Review: Circula Supersport und Aquasport II

Evolution einer Uhrenmarke gemeinsam mit der Uhren-Community

Zugegeben, die Geschichte von Circula hat mich von Anfang an begeistert: Ein Enkel, der in einem Uhren- und Uhrenteilegroßhandel aufwuchs und die Uhrenmarke seines Großvaters mit neuem Leben füllt. Einige respektable Modelle kamen so auf den Markt – teilweise ausgestattet mit historischen Uhrwerken aus Pforzheimer Fertigung, und die beeindruckend gut gelungene Aquasport I mit Swiss Made-Kalibern. Allen Uhren ist die Fertigung in Deutschland gemeinsam – die Uhren sind „Made in Germany“ und werden in Pforzheim gebaut. Die Uhrwerke stammen aus der Schweiz.

© Thomas Gronenthal

Jetzt hat Circula ein neues As aus dem Ärmel geschüttelt: Die Supersport. Die Uhr kommt im klassischen Gewand eines Supercompressors daher, also einer Uhr, die auf hohe Wasserdichte ausgelegt ist. Bis 300 Meter ist die Uhr dicht, das Design nimmt die Merkmale der Supercompressor-Uhren aus den 1960er Jahren auf. Typisch ist die Drehlünette unter Glas, die per Krone auf zwei Uhr verstellt werden kann. Typisch ist auch die perfekte Lesbarkeit, die hier vor allem durch deutliche Kontraste und bunte Farbtupfer unterstützt wird. Das Zifferblatt in feinem Meergrün wird durch eine mattschwarze Drehlünette umrahmt, gelbe Akzente sorgen für Leben auf dem Blatt. Die Zeiger sind matt gebürstet, bei der Leuchtmasse hat Circula noch zugelegt: Im Dunkeln kann die Uhr als Leuchtturm genutzt werden. Das Prinzip der Supercompressor basiert auf reiner Phsyik: Bei steigendem Wasserdruck wird der Boden an das Gehäuse gepresst, und die Dichtung damit komprimiert. Das Ergebnis: Der Schutz vor eindringendem Wasser nimmt zu. Das Deckglas der 40-Millimeter-Uhr besteht aus Saphirkristall und ist innen entspiegelt. Damit ist ein Verkratzen der weichen Entspiegelung auf der Außenseite ausgeschlossen.

© Thomas Gronenthal

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Insgesamt fällt auf – trotzdem die Testuhr ein Prototyp ist – welchen Sprung Circula gemacht hat. War die Qualität der Aquasport schon hervorragend und mehr wert als der Kaufpreis, so ist die Supersport noch ein Quantensprung. Alleine das Band macht schon Freude: Solide, massive Glieder ohne Spiel, eine satte Schließe, die wie ein Tresor schnappt. Echte Taucher werden die Tauchverlängerung vermissen – dank des Schnellverschlusses am Bandanstoß kann aber jederzeit ein langes Stoffband für Tauchgänge montiert werden. Als Uhrwerk kommt das SW200-1 von Sellita zum Einsatz. Der Nachbau des ETA 2824-2 gilt als unverwüstlich und präzise und zudem unempfindlich gegen äußere Einflüsse wie die Temperatur, die bei Tauchgängen auftreten bzw. sich schnell ändern können. Die Testuhr ist hervorragend reguliert und arbeitet mit einer Abweichung von weniger als fünf Sekunden. Kleinere Details werden sich bis zur Serienuhr noch verändern.

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Apropos: Die Entwicklung hat Circula nicht alleine geschultert, sondern die Community der Uhrenfans aktiv einbezogen. Mit Abstimmungen konnten die Präferenzen festgelegt werden, insofern entspricht das Design, die Maße und viele Details mehr dem Wunsch der Uhrenfans. Das gilt auch für den Preis: Mit Stahlband kostet die Uhr 799 Euro, mit Tropic-Kautschukband 699 Euro. In Anbetracht des gebotenen Leistungsumfanges, der Qualität und des Charmes einer Uhrenmarke, die echte Familiengeschichte hat, ist das ein Schnäppchen. Diese Uhr würde auch für einen vierstelligen Preis über die Ladentheke gehen.

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Ähnliches gilt auch für die Aquasport, die noch einmal deutlich in den Qualitäten zugelegt hat verglichen mit der Aquasport I. Das Gehäuse ist noch feiner verarbeitet, was vor allem die tiefere Bodengravur und andere Details zeigen. Die Testuhr ist auf 99 Uhren limitiert und trägt ein besonderes Zifferblatt aus Meteoritengestein. Die Fertigung eines solchen Zifferblattes ist enorm aufwendig – zum einen ist das Gestein sehr spröde, was die schöne Kristallstruktur auch zeigt. Zum anderen muss es sehr flach geschliffen werden und wird dann mit einer Unterlage aus Messing verklebt. Daran werden die Füßchen befestigt, die Indexe werden durch beide Schichten gesetzt und von unten gesichert. Vor dem Satz der Indexe erfolgt noch der Tampondruck – und alle diese Schritte bergen das Risiko, dass ein Zifferblatt bricht. Der Ausschuss ist also entsprechend hoch. Daher wird auch auf die Aussparung eines Datumsfensters verzichtet.

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Die 200 Meter wasserdichte Uhr ist ebenso von sehr hoher Qualität, das Gehäuse mit 40 Millimetern Durchmesser ist solide und fein verarbeitet. Mattierungen und polierte Flächen wechseln sich ab, das Band schließt nahtlos am Gehäuse an. Auch innen hat sich etwas verändert: Der Werkhaltering ist jetzt aus massivem, gedrehtem Edelstahl. Zum Einsatz kommt je nach Wunsch des Kunden ein Sellita SW 200-1 in Standardausführung oder Top Grade.

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Das Armband ist weiterhin wahlweise ein Stahlband im Reiskorn-Design, die Glieder sind massiv wie auch die Schließe. Anders als bei der Supersport kommt allerdings kein Sicherheitsbügel zum Einsatz. Eine Taucherverlängerung ist auch hier nicht vorgesehen. Wahlweise steht auch ein Tropic-Band aus Kautschuk zur Verfügung. Die limitierte Uhr mit Zifferblatt aus Meteorit kostet 899 Euro am Stahlband mit Standarduhrwerk SW 200-1. Für 599 Euro bekommt der Käufer die Uhr mit blauem oder grauem Blatt und farblich angestimmten Lünetten mit Einlage aus Saphirglas sowie am Tropic-Band. Auch das ist ein Schnäppchen in Anbetracht der Qualität.

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Bemerkenswert bei beiden Uhren sind die Details, mit denen das klassische Design in die Neuzeit gebracht wurde. Das ist nicht nur schick, sondern auch von hoher Qualität in der Umsetzung. Wer Microbrands mag, findet hier ein Produkt, das viel Freude und Gegenwert bietet – und jeder Uhrenbesitzer ist bei einer Reise dabei, wie eine Familiengeschichte ihre Fortsetzung findet und Circula immer mehr zu einem wirklich ernstzunehmenden Marktteilnehmer wird. Bereits jetzt bieten die Uhren mehr Leistung als viele etablierte Brands im Markt.

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