Review: Sturmanskie Gagarin Vintage Retro

First Watch worn in Space

Bei Uhren im All fallen neun von zehn Befragten vermutlich Modelle aus der Schweiz ein – allen voran die Omega Speedmaster. Aber eine ganz andere Uhr reiste als erste ins All – Verzeihung, den Kosmos. Denn im internationalen Wettrüsten und Wettkampf um den Weg in den Weltraum zwischen den USA und der UDSSR war es ein Kosmonaut und kein Astronaut, der als erster Mensch im All verweilte.

Die Rede ist von dem sowjetischen Kosmonauten Juri Alexejewitsch Gagarin. Der 1934 geborene Sohn einer Bauernfamilie wurde 1960 nach seiner Pilotenausbildung als potenzieller Kosmonaut ausgewählt und erhielt vom 11. März 1960 bis Januar 1961 ein entsprechendes Training. Er wurde vor allem wegen seines ruhigen Temperaments aus den 20 möglichen Kandidaten ausgewählt. Am 12. April 1961 absolvierte der 1,57 m große Pilot mit dem Raumschiff Wostok 1 seinen spektakulären Raumflug und umrundete dabei nach offiziellen Angaben in etwas mehr als 108 Minuten einmal die Erde. Am Arm trug er eine Uhr aus sowjetischer Fertigung – eine Sturmanskie aus der Ersten Moskauer Uhrenfabrik. Ausgestattet mit einem Handaufzugwerk und einem kleinen Durchmesser war diese Uhr ein reines Arbeitsgerät.

Gehäuse & Zifferblatt

Zur Ehre wurden allerdings zahlreiche Modelle in den folgenden Jahrzehnten kreiert. Einen Blick werfen wir heute auf die Sturmanskie Herren-Armbanduhr Gagarin Vintage Retro 2416-3805146. Die Uhr kommt im satinierten Edelstahlgehäuse mit 40 Millimetern Durchmesser, 13 Millimetern Bauhöhe und einem Bandanstoß von 20 Millimetern. Das Zifferblatt wird mit einem gehärteten und stark gewölbten Mineralglas geschützt. Der Uhrenboden ist mit vier Schrauben befestigt, und verfügt neben kyrillischen Beschriftungen über ein Abbild des Kosmonauten Gagarin, dessen Oberfläche durch eine Sandstrahlung veredelt wurde. Das Zifferblatt ist in Crémeweiß gehalten, die arabischen Ziffern und die Zeiger für Stunde und Minute sind mit Leuchtmasse ausgestattet.

© Thomas Gronenthal

Der Sekundenzeiger wurde rot lackiert. Auffällig ist die sorgfältige Verarbeitung aller Komponenten, sowie die perfekte Länge der Zeiger. Als Reminiszenz an die historischen Modelle trägt der Sekundenzeiger auch einen Knick am Ende, um der Wölbung von Zifferblatt und Uhrglas Rechnung zu tragen.

© Thomas Gronenthal

Die Uhr ist wassergeschützt bis 50 Meter und schafft die Prüfung auch ohne Probleme. Als Wassersport- oder Taucheruhr ist dieses Modell allerdings nicht vorgesehen.

© Thomas Gronenthal

Werk & Gangwerte

Der Stahlboden verbirgt ein automatisches Uhrwerk. Es sind auch Neuauflagen dieser Uhr mit Handaufzug zu kaufen, der Alltagstauglichkeit zuliebe ist das Automatikwerk jedoch aus unserer Sicht die bessere Alternative. Das Vostok-Uhrwerk wird in Russland in der Stadt Tschistopol hergestellt und gehört zu den Klassikern russischen Uhrenbaus. Es tickt in zahlreichen Varianten auch in den bekannten Kommandirskie-Uhren. Das 2416b nutzt 31 Lagersteine, eine eigene Stoßsicherung. Mit 19.800 Halbschwingungen pro Stunden gehört es eher zu den gemütlichen Uhrwerken, die Gangreserve wird mit 31 Stunden angegeben. In unserem Test lief es mehr als zehn Stunden länger. Bei diesem Kaliber ist auch ein Handaufzug möglich. Ein Pluspunkt: Das Uhrwerk wurde mit einem soliden Werkhaltering aus Metall verbaut – keine Selbstverständlichkeit hinter einem Stahlboden.

© Thomas Gronenthal

Die Gangwerte allerdings waren im Test nicht komplett weltraumgerecht: Ein Vorgang von zwischen 19 und 24 Sekunden je nach Lage bei Vollaufzug zeugt eher von sehr weltlichem Laissez-faire. Die Amplitude hingegen beträgt stets um 300 Grad und ist ausgezeichnet, der Abfallfehler wurde mit zwischen 0,0 ms und 0,1 ms ebenso gut einreguliert. Mit einiger Feinarbeit am Rückerzeiger erreichte die Uhr nach einigen Minuten Regulierarbeit während des Tests Gangwerte zwischen 0 und plus drei Sekunden am Tag. Es wäre wünschenswert gewesen, diese Regulierung hätte bereits der Hersteller vorgenommen.

Tragekomfort & Band

Am Arm liegt die Uhr sehr gut, die Größe und Bauform machen die Sturmanskie zu einem idealen Alltagsbegleiter. Das Lederband besteht aus Wildleder und ist weich und anschmiegsam, die Dornschließe ist individuell gefertigt und sowohl komfortabel in der Nutzung als auch von wertiger Optik.

© Thomas Gronenthal

Watchthusiast-Fazit:

Bei den gängigen Händlern für russische Uhren in Deutschland kostet die Uhr um die 300 Euro – bei poljot24.de aktuell 315 Euro bei allerdings einer Lieferzeit von einem Monat. Das ist ein sehr günstiger Preis für eine solide Uhr mit Manufakturwerk, die zudem auf 2.000 Uhren pro Version limitiert ist. Diese Limitierungen waren bei russischen Uhren jedoch schon früher oft nur ein Schmuck und daher zu vernachlässigen. Wer sich also mit einer Kosmonautenuhr schmücken möchte, ist mit der Sturmanskie bestens bedient. Und im Vergleich zur Omega Speedmaster ist der Eintritt ins Universum der All-Uhren bedeutend günstiger!

© Thomas Gronenthal

1 Comments

  1. Diese Retro-Armbanduhr gefällt mir ausgesprochen gut! Und ich wusste gar nicht, dass sich damit so bedeutende Geschichte verbinden lässt. Vielen Dank für den Beitrag!

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