Ruhla, Jean Marcel und anderen wenigen Ausnahmen zählen die Uhren von Dirk Motz zu den beliebtesten und qualitativ sehr guten Uhren des Shopping-Kanals.

© Thomas Gronenthal

Die Uhr aus Edelstahl wurde mit einer Plattierung aus Roségold versehen, das Zifferblatt ist silbern und mit Sonnenschliff sowie einer Wellenguilloche versehen. Gemeinsam mit dem hochgewölbten Saphirglas fallen diese Details direkt ins Auge. Diese Uhr macht was her – die Verarbeitung aller Komponenten ist hochwertig und solide.

© Thomas Gronenthal

Zifferblatt & Zeiger

Das Zifferblatt verfügt nicht nur über applizierte Indexe, auch sind die Schliffe sauber und sorgfältig ausgeführt. Harmonisch wirken die Mondphase auf 12 Uhr – keine Tag-Nacht-Anzeige, sondern eine echte Mondphase, die per Drücker an der Gehäuseseite korrigiert werden kann. Die Zeiger sind ebenfalls, wie die Indexe und das Gehäuse, in Roségold gehalten. Auf sechs Uhr findet sich eine kleine Sekunde – optisch das ideale Gegengewicht zu der Mondphasenanzeige. Ein Datum sucht man vergeblich – oder eben auch nicht: Bei diesem Zifferblatt hätte das Datumsloch nur die Harmonie gestört.

© Thomas Gronenthal

Uhrwerk & Gang

Eine Überraschung auf den ersten Blick ist das Uhrwerk: In der Uhr wurde ein Schnellschwinger-Werk mit 28.800 A/h verbaut, das optisch hochwertig daherkommt. Brücken und Platinen sind mattiert, der Rotor trägt Genfer Streifen. Das Baumuster ist das ETA 2824-2, allerdings nicht von ETA. Der ausgelaufene Patentschutz macht es möglich, dass nun auch andere Hersteller das bewährte Uhrwerk nachbauen können. Constantin Weisz gibt ihm die Kalibernummer CH6103. Zur Anzeige der kleinen Sekunde und der Mondphase wurde zifferblattseitig ein Modul aufgesetzt, insgesamt kommt das Werk damit auf 32 Lagersteine. Neben der Incabloc-Stoßsicherung, die bei den meisten Klonwerken nicht benutzt wird, kommt auch eine Chronometer-Unruh mit den typischen Schenkeln zum Einsatz.

Die Zeitwaage zeigt, zu welchen Leistungen das Uhrwerk in der Lage ist: Bei einer Amplitude von 300 Grad weicht der tägliche Gang in den liegenden und hängenden Lagen um weniger als fünf Sekunden ab. Ein Sekundenstopp erleichtert die Einstellung der präzisen Uhrzeit. Auch am Arm überzeugt das Kaliber – nach einer Woche Tragetest ist das Uhrwerk knapp 10 Sekunden im Plus. Nachts liegend mit Zifferblatt oben gehen ein paar Sekunden verloren, die am Tag wieder aufgeholt werden: Dieses Uhrwerk wurde sorgfältig reguliert.

© Thomas Gronenthal

Gehäuse & Armband

Das solide Gehäuse ist nicht nur gut verarbeitet, sondern trägt sich auch hervorragend. Trotz des ordentlichen Durchmessers von 42 Millimetern passt die Uhr unter jede Hemdmanschette, das gewölbte Deckglas ergänzt das Vintage-Feeling. Das Armband ist, typisch für Constantin Weisz, aus deutschem Bioleder gefertigt. Es ist weich, anschmiegsam, braucht keine Zeit zum eintragen und wird mit einer ebenfalls vergoldeten Dornschließe aus Edelstahl am Arm befestigt.

© Thomas Gronenthal

Watchthusiast-Fazit:

Wer gerne Uhren sammelt und eine elegante Uhr sucht, die nebenbei auch präzise läuft, ist mit dieser Uhr sehr gut bedient. Im permanenten Alltagsbetrieb wird möglicherweise der ein oder andere die Anzeige des Datums vermissen.

Fünf Jahre Garantie, das Bioleder-Band, die wesentlich teurere Option des doppelt gewölbten Saphirglases und die Wahl des Uhrwerks auf ETA-Basis, eingefasst in einen Werkhaltering aus Metall, zeigen Wertigkeit, die weit über das nötige qualitative Minimum hinausgehen. Bei einem Preis von 600 bis 700 Euro kann also der 123tv-Zuschauer bedenkenlos die „Raute“ drücken.

© Thomas Gronenthal

Als Bonbon hat es noch eine zweite Uhr in das Paket aus Köln geschafft: Die Dresswatch 4007. Diese Zahl ist bereits ein Hinweis auf das Uhrwerk: Ein Felsa 4007 aus einem Lagerbestand unbenutzter historischer Uhrwerke. Das Kaliber stammt aus den 1960er Jahren und zählte damals durch den beidseitigen Aufzug zu den technisch fortschrittlichsten Uhrwerken. Bevor jetzt aber ein Leser auf die „Raute“ hofft: Diese Uhr war auf 99 Stück limitiert und ist offiziell ausverkauft. Nur wenige Exemplare sind noch im Webshop des Senders zu haben – aktuell zum Preis von 529,90. Das besondere: Diese Uhrwerke können nicht nur problemlos mit modernen Kalibern mithalten, sie sind zudem selten und sprechen echte Geschichte der Uhrmacherei. So trägt der Aufzugsrotor eine Gravur der Perfine Watch Company – ein Schweizer Unternehmen, das 1926 mit der Herstellung von Uhren begann. Später endete die Geschäftstätigkeit, und nur selten kommen Uhren dieses Herstellers in den Gebrauchtmarkt. Noch seltener ist also ein nagelneues, nie benutztes Uhrwerk mit dieser Markenkennung.

© Thomas Gronenthal

Auf der Zeitwaage zeigt das Werk eine sehr gute Leistung. Es wurde komplett zerlegt und revidiert, mit modernen Ölen geschmiert und reguliert. Lediglich bei der Einstellung merkt man, dass die Technik der 1960er Jahre auf den Alltag ausgerichtet war: Einen Sekundenstopp und eine Schnellschaltung für das Datum gibt es nicht – zum manuellen Datumswechsel muss die Zeit zwischen 21 Uhr und 0 Uhr vor- und zurückgestellt werden.

© Thomas Gronenthal

Um das Herz aus der Vergangenheit passend zu verpacken, setzt Constantin Weisz auf ein Gehäuse mit kleinerem Durchmesser von 39 Millimetern bei einer Bauhöhe von 12 Millimetern. Der Boden ist verschraubt, das Deckglas besteht aus künstlichem Saphir. Das Zifferblatt mit applizierten Indexen ist mit einem Farbverlauf lackiert – ein Fumé-Dial. Die verschiedenen Grüntöne machen den Blick interessant. Ein Detail verwundert: Das Zifferblatt trägt weiße Punkte, die wie Leuchtpunkte wirken. Die Zeiger allerdings sind in poliertem Chrom und tragen keine Leuchtmasse. Damit bleibt in der Dunkelheit die Uhrzeit ein Geheimnis.

© Thomas Gronenthal

Das Armband besteht ebenfalls aus zertifiziertem Bioleder, ist weich und bequem und wird mit einer gravierten Dornschließe geschlossen.

Für Uhrensammler ist ein Uhrwerk wie das Felsa 4007 fast ein Must-have: Die Ruhe der 18.000 Halbschwingungen pro Stunde, das leise Surren der Automatik verleihen der Uhr einen besonderen Charme. Wer es schafft, sollte sich noch eine Uhr sichern: Denn noch mehr davon sind kaum auf Schweizer Dachböden zu finden. Die Ersatzteilversorgung ist übrigens laut Constantin Weisz langfristig gesichert.

© Thomas Gronenthal