Review: UMF Ruhla Automatic mit Sprungdeckel

Das historische Uhrenzentrum Ruhla in Thüringen bekommt noch mehr frischen Wind

Zugegeben, ich weiß nicht, welche Menge an Uhren ich in den letzten Jahren wahlweise für Magazine oder diesen Blog untersucht habe. Aber eines ist sicher: Eine gewisse Routine kehrt dabei schon ein. Umso erfreulicher ist der Moment, den ich bei dieser Sendung aus Ruhla hatte: Einen Wow-Effekt beim Auspacken. Glänzender Edelstahl, gewölbtes Glas, schokoladenfarbenes Zifferblatt und ein schönes Horween-Lederband an einer Uhr “Made in Germany”. Das gefällt mir!

Gehäuse

Aber zunächst die blanken Fakten: Die Zeiger der UMF Ruhla Automatic werden von einem ETA 2824-2 angetrieben, das Gehäuse besteht aus Edelstahl 316L, das Glas aus Saphir. Der Durchmesser der Uhr beträgt 43 Millimeter ohne Krone, über die Mitte mit Krone gemessen 47 Millimeter. Die Bauhöhe beträgt 13 Millimeter. Neben der Krone findet sich auf zwei Uhr ein Drücker – den ich zwar kenne von der UMF Ruhla mit Kinetic-Werk, wo er zum Ablesen des Ladestandes ist. Hier aber ist er zum Öffnen des rückwärtigen Bodens.

Einen Sprungdeckel kennt man sonst nur von Taschenuhren, hier wurde er nahtlos in das Design der Uhr eingepasst, und dank des cleveren Mechanismus baut der Deckel nicht hoch auf. So ist also die Rückseite der Uhr eine spiegelpolierte Fläche mit wertiger Gravur, der auf Knopfdruck aufspringt und den Blick auf das Uhrwerk zulässt – und auf die sehr schöne Logogravur auf der Innenseite des Bodens. Unter dem Deckel wartet einen weitere Überraschung: Der Innenboden mit Glaseinsatz ist mit einem Vollgewinde verschraubt. Damit erreicht die Uhr 50 Meter Wasserdichte – und es spricht für die qualitative Fertigung bei UMF Ruhla bzw. Pointtec, die diese Uhren bauen. Das Gehäuse ist makellos gefertigt. Alle Polituren sind sauber, verschiedene Flächen wurden satiniert.

Interessant ist diese Lösung mit Sprungdeckel allemal: Zum einen wird das Uhrwerk bei abgelegter Uhr vor UV-Strahlung geschützt, die langfristig die Schmierstoffe negativ beeinflusst. Zum anderen bietet sich eine schöne Fläche für eine persönliche Gravur.

Zifferblatt & Zeiger

Das Zifferblatt in Schokoladenfarbe verfügt über aufgesetzte und mit Leuchtfarbe gefüllte Indexe. Das Super Luminova erfüllt voll seinen Zweck – die Uhr ist auch in der Dunkelheit ohne Probleme abzulesen. Auch die Zeiger – Stunde und Minute – wurde mit Super Luminova ausgelegt, allerdings in der Farbe Old Radium, was der Uhr einen schönen Vintage-Touch verleiht. Das Datum ist auf drei Uhr sichtbar.

Zeiger und Zifferblatt sind sehr gut verarbeitet und hochwertig, und bei den Zeigern weiß vor allem die Länge zu überzeugen. Der weiße Sekundenzeiger streicht genau über seine Skalierung – eine Besonderheit in einem Markt, wo 60 Prozent der Uhren zu kurze Zeiger haben….

Die Bedienung über die große Zwiebelkrone ist leicht. Durch den Glasboden sind zudem noch Details sichtbar, die das Testerherz erfreuen: Das Uhrwerk ist in einem Werkhaltering aus Metall verschraubt, und dieser wiederum ist mit Briden (kleine Laschen) im Gehäuse verschraubt. Wer diese Uhren baut, hat Ahnung von dem, was er tut.

Das Saphirglas ist sauber in seiner Dichtung eingepresst – und das einzige, das ich mir anders wünschen würde. Zwar ist die Oberseite gewölbt, die Unterseite jedoch flach. Das ergibt bei seitlicher Draufsicht einen Lupeneffekt, den beidseitig gewölbte Gläser nicht haben. Jammern auf hohem Niveau? Korrekt!

Uhrwerk & Gangwerte

Das Uhrwerk ist ein ETA 2824-2 in der Standardausführung. Als optische Abwechslung verfügt der Rotor über einen Genfer Streifenschliff sowie eine Vergoldung. Die Gangwerte auf der elektronischen Zeitwaage können sich sehen lassen: Der Vorgang beträgt bei Vollaufzug knapp 6 Sekunden pro Tag, die Amplitude liegt bei über 300 Grad, einen Abfallfehler kann ich nicht feststellen. Das sind Top-Werte, die sich nach ein paar Wochen Tragezeit voraussichtlich noch etwas reduzieren werden.

An den Arm kommt die UMF Ruhla Automatic mit einem Lederband von Horween, das noch zusätzlich mit dem UMF-Logo geprägt wurde. Das Band ist ab dem ersten Anlegen weich wie Butter und extrem angenehm zu tragen, zumal die Farbe perfekt auf das Zifferblatt abgestimmt ist. Die Dornschließe ist individuell, ebenfalls kein Produkt von der Stange, und mit Logogravur versehen. Schnellwechselstege machen einen Bandtausch einfach.

Watchthusiast-Fazit:

Auf dem Preisschild stehen 599 Euro als Preisempfehlung, bei einer limitierten Auflage von 299 Stück, einzeln numeriert. Das ist ein selten gutes Preis-Leistungsverhältnis – selbst bei einem Preis von 799 Euro würde ich dieser Uhr meine Empfehlung geben. Die Qualität der Komponenten ist sehr hochwertig, die Verarbeitung ist einwandfrei und die Gangwerte ebenso gut. Zudem ist die Wiedererweckung des Namens UMF Ruhla ein smarter Zug. Die Uhren hatten bereits damals den Ruf von guter Qualität bei niedrigem Preis – wenn auch die damaligen Stiftankerwerke nicht der heutigen Qualität eines ETA 2824-2 entsprechen konnten. Und nicht zu vergessen der Wow-Effekt, den diese Uhr bei mir ausgelöst hat. Well done, UMF Ruhla!

Apropos: Neben dem Verkauf über den Fachhandel wird die Uhr auch demnächst bei 1-2-3.tv zu haben sein – neben einer neuen Version der bereits getesteten UMF Ruhla Autokinetic mit neuen Zifferblattfarben.

3 Comments

  1. Hallo
    Erst mal, ich bin auf Euch gekommen, weil ich die Gangabweichung vom TY2869 wissen wollte. Nicht dass ich Interesse an einem Kauf habe – aber an der, wie erwähnt Genauigkeit. Leider habe ich keine Daten zu diesem Werk finden können, welche übrigens in einer DeLorean läuft.
    Während dem vergeblichen Suchen stiess ich auf die China-Autavia. Hey, sooo ein toller Interessanter Bericht! Hut ab!!!
    Nur lese ich gerade den Artikel zur UMF RUHLA. In diesem Fall habe ich eine etwas andere Meinung, entschuldige bitte. Aber das reine Braun (ich weiss nicht ob es von Belang ist, aber ich bin nun halt mal Grafiker von Beruf) Und dann dieses Rehbraune Band, wobei Rehbraun ja eben auch braun beinhaltet. Ich find das furchtbar. Ein praktisch rotes Band zum braunen Blatt. Und dann diese Kathedralzeiger. Und wieso sollte man sich dieses Werk bitte anschauen. Genau diesen Mechanismus hat meine Breitling, ca. 4 Monate alt. Dort staunt man dann aber ab dem Manuf. Werk. Und sehe ich richtig, dass die Ziffern mintfarbig sind und die Zeiger gelb mit Braunstich? Bitte nicht falsch verstehen, will bei Gott kein Bashing betreiben. Aber ist schon verrückt wie jemandem eine Uhr gefällt während sie jemand anders richtig schlimm findet. Nochmals sorry. Ich musste das loswerden als ich diese Uhr sah.

    • Thomas Gronenthal 25. Juli 2021 um 11:08

      Gott sei Dank sind die Geschmäcker ja verschieden!

      Das TY2869 – basieren tut es auf dem Seagull ST 16 – läuft ab Werk in der typischen -20 bis +40-Toleranz. Es lässt sich besser regulieren, ist aber sehr mit Lagenschwankungen gesegnet. Der Einkaufspreis liegt im Gros bei unter 10 USD. Also alles, nur kein wertiges Werk….

  2. Hallo Thomas
    1000 Dank für Dein Feedback. Toll, dass Du sogar auf mein ursprüngliches Anliegen eingegangen bist.
    Sind wirklich interessante und mir bis anhin unvorstellbare Fakten. Habe mich bis jetzt nicht in diesem Sinn mit Uhren beschäftigt. Mehr ein wenig gesammelt, wobei das Werk schön und genau sein musste und das Design der Uhr als Ganzes in meinem Auge einfach ABSOLUT stimmig sein musste. Merke nun, dass dies leider etwas oberflächlich war; dass eine Uhr extrem viel mehr zu erzählen hat und damit um vieles interessanter wir; oder, dass das Sammeln eigentlich erst hier so wirklich anfängt. Kann gut sein, dass mit deinem Bericht ein Anfang gemacht ist – dass ich mein Spektrum bezüglich Uhren erweitere.
    Freundliche Grüsse, Sascha

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